03. Dezember 2014

Studie: Mehr Gebäudeeffizienz macht das Bauen nicht teurer

„Mehr Energieeffizienz macht Bauen unbezahlbar“, lautet ein inzwischen gängiges Vorurteil. In einer Initialstudie haben sich das Beratungsunternehmen Ecofys und das Architekturbüro Schulze Darup & Kollegen wissenschaftlich mit dieser Behauptung auseinandergesetzt. Anhand wesentlicher Bauteile wie Außenwänden, Satteldächern, Fenstern und Heizungspumpen sowie am Beispiel eines Neubaus einer Doppelhaushälfte wurde analysiert, wie sich die Kosten zwischen 1990 und 2014 bei gestiegenen Effizienzanforderungen tatsächlich entwickelt haben.

Die Studie im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) kommt zu dem Ergebnis, dass die Investitionskosten für Neubauten seit 1990 preisbereinigt nahezu konstant geblieben sind, die monatlichen Kosten (inkl. Energiekosten) gegenwärtiger und zukünftig geplanter Neubaustandards sogar günstiger sind bzw. werden. So sind die Investitionskosten für Porenbetonwände  mit höherem Wärmeschutz niedriger als noch 1990. Die Investitionskosten für Kalksandsteinwände mit Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) sowie Satteldächer mit hohem Wärmeschutz sind gesunken, bei mittlerem Wärmeschutz etwa gleich geblieben. Fenster kosten heute nahezu gleich viel, bieten dafür aber erheblich mehr Wärmeschutz als noch vor 20 Jahren. Durch ihren sehr niedrigen Stromverbrauch entlasten auch moderne Heizungspumpen die Bewohner deutlich im Vergleich zu den vor 10 oder 20 Jahren üblichen Modellen.

„Es gibt keinen nachweislichen Zusammenhang zwischen steigenden Baupreisen und den energetischen Anforderungen von EnEV & Co. Der mittlere Anstieg der Baukosten seit 1990 entspricht der allgemeinen Preissteigerung. Inflationsbereinigt sind die Kosten für hocheffiziente Bauteile und Materialien sogar gesunken,“ weiß Dr. Andreas Hermelink von Ecofys. Am besten zeige sich dies am Beispiel von Fenstern mit Dreischeiben-Verglasung. Sie kosten inzwischen kaum noch mehr als Standardfenster. Erhöhte Effizienzanforderungen ließen diese ehemaligen Zukunftsprodukte zum Marktstandard werden. „Außerdem macht sich energieeffiziente Technik wegen der hohen Energiepreise nach wenigen Jahren bezahlt. Besonders deutlich zeigt sich das etwa am Beispiel von Heizungspumpen.“

Der Co-Autor der Studie, Architekt Dr. Burkhard Schulze Darup erwartet auch zukünftig keine Kostensteigerungen: „Es wird keine Preisexplosion fürs Bauen durch die kommenden Energiespar-Anforderungen geben. Der Bau einer Doppelhaushälfte nach EnEV-Standard 2014 kostet inflationsbereinigt etwa das Gleiche wie in den Jahren 1990 und 2002 nach damaligen Standards. Sogar der Bau eines gut geplanten Passiv- oder Plusenergiehaus kostet heute höchstens 10 Prozent mehr. Die monatliche Belastung ist jedoch von Anfang an günstiger als bei einem Standardhaus.“ Für die kommenden zehn Jahre erwartet Schulze Darup bei einigen Bauteilen noch deutliche Preissenkungen durch ihren breiteren Einsatz und technischen Fortschritt: „Es ist davon auszugehen, dass Anfang der 2020er Jahre die monatlichen Kosten für das Wohnen bei deutlich erhöhten Energiestandards sogar eher günstiger sein werden, als in den Jahrzehnten davor.“

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF) hofft mit der Initialstudie vor allem einen Beitrag zu einer faktenorientierten Diskussion leisten zu können: „Wir brauchen dringend eine Versachlichung der überhitzten Debatte. Es ist klar, dass umwelt- und sozialpolitische Fragen in Einklang gebracht werden müssen. Das kann aber nur gelingen, wenn alle Beteiligten mit offenen Karten spielen und Horrorgeschichten den Fakten Platz machen. Wir hoffen, dass Bauministerin Hendricks dazu beiträgt, aus der teilweise geführten PR-Schlammschlacht eine zivilisierte und fundierte Diskussion zu machen.“

Die vollständige Initialstudie zum Download.