30. September 2014

Bauhauptgewerbe: Unsicherheit wächst

Die Bauwirtschaft ist ausgesprochen verhalten in das zweite Halbjahr gestartet, die schwache Baukonjunktur im Juni hat sich auch im Juli fortgesetzt: Wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie in der neuesten Ausgabe seines Aktuellen Zahlenbildes mitteilt, sank der baugewerbliche Umsatz der Betriebe im Bauhauptgewerbe mit 20 und mehr Beschäftigten im Juli gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert um nominal 1,9 %.

Aufgrund des starken ersten Halbjahres ergibt sich für den gesamten Zeitraum von Januar bis Juli aber immer noch ein Plus von 9,7 %. Auch der Auftragseingang war im Juli im Minus: Die Baubetriebe meldeten einen Rückgang von nominal 4,1 % (real: - 5,3 %). Insgesamt lag die Ordertätigkeit in den ersten sieben Monaten nur noch um 1,7 % über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum (real: + 0,4 %).

Die insgesamt schwache Entwicklung im Juli war zwar, genau wie im Vormonat, zu einem großen Teil auf einen statistischen Basiseffekt zurückzuführen, der Rückgang war somit als zyklische Reaktion zu erwarten. Allerdings mehren sich die Zeichen zunehmender Unsicherheit, welche sich nicht nur in den konjunkturel­len Stimmungsumfragen, sondern auch in Auftragsstornierungen widerspie­geln. Laut einer Sonderumfrage für die Bauindustrie, welche im Rahmen des ifo Konjunkturtest durchgeführt wird, gaben 12 % der befragten Bauunternehmen Mitte September an, dass sie in den vergangenen sechs Monaten von Auftrags­stornierungen betroffen waren, im April waren dies lediglich 9 %.

Am schlechtesten entwickelte sich im Juli der Öffentliche Bau, für den sowohl ein Order- als auch ein Umsatzminus ausgewiesen wurden. Die Baubetriebe meldeten einen Umsatzrückgang von 5,2 %, für die ersten sieben Monate wurde aber immer noch ein Plus von 10,3 % erreicht. Dieses könnte im Laufe des Jahres allerdings weiter schrumpfen, da durch die anhaltende Zurückhaltung der Gebietskörperschaf­ten bei der Auftragsvergabe (Juli: - 10,4 %) der Auftragseingang mittlerweile ins Minus gerutscht ist (Jan.-Jul.: - 1,5 %). Auch die Neubaugenehmigungen im Öffent­lichen Hochbau (veranschlagte Baukosten) entwickelten sich ungünstig: Sie lagen in den ersten sieben Monaten um 27,1 % unter dem Vorjahresniveau.

Deutlich besser steht der Wirtschaftsbau da, der sich im Juli noch nicht von der allgemeinen Unsicherheit hat anstecken lassen: Der Umsatz ging zwar leicht zurück (Juli: - 0,9 %, Jan.-Jul.: + 7,9 %), die Betriebe meldeten aber weiter steigende Auf­tragseingänge (Jul.: + 4,9 %, Jan.-Jul.: + 2,9 %). Einen leichten Wermutstropfen verursacht allerdings die Entwicklung der Neubaugenehmigungen für Wirtschafts­bauten (veranschlagte Baukosten), die den zweiten Monat in Folge rückläufig waren (Jul.: - 10,6 %). Für den gesamten Zeitraum Januar bis Juli wurde aber immer noch ein Plus von 4,6 % ausgewiesen. Insbesondere die Nachfrage nach Fabrik- und Werkstattgebäuden hat angezogen (+ 20,8 %). 

 

Widersprüchliche Signale kamen im Juli hingegen vom Wohnungsbau: Während der Umsatz um 2,3 % zugelegt hat (Jan.-Jul.: + 12,8 %), sank der Auftragseingang um 8,9 % unter das Vorjahresniveau (Jan.-Jul.: + 5,7 %). Auch die Baugenehmigun­gen waren rückläufig (Anzahl Wohnungen: - 4,6 %). Aufgrund der guten Entwicklung in den Vormonaten sind die Genehmigungen in den ersten sieben Monaten aber noch deutlich im Plus (+ 6,9 %). Gestützt wird diese Entwicklung allerdings aus­schließlich vom Mehrfamilienhausbau, wo die Neubaugenehmigungen um 11,2 % gestiegen sind, die Genehmigungen von neuen Wohnungen in Ein- und Zweifamili­enhäusern gingen hingegen um 2 % zurück.

Alle Angaben und Berechnungen beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Nachträglicher Hinweis zur Umsatzstatistik: Das Statistische Bundesamt hat die Werte auf den Berichtskreis der Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten umgestellt. Bis dahin wurden die hoch geschätzten Angaben für alle Betriebe (einschließlich Kleinbetriebe) in der Pressemitteilung veröffentlicht. Der Hauptverband hat diese Praxis übernommen.