27. Februar 2013

„Gute Zeiten“ führen zu weniger Gründungen im Handwerk

Das starke Wachstum des Betriebsbestandes im baden-württembergischen Handwerk ist unterbrochen. Zum Jahresende 2012 gab es 132.710 Betriebe im Land, nur 81 (+ 0,1 %) mehr als im Jahr zuvor. „Wenn die Beschäftigungsmöglichkeiten gut und Fachkräfte gefragt sind, dann gibt es weniger Gründer“, erklärt Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle den Rückgang. Ein Trend, der sich auch in der bundesweiten Gesamtwirtschaft zeige.

Das starke Betriebswachstum der letzten Jahre ist damit zunächst unterbrochen. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 lag das Plus noch bei 1.600 Betrieben (+ 1,2 %). In guten Zeiten gebe es attraktive abhängige Beschäftigungsverhältnisse, sagte Möhrle. Zudem sei der Gründungszuschuss für kurzzeitig Arbeitslose stark eingeschränkt worden.

Im zulassungspflichtigen Handwerk waren zum Jahresende 83.095 Betriebe eingetragen. Dies waren 648 Betriebe oder 0,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit hatten die meisterpflichtigen Berufe einen Anteil von 62,6 Prozent an allen Handwerksbetrieben. Vor der Novelle der Handwerksordnung im Jahr 2003 waren es noch rund 70 Prozent. Die Zahl der Neueintragungen lag mit nur 3.909 deutlich unter den Vorjahren. Nur das Bauhauptgewerbe und das Dienstleistungsgewerbe konnten das Jahr mit einem kleinen Betriebszuwachs abschließen. Rückgänge gab es bei den Berufen Bäcker (-62) und Fleischer (-135), ebenso bei den Metallbauern (-50) und den Feinwerkmechanikern (-97). Hier setzten sich die schon aus den Vorjahren bekannten Konzentrationsprozesse fort: „Es gibt zwar immer weniger Betriebe, diejenigen, die am Markt bleiben, werden jedoch größer“, teilte Möhrle mit. Im Nahrungsmittelhandwerk spiele zudem die Konkurrenz mit Supermärkten und Discountern eine große Rolle.

Zum Stichtag 31. Dezember ist der Betriebsbestand im zulassungsfreien Handwerk um 790 (+3,2%) auf 25.288 Betriebe gewachsen. Das zulassungsfreie Handwerk war zwar der einzige Handwerksbereich, der einen steigenden Betriebsbestand verzeichnen konnte, allerdings war das Wachstum nicht so stark wie in den Vorjahren.

Im handwerksähnlichen Gewerbe (Anlage B2 HwO) wurden 24.270 Betriebe gezählt (-0,2%).