12. August 2013

Energiewende: Verbraucher sehen Nachbesserungsbedarf

Erich-Westendarp_pixelio.de Ausbau und Fassade - Energiewende: Verbraucher sehen Nachbesserungsbedarf
Die Energiewende im Fokus. (Foto: Pixelio/Westendarp)
Die Energiewende wird von den Verbrauchern unterstützt, die Umsetzung wird aber kritisch gesehen. (Foto: Pixelio/Westendarp)

Auch zwei Jahre nach dem Start stehen die Verbraucher in Deutschland hinter den Zielen der Energiewende: 82 Prozent befürworten den Ausstieg aus der Atomenergie und einen verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien. Skeptisch blicken sie auf die Art und Weise der Umsetzung: Die Zahl der Kritiker (48 Prozent) übertrifft die der Unterstützer (40 Prozent).

Schuld daran sind insbesondere die steigenden Energiekosten. Das zeigt eine repräsentative Studie, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) durchgeführt hat. „Die Energiewende ist richtig und wichtig. Das sehen auch die Verbraucher. Die Akzeptanz darf aber nicht verspielt werden. Damit die Stimmung nicht kippt, sind jetzt Korrekturen in der Umsetzung nötig. Die Energiekosten dürfen nicht weiter steigen“, sagt Gerd Billen, Vorstand des vzbv.

Auf die offene Frage nach den Nachteilen der Energiewende führte die Mehrheit von 52 Prozent der Befragten steigende Preise an. Noch aber überwiegen für mehr als zwei Drittel der Verbraucher (69 Prozent) die Vorteile. Dabei nennen sie an erster Stelle den Klima- und Umweltschutz (38 Prozent), gefolgt von höherer Sicherheit durch den Atomausstieg (23 Prozent).

Weit mehr als die Hälfte der Verbraucher misst sich selbst (63 Prozent) oder Verbraucherverbänden (60 Prozent) nur einen geringen Einfluss auf das Gelingen der Energiewende bei. Die aus ihrer Sicht einflussreichsten Akteure sind Wirtschaft und Industrie (87 Prozent), die Energieversorger (86 Prozent) und die Politik (86 Prozent). „Die Verbraucher bezahlen für die Energiewende, dürfen aber nicht mitentscheiden. Die Verbraucherperspektive darf bei dem Großprojekt Energiewende nicht zu kurz kommen“, so Billen. Die Politik stehe in der Pflicht, Verbraucherinteressen stärker zu berücksichtigen.

Welche Punkte den Verbraucher bei der Umsetzung der Energiewende wichtig sind, zeigt die aktuelle Umfrage. Demnach befürwortet mehr als jeder Zweite (55 Prozent) einen dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien – also die Errichtung neuer Windkraftanlagen vor allem dort, wo der Strom verbraucht wird. Der Vorteil: Der Bedarf an neuen Stromleitungen verringert sich.

Kritisch sehen Verbraucher auch, dass bestimmte Unternehmen oder Industriezweige von den Kosten der Energiewende befreit werden, indem sie nicht oder nur teilweise die EEG-Umlage und Netzentgelte zahlen müssen. 62 Prozent lehnen diese Ausnahmeregelung für stromintensive Industriebetriebe ab. Auch der vzbv fordert eine gerechte Verteilung der Stromkosten. Holger Krawinkel: „Die Ausnahme muss eine Ausnahme bleiben. Nur Unternehmen, die tatsächlich im internationalen Wettbewerb stehen, sollten von Vergünstigungen profitieren.“

Die ungleiche Kostenverteilung wird dadurch verstärkt, dass immer mehr Betreiber von Solaranlagen den Strom, den sie selbst erzeugen, auch selbst verbrauchen – und sich der Zahlung der Netzentgelte entziehen. Der vzbv begrüßt zwar die Zunahme der Eigenerzeugung als einen zentralen Treiber der Energiewende. Damit die Kostenverteilung innerhalb der Gesellschaft aber nicht in eine Schieflage gerät, muss das System der Netzentgelte reformiert und auf leistungsbezogene Tarife umgestellt werden. Die Umfrage bestätigt das: 45 Prozent der Verbraucher sehen die Gefahr, dass die Energiewende die sozialen Gegensätze zwischen arm und reich verstärkt.