10. Juni 2014

Der Tarifabschluss im Bauhauptgewerbe ist verbindlich

Die Arbeitgeberverbände, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, sowie die IG BAU bestätigten am 5. Juni mit breiter Mehrheit die Annahme des Tarifvorschlags für die rund 760.000 Beschäftigten im Bauhauptgewerbe.

"Die langen Tarifverhandlungen über vier Verhandlungsrunden von Anfang März bis Anfang Mai 2014 haben sich gelohnt. Statt einer Hängepartie mit Schlichtungsverfahren bewegt sich der in allen Punkten ausgewogene Tarifvorschlag im Rahmen der konjunkturellen Rahmenbedingungen und trägt auch den Unterschieden in den einzelnen Regionen und Bausparten Rechnung." Dies erklärte Andreas Schmieg, Vizepräsident Sozialpolitik des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie und Verhandlungsführer der Arbeitgeber in Berlin. Zudem wertete Schmieg es als ein Zeichen der Stärke der Tarifautonomie und der Disziplin der Verhandlungspartner, dass nach Schlichtungsrunden 2007, 2009 und 2011 in den Jahren 2013 und 2014 Einigungen in freien Verhandlungen gelungen seien.

Löhne und Gehälter steigen in zwei Schritten

Laut Tarifvertrag steigen bei einer Laufzeit von 24 Monaten Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen im Tarifgebiet West ab dem 1. Juni 2014 um 3,1 Prozent und ab 1. Juni 2015 nochmals um 2,6 Prozent. Im Tarifgebiet Ost sind es jeweils 0,7 Prozentpunkte mehr. Darüber hinaus erfolgt zu Beginn des kommenden Jahres eine Erhöhung des Kilometergeldes für die tatsächlich gefahrenen Kilometer auf 20 Cent. "Nachdem in der Tarifrunde 2013 lediglich ein 13-monatiger Entgeltabschluss erzielt werden konnte, bietet der Tarifvorschlag mit seiner 24-monatigen Laufzeit den Unternehmen der Bauwirtschaft wichtige Planungssicherheit", erläuterte Schmieg. Dies gelte auch für die Bau-Mindestlöhne, die bereits in der Tarifrunde 2013 bis Ende 2017 vereinbart worden seien.

Tarifrente Bau wird bundesweit eingeführt

Weiterer zentraler Bestandteil des Tarifvertrags ist die bundesweite Einführung einer Tarifrente Bau. Die bisher ausschließlich von den Arbeitgebern finanzierte und nur im Westgebiet geltende Zusatzrente für Arbeiter und Angestellte wird ab Januar 2016 auf ein kapitalgedecktes System umgestellt und im Tarifgebiet Ost eingeführt. Der dann für die Ost-Arbeitgeber fällige Beitrag in Höhe von 0,6 Prozentpunkten der Lohnsumme wird schrittweise an den Beitrag im Tarifgebiet West angepasst. Gleichzeitig werden auch die Arbeitnehmer an der Finanzierung dieses Rentenbausteines beteiligt. Sie müssen befristet für die Jahre 2016 und 2017 20 Prozent (5 Prozentpunkte) von ihrem zusätzlichen Urlaubsgeld in das neue System einbringen. "Wir haben hart miteinander um die Einführung der Tarifrente im Osten gerungen. Es hat sich aber gelohnt, für dieses Jahrhundertprojekt zu kämpfen. Durch die Neuausrichtung wird die Zusatzrente für die Arbeitnehmer deutlich attraktiver als bisher. Statt wie bisher nur rund 89 Euro können jetzt über 400 Euro monatlich dabei herauskommen, wenn ein heute 20jähriger mit 67 in Rente geht", unterstrich Schmieg. Es zeige die sozialpolitische Verantwortung der Tarifpartner, die damit einen nennenswerten Beitrag zur Rentenversicherung leisteten. Möglich geworden sei dies aber nur durch die intensive langjährige Vorarbeit der Tarifvertragsparteien und die zeitweise Beteiligung der Arbeitnehmer.

Besonders hervorzuheben sei eine Komponente der Fachkräftesicherung und Nachwuchsbindung. Für jeden Auszubildenden werden ab 2016 monatlich 20 Euro zusätzlich zu der Ausbildungsvergütung für die neue Tarifrente Bau bei der Sozialkasse des Baugewerbes (SOKA-BAU) angelegt. Dadurch könnten Auszubildende bereits mit einem ansehnlichen Rentenbaustein, der sich durch den Zinseszinseffekt vieler Jahrzehnte sehr positiv auf die spätere tarifliche Rente auswirken werde, in den Bauberuf starten, fügte Schmieg hinzu.