25. März 2014

Studie: Schimmel in Neubauten - Wahrscheinlichkeit und Vermeidung

Die Fachwelt vermutet, Neubaufeuchte und die immer kürzeren Bauzeiten bzw. schnellere Baufertigstellung könnten die Ursachen für die vermehrten Schimmelpilzbelastungen in Neubauten sein. Tatsächlich ist die Wahrscheinlichkeit für Schimmelpilzwachstum erhöht, sollte die beim Bauen eingebrachte Feuchtigkeit nicht aus den Materialien austrocknen. Doch laut Eva Foitzik, Architektin und Diplom-Ingenieurin aus Zürich, ist bei einer fachgerechten Ausführung nach den anerkannten Regeln der Technik und den Richtlinien der Systemlieferanten ein (viel) zu schnelles Bauen eigentlich nicht möglich.

Viele Arbeitsprozesse, vor allem beim Innenausbau, sind abhängig von der Material- bzw. Bauteilrestfeuchte. Bevor neue Bauteilschichten aufgebracht werden können, müssen die darunterliegenden Schichten nahezu trocken sein. Um eine einwandfreie Ausführung gewährleisten zu können, sollten die Vorgaben der Produkthersteller zwingend beachtet und Feuchtigkeitsmessungen durchgeführt werden. Kritisch wird es, wenn aufgrund von Verzögerungen oder Bauablaufstörungen die Vorgaben unterschritten werden. Eine fehlerfreie Ausführung kann dann nicht mehr sichergestellt werden. Risiken werden bewusst in Kauf genommen. Hier besteht die Gefahr, dass vermehrt Feuchtigkeit im Bauteil verbleibt, womit die Grundlage für Schimmelpilzbelastungen gegeben sind.

Unüberlegter Umgang mit Wasser, Leckagen oder Wasserschäden beim Neubau

An Hand der von Foitzik gewonnenen Erkenntnisse scheint gerade in Neubauten die Hauptursache für Schimmelschäden vielmehr ein unüberlegter Umgang mit Wasser, Leckagen oder Wasserschäden zu sein. Bei weniger als einem Viertel der im Rahmen der Studie ausgewerteten Gutachten, wurde übermäßige Feuchtigkeit während der Bauphase angegeben. Bei 52 Prozent jedoch wurde von einem Wasserschaden berichtet. Dabei ist nicht jede Leckage oder jeder Wasserschaden bedenklich. Kritisch wird es, wenn ein Wasserschaden nicht unmittelbar bemerkt wird oder nicht kurzfristig Trocknungsmaßnahmen eingeleitet werden. Gerade bei einem Wasserschaden auf Bauteiloberflächen gelangen oftmals große Mengen Wasser auch über die Randfuge unter den Estrich in die Dämmebene der Fußbodenkonstruktion. Diese tiefer liegenden Dämmstoff-Schichten zeitnah und vollständig auszutrocknen, gestaltet sich meist schwierig bis unmöglich. Durch Unebenheiten des Rohbetonbodens und durch dichte Dämmlagen kann die Luft zum Trocknen nicht gleichmäßig zirkulieren. Wasseransammlungen oder Feuchtigkeit können in der Konstruktion verbleiben. Eine evtl. aus der Restfeuchter resultierende Besiedelung mit Schimmelpilzen oder Bakterien kann nur durch mikrobiologische Untersuchungen erkannt oder ausgeschlossen werden.

Prävention günstiger als Sanierung

Um Schimmel beim Bauen vermeiden zu können, nennt die Architektin verschiedene Präventivmaßnahmen. Diese sind wesentlich kostengünstiger und weniger zeitintensiv als aufwändige Sanierungen nach Schadenseintritt. Zudem erfordern Präventivmaßnahmen keinen großen Mehraufwand beim Bauablauf.

Die meisten vorbeugenden Maßnahmen können laut Eva Foitzik bereits bei der Erstellung des Rohbaus getroffen werden. So sollte beispielsweise die Konstruktion während der Rohbauphase vor eindringendem Regenwasser (oder Schnee) geschützt werden. Noch nicht verbaute Materialien sind bei der Lagerung vor Niederschlagswasser zu schützen, damit der Baustoff nicht zusätzlich zur produktionsbedingten Feuchte weitere Feuchtigkeit aufnimmt. Während der Ausbauphase ist auf ausreichende (Be-)Lüftung der Räume zu achten. Gegebenenfalls sollte mit technischer Unterstützung getrocknet werden. Weitere Maßnahmen sind beispielsweise schadenstolerante Konstruktionen, konsequenter Umgang mit freigesetztem Wasser und ein auf das Bauvorhaben abgestimmtes „Feuchtemanagement“.

Die ausführlichen Studienergebnisse und Präventivmaßnahmen präsentierte Eva Foitzik erstmals im Rahmen ihres Vortrags beim 4. Würzburger Schimmelpilz Forum, das am 21. und 22. März 2014 statt fand.