07. November 2014

IWM forscht gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik

Die Teilnehmer des Status-Meetings zum Thema »Beregnete Fassaden«. (Foto: IWM)

Seit Jahrtausenden schützt der Putz die Häuser vor Regen und Nässe. Doch nun stellt sich eine neue Frage: Welche Stoffe werden bei Regen aus dem Putz gelöst und in die Umwelt transportiert? "Wenn wir ehrlich sind, dann können wir das nicht genau beantworten", sagt dazu Dr. Hans-Joachim Riechers, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Werkmörtel (IWM). Da die 'Umwelteigenschaften' der Baustoffe immer wichtiger werden, forscht der IWM schon seit vielen Jahren gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) zum Thema 'Beregnete Fassaden'.

Dr. Klaus Breuer, stellvertretender Institutsleiter, hält das Forschungsprojekt für wegweisend. "Unser Ansatz ist es, zunächst das Verhalten der Putze in der Realität zu untersuchen, erst dann kön-nen wir die richtigen Schlüsse aus den Laborversuchen ziehen", erläutert er. Dazu wurden in Holzkirchen Hunderte von verkleinerten Putzflächen dem Wetter ausgesetzt und sogar mehrere Versuchshäuser gebaut. Das an den Flächen herablaufende Regenwasser wird aufgefangen und analysiert. Derart groß angelegte Versuche gab es bisher in Europa nicht. Entsprechend hoch ist die europaweite Aufmerksamkeit.

Vor diesem Hintergrund hatten das IBP und der IWM nun die führenden Experten aus Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden zu einem Status-Meeting nach Holzkirchen eingeladen. Können Erfahrungen mit anderen Baustoffen, z.B. Beton, auf verputzte Fassaden übertragen werden? Kann man die Auswasch- und Transportvorgänge in einem Rechenmodell abbilden? "Die entscheidende Frage ist, welche Schlüsse wir am Ende aus all den Erkenntnissen ziehen", fasst Dr. Klaus Breuer zusammen. "Ziel sind Bewertungskriterien, mit denen man beurteilen kann, bis wohin die von einem Putz verursachten Umweltauswirkungen noch als 'geringfügig' eingestuft werden können und ab wann das nicht mehr der Fall ist."

Genau das entspricht auch den Vorstellungen der Europäischen Kommission. "In Zukunft werden auf der Grundlage europäischer Normen konkrete Anforderungen an die Umwelteigenschaften eines Produktes gestellt werden", weiß Dr. Hans-Joachim Riechers, der selber in den entsprechenden europäischen Gremien tätig ist. "Deshalb haben wir das Forschungsprojekt auch schon bei vielen Gelegenheiten in Europa vorgestellt." Die Motivation, so Dr. Riechers, liegt auf der Hand: "Wir können in den Normen erst etwas festlegen, wenn wir wissen, worauf es ankommt und wie man was prüfen muss. Der 'worst case' wären Festlegungen, die von bewährten Produkten nicht mehr erfüllt werden können, obwohl dazu gar kein Grund besteht."

Das Status-Meeting zeigte, dass noch Zeit benötigt wird. Die Teilnehmer waren sich einig, dass auch künftig zusammengearbeitet werden muss. Dr. Riechers: "Wir haben in den ver-gangenen Jahren dazu gelernt. Alle führenden Unternehmen unserer Branche sehen die Notwendigkeit gemeinsamer Forschung und beteiligen sich daran. Auch über Verbandsgrenzen hinweg. Nur so können wir das Projekt auch finanziell stemmen."