15. Juli 2014

So wird auch Ihr Team Weltmeister!

699350_web_R_K_by_Bernd Kasper_pixelio.de Ausbau und Fassade - So wird auch Ihr Team Weltmeister!
(Foto: Bernd Kasper/pixelio.de)

Hurra, es ist geschafft. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist zum vierten Mal Weltmeister. Doch warum? Und was können Teams in Unternehmen von der deutschen Nationalmannschaft lernen? Was brauchen Sie zum Erfolg?

  1. Ein motivierendes und herausforderndes Ziel. „Wir wollen Weltmeister werden.“ Das sagte Nationaltrainer Jogi Löw im Vorfeld der WM in Brasilien immer wieder. Er wies jedoch zugleich darauf hin: „Ich kann nicht versprechen, dass wir dieses Ziel erreichen. Doch wir werden alle unser Bestes tun, um es zu erreichen.“ Dadurch nahm er seine Mannen in die Pflicht. Zugleich sorgte er aber dafür, dass im Umfeld kein übergroßer Erwartungsdruck entstand – woran die Mannschaft von Brasilien zerbrach.
  2. Hunger und Gier nach Erfolg. Wer herausragendes leisten möchte, muss hungrig auf den Erfolg sein – denn der erfordert zuweilen auch, an die Schmerzgrenze zu gehen. Das war bei der deutschen Mannschaft der Fall. Anders war dies beim spanischen Team, das weitgehend aus Spielern bestand, die schon einmal die Welt- und die Europameisterschaft gewonnen hatten. Es war satt. Entsprechend lethargisch war seine Spielweise.
  3. Gute, hoch talentierte „Spieler“. Aus einem Ackergaul kann man kein Rennpferd machen. Das gilt auch für Fußballmannschaften. Auch ihre Spieler müssen eine Mindestqualität haben, um das große Ziel „WM-Titel“ zu erreichen. Das zeigt das Beispiel der algerischen Mannschaft. Sie wuchs im Spiel gegen Deutschland zwar über sich hinaus und spielte für ihre Verhältnisse fantastisch. Doch letztendlich siegte die deutsche Mannschaft, obwohl sie an diesem Tag nicht in Top-Form war, weil in ihr mehr Substanz steckte.
  4. Einen Teamspirit. Für einen Mannschaftssport wie Fußball gilt: Ohne Teamgeist kommt man nicht weit. Deshalb musste die Mannschaft von Kamerun schon nach der Gruppenphase die Koffer packen, obwohl sie bessere Einzelspieler als zum Beispiel der Viertelfinalist Griechenland hatte. Doch diese waren unter sich und mit ihrem Verband so zerstritten, dass sie auch auf dem Platz wie elf Einzelspieler und nicht wie ein Team agierten.
  5. Ein Trainingslager. Um eine Top-Leistung erbringen zu können, müssen Teams gewisse Abläufe so lange üben, bis sie diese verinnerlicht haben. Sonst klappt das Zusammenspiel nicht. Deshalb begab sich die deutsche Mannschaft vor der WM in ein Trainingslager. Und dort übte sie zum Beispiel Standard-Situationen. Mit dem Ergebnis, dass sie bei der WM von allen Mannschaften die meisten Tore nach Eckbällen und Freistößen erzielte.
  6. Ein unterstützendes Umfeld. Ohne ein funktionierendes Team im Hintergrund hätte die deutsche Mannschaft in Brasilien vermutlich nicht einmal den Weg ins Stadion gefunden. Deshalb ist der Erfolg der deutschen Mannschaft zu einem großen Teil auch der Erfolg des Teams hinter dem Team. Denn dieses sorgte dafür, dass die Nationalspieler, sich voll auf ihre Aufgabe „Fußball-spielen“ konzentrieren konnten. Deshalb hat das Team hinter dem Team auch einen Pokal verdient.
  7. Eine Spielidee. Mit welcher Spielweise können wir Weltmeister werden? Hiervon hatte Jogi Löw eine klare Vorstellung. Deshalb scheute er sich auch nicht, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, wie den Stürmer Stefan Kießling zuhause zulassen. Und dies obwohl alle Fußball-Experten danach schrien: „Ohne einen zweiten echten Stürmer neben Miroslav Klose haben wir keine Chance, Weltmeister zu werden.“ Jogi bewies ihnen das Gegenteil.
  8. Den Mut, Entscheidungen zu korrigieren. Das bedeutet keinesfalls, dass Jogi Löw alles richtig machte. Er hatte jedoch den Mut, getroffene (Vor-)Entscheidungen zu korrigieren. So entschied er zum Beispiel nach den wenig souveränen Spielen gegen Ghana und Algerien, Philipp Lahm statt im Mittelfeld doch wieder als rechten Verteidiger einzusetzen – mit dem gewünschten Ergebnis.
  9. Eine klare Aufgaben- und Rollenverteilung. Eine Fußballmannschaft ohne eine klare Aufgaben- und -Rollenverteilung ist kein Team, sondern ein Hühnerhaufen. Sie kann keinen Erfolg haben. Entsprechend wichtig war, dass im deutschen Team jeder neben seinen Aufgaben, auch die seiner Mitspieler kannte. Denn erst aus dieser Grundordnung erwuchs für die Einzelspieler die Möglichkeit, ihre Kreativität zu entfalten – und zwar so, dass diese keine brotlose Kunst war, die primär der Selbstdarstellung dient.
  10. Eine Rückendeckung. Wie selbstbewusst die Offensivkräfte eines Teams agieren, hängt auch davon ab, wie viel Vertrauen sie in die Männer hinter sich haben, dass diese das Erreichte sichern. Denn was nützt ein Tor-Erfolg, wenn man im Gegenzug ein, zwei Gegentore kassiert? Wenig! Entsprechend wichtig waren solche zuverlässigen Bollwerke wie Jérôme Boateng und Mats Hummel für die deutsche Mannschaft. Und selbstverständlich ein Spieler wie Torwart Manuel Neuer, der in allen Spielen eine extreme Souveränität ausstrahlte.
  11. Vertrauen. Auch in einem an sich gut funktionierenden Team kann ein Spieler mal unter seinen Möglichkeiten bleiben – so wie zum Beispiel Mario Götze in den ersten WM-Spielen. Dann dürfen seine Trainer, also Führungskräfte, ihn nicht gleich wie eine heiße Kartoffel fallen lassen. Sie müssen ihm Mut zusprechen – so wie dies Jogi Löw angeblich vor der Einwechslung im Endspiel tat, indem er zu Götze sagte „Zeig‘, dass Du besser als Lionel Messi bist“ – woraufhin „Super-Mario“ den Siegtreffer im Finale schoss.
  12.  Spieler, die bis zum Umfallen kämpfen. Wie oft wurde Sebastian Schweinsteiger im Finale gefoult? In der Verlängerung hatte man zum Teil den Eindruck: Die argentinischen Spieler verwechseln ihn mit dem Ball. So oft wurde er getreten. Doch Schweinsteiger stand immer wieder auf. Und selbst als er unter dem Auge eine Platzwunde hatte, ließ er diese nur schnell zunähen. Danach spielte er weiter. Solche Spieler sind die echten Leitwölfe in einem Team, denn an ihnen können sich die Mitspieler, wenn sie müde werden, aufrichten.
  13. Kreative Geister. Mit einem Vorgehen nach Schema F kommt man sowohl im Fußball, als auch bei der Projektarbeit oft nicht zum Ziel. Entsprechend wichtig sind Spieler wie Thomas Müller im Team, die immer wieder unkonventionelle Wege sehen und gehen.
  14. Zufriedene Ergänzungsspieler. Es war bei der WM immer wieder faszinierend zu sehen, wie gutgelaunt auch solche Spieler wie Roman Weidenfeller und Lukas Podolski waren, obwohl sie entweder die ganze oder meiste Zeit auf der Ersatzbank saßen. Von Missgunst keine Spur. Vielmehr hatte man nach dem Filiale den Eindruck: Sie freuen sich ebenso über den WM-Titel wie die Spieler, die die Hauptprotagonisten waren. Diesen „Team-Spirit“ zu erzeugen und aufrechtzuerhalten, war vielleicht die größte Leistung der Führungskraft Jogi Löw, denn Grabenkämpfe hätten das Team schnell auseinander brechen lassen.
  15. Ein Quäntchen Glück. Auch die deutsche Mannschaft hatte im Turnierverlauf des Öfteren Glück. So zum Beispiel als in der ersten Halbzeit des WM-Finales nach einer völlig verunglückten Kopfball-Zurückgabe des ansonsten souveränen Mats Hummel, ein argentinischer Stürmer plötzlich allein vor Torwart Neuer stand. Doch er schoss daneben. Dieses Quäntchen Glück brauchen auch Spitzen-Teams immer wieder, wenn sie den großen Erfolg anstreben. Doch wie ein Sprichwort sagt: Das Glück gehört den Tüchtigen. Deshalb war der deutsche WM-Titel verdient.

Hans-Peter Machwürth

Zum Autor: Hans-Peter Machwürth ist Geschäftsführer der international agierenden Unternehmensberatung Machwürth Team International (MTI Consultancy), Visselhövede (D), die auch eine Niederlassung in Brasilien hat (www.mticonsultancy.com).