30. Januar 2014

Alternative Handwerk: Beratung für Studierende an Hochschulen wird intensiviert

Mit spezifischen Beratungs- und Bildungskonzepten für potenzielle Studienaussteiger lockt das Handwerk im Rahmen der Fachkräftesicherung in vielen Regionen. Eine neue Studie des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zeigt: Über die Hälfte der Handwerksinstitutionen unterstützt oder plant Kooperationsprojekte mit Hochschulen für Maßnahmen zur Integration von Studienaussteigern in die berufliche Bildung.

"Das Handwerk bietet jedem handfeste Karriereperspektiven, auch im zweiten Anlauf. Bestehende Beratungsstrukturen für Studenten sollten sich hier verstärkt vernetzen und zusammenarbeiten, um jungen Talenten in der Phase der Umorientierung die Chancen handwerklicher Bildungs- und Karrierewege aufzuzeigen", fordert ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer.

Ein Beispiel für eine erfolgreiche Bildungskooperation ist unter anderem das Pilotprojekt der Handwerkskammer für Unterfranken. In Partnerschaft mit der Universität Würzburg und später mit den Hochschulen Würzburg-Schweinfurt und Aschaffenburg wurden 27 Studienabbrecher in die handwerkliche Ausbildung vermittelt. Als ehemalige Studenten erlernen sie jetzt die Handwerksberufe Schreiner, Hörgeräteakustiker, Feinwerkmechaniker und Elektroniker. In speziellen Berufsschulklassen und in den kooperierenden Betrieben eignen sie sich in verkürzter Ausbildungszeit die Kenntnisse für die Gesellenprüfung sowie Teile der Meisterprüfung und Grundlagen für Führungsaufgaben in einem Handwerksbetrieb an.

Spezifische Bildungskonzepte mit attraktiven Karriereoptionen im Handwerk bieten eine doppelte Chance: für das Handwerk, dringend notwendige zusätzliche Fachkräfte auszubilden, und für die Unis, ihr Beratungs-Dienstleistungsspektrum um Studenten zu erweitern. Bestehende Kooperationsprojekte reichen von Informationsflyern über die Etablierung spezifischer Beratungsstellen bis hin zur Entwicklung von passgenau zugeschnittenen und ganzheitlichen Bildungskonzep-ten. Ziel ist es, Studienaussteiger über den Weg der beruflichen Bildung zum Handwerksmeister bzw. zum Unternehmer zu führen. Bereits erbrachte Studienleistungen können angerechnet werden. Wollseifer: "Angesichts der Herausforderungen kann es sich Deutschland nicht leisten, Talente bei einer angestrebten Umorientierung nur einseitig zu beraten oder gar abzuschreiben."

Um den Anforderungen dieser Kooperationsprojekte gerecht zu werden, verstärkt das Handwerk den Aufbau der entsprechenden Beratungsstrukturen. Wollseifer: "Jungen Menschen müssen wir eine individuell zugeschnittene Perspektive auch abseits des klassischen Akademikerwegs bieten. So erschließen wir wichtiges Fachkräftepo-tenzial." Das Handwerk ist Vorreiter und Innovationstreiber in zentra-len gesellschaftlichen Herausforderungen – beispielsweise altersgerechtes Wohnen, Energiewende oder Elektromobilität. Dazu kommt: In den nächsten zehn Jahren suchen etwa 200000 Handwerksunternehmer vor ihrem Ruhestand einen Nachfolger. "Ein immenses Potenzial für Fach- und Führungskarrieren und für innovative Köpfe", so Wollseifer.

Die ZDH-Studie "Integration von Studienaussteigern in das duale Berufssystem" und Beispiele für Kooperationen zwischen Handwerkskammern und Universitäten und/oder Hochschulen unter: http://www.zdh.de/themen/bildung/fachkraeftesicherung/studienaussteiger-sind-im-handwerk-willkommen.html