16. September 2014

Baubetriebe im Norden: gute Konjunktur

Mehr als 16 Prozent Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr durch milden Winter und meisterhafte Qualitätsarbeiten am Bau. Die gegenüber dem Vorjahr „wie für die Bauwirtschaft gemachte Wetter­lage bis in den jetzt beginnenden Herbst hinein“ macht Georg Schareck, Hauptge­schäftsführer des Baugewerbeverbandes Schleswig-Holstein, für die zufriedenstellende wirtschaftliche Lage der Baubranche verantwortlich.

 „Mit dem guten Wetter und meister­hafter Qualität unserer handwerklichen Dienstleistungen ist auch die Konjunktur der Bauwirtschaft in Schleswig-Holstein durchgestartet. Im bundesweiten Vergleich liegen wir hier im Norden mit derzeit gut gefüllten Auftragsbüchern auch durch viele Arbeiten, die 2013 nicht realisiert werden konnten, weit vorn“, so Schareck zum Auftakt der 59. NordBau in Neumünster, dem Lackmustest für die Baubranche in Nordeuropa.

Ein Blick in die aktuellen Statistiken bis Ende Juni 2014 belegt dies für Schleswig-Holstein: Mit 22.386 Arbeitnehmern verzeichnete das Baugewerbe im Zeitraum Januar bis Juni 2014 gut 1,7 % weniger Mitarbeiter als im Vorjahreszeitraum. Die gute Wetter­lage ermöglichte ein Plus von 9,4 % bei den geleisteten Arbeitsstunden auf 12,80 Mio. Stunden. Der baugewerbliche Umsatz stieg dadurch im Vergleich zum Vorjahr um 16,1 % von 1,040 auf 1,230 Milliarden Euro. Er gliedert sich in diesem Zeitraum auf in 49 % Wohnungsbau, 28 % Gewerbebau sowie 23 % öffentlicher und Straßenbau.

Nach Sachsen-Anhalt und Brandenburg verzeichnet Schleswig-Holstein damit den größten Umsatzsprung und liegt vor allen norddeutschen Nachbarländern. „Wir sind froh über diese Entwicklung. Allerdings dürfen wir nicht vergessen, dass Schleswig-Hol­stein Nachholbedarf hat und gerade im öffentlichen Bereich einen riesigen Investitions­stau vor sich herschiebt. Das Drama um die Rader Hochbrücke ist ja nur die Spitze des Eisbergs und kein Wunder bei einer Investitionsquote des Landes von 7 Prozent“, so Schareck. Der Hauptgeschäftsführer wies aber darauf hin, dass das klein- und mittel­ständisch strukturierte Handwerk mit im Schnitt zehn Mitarbeitern pro Betrieb, vom Straßenbau nicht so stark profitiere.

Sorgen bereitet Schareck vor allem der starke Rückgang der Baugenehmigungen im Land. „Ein Minus von 16,3 Prozent ist alles andere als ein gutes Signal für künftige Aufträge. Die Erhöhung der Grunderwerbssteuer auf den deutschen Rekordwert von 6,5 % führt in Schleswig-Holstein eben dazu, dass die junge Generation trotz histo­risch niedriger Zinsen abgeschreckt wird, mit einem Hausbau oder Immobilienerwerb etwas für ihre Altersvorsorge zu tun oder verstärkt Investitionen zu tätigen“, sagte der BGV-Geschäftsführer und verwies auf die Auftragsentwicklung, die mit 726 Millionen Euro nur noch einen moderaten Anstieg von 3,1 % gegenüber dem Vorjahr darstellt.

Probleme sieht das Bauhandwerk vor allem durch eine Reihe politischer Entschei­dun­gen auf sich zukommen. Seit Jahresbeginn müssen durch die erhöhte EEG-Umlage statt etwa 5,3 Cent bereits 6,24 Cent pro Kilowattstunde Strom bezahlt wer­den. Diese erhöhte Umlage, haben aber derzeit nur kleine und mittelständige Unter­nehmen zu entrichten. Georg Schareck fordert daher, dass kleine und mittlere Bau­firmen nicht stärker als stromintensive Großunternehmen in die Pflicht genommen werden dürften. Es könne nach Ansicht von Schareck nicht übersehen werden, dass das Handwerk entscheidend am Erfolg der Energiewende mitarbeitet. „Ohne die Bauwirtschaft ist die Energiewende tot. Daher verstehe ich nicht, warum nicht spe­zielle Anreize gesetzt und zweckgebundene Absetzbarkeit in diesem Bereich ge­schaffen werden, wie einst bei der erfolgreichen Eigenheimzulage“, sagte Schareck.

„Allerorten erhalten wir bürokratische Nackenschläge, die die Qualitätsarbeit unserer Betriebe einschränken. Ob es die EU-Pflicht für digitale Fahrtenschreiber im Radius von 100 Kilometern vom Betrieb aus ist oder die Rundfunkgebühr bis hin zur Er­schwerung der freihändigen Vergabe auf kommunaler Ebene“, so Schareck. Das gelte auch für das Denkmalschutzgesetz mit der Veränderungssperre oder die BGV-Forderung bei öffentlichen Vergaben, Fachlose bis 250.000 Euro vorrangig an schleswig-holsteinische Betriebe zu vergeben. Es bedürfe einfach nur eines vernünf­tigen Augenmaßes, um klar zu erkennen, was die Bauunternehmen schlichtweg überfordere.

Dazu zähle auch die Qualifizierung der Fachkräfte, denn ohne ein klares Bekenntnis zum Meisterbrief ohne Wenn und Aber gegenüber den EU-Bestrebungen dürfe sich die Politik nicht wundern, wenn qualifizierte Fachkräfte der Branche ohne geregelte Perspektive den Rücken kehren. Derzeit gäbe es immer noch freie Plätze in Bauun­ternehmen, die nicht besetzt werden konnten. „Arbeit auf dem Bau bedeutet High­tech und stellt hohe Anforderungen an die Auszubildenden, denn die technische Entwicklung ist auch in dieser Branche nicht stehen geblieben. Machen Sie sich selbst ein Bild davon und besuchen Sie uns auf der 59. NordBau mit dem Schwer­punktthema Dachausbau wie immer in Halle 5. Wir freuen uns auf Sie!“ erklärte Georg Schareck.