03. Dezember 2014

Handwerk Baden-Württemberg: Finger weg vom Handwerkerbonus!

Die Steuerförderung der energetischen Gebäudesanierung, eine langjährige Forderung des Handwerks, kommt. Von den neuen Förderprogrammen und dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz erwartet Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle einen deutlichen Schub, um die bisher verfehlten Energieziele doch noch zu erreichen. Als kurzsichtig und kontraproduktiv bezeichnete es Möhrle allerdings, dass die Bundesregierung im Gegenzug darüber nachdenkt, den Handwerkerbonus zu kürzen: „Das ist wirtschaftspolitischer Unfug und könnte sich rasch als Milchmädchenrechnung entpuppen.“

Zu lange habe der Schwerpunkt der Energiewende einseitig auf dem Ausbau der Erneuerbaren Energien gelegen, sagte Möhrle. Jetzt endlich werde der schlafende Riese der Energieeffizienz als zweite Säule geweckt. Weshalb die Bundesregierung hierbei jedoch um 500 Millionen Euro unter den bisher diskutierten 1,5 Mrd. Euro zurück bleibe, sei nicht nachvollziehbar. Generell sei es aber erfreulich, dass die KfW-Sanierungsprogramme finanziell aufgestockt, inhaltlich verbessert und verstetigt werden sollen. Verärgert  zeigte sich Möhrle darüber, dass jetzt der Handwerkerbonus zur Finanzierung der Sanierungsförderung ins Spiel gebracht wurde: „Damit setzt die Politik ein wirksames und unbürokratisches Mittel gegen Schwarzarbeit ohne Not aufs Spiel.“ Bislang können 20 Prozent der Arbeitskosten von Handwerkern, maximal 1.200 Euro pro Jahr, beim Finanzamt angegeben werden. Künftig sollen es 300 Euro weniger sein, was Gebäudeeigentümer und Mieter gleichermaßen schmerzhaft treffe. Die Steuereinnahmen, die auf der einen Seite durch die Förderung der energetischen Gebäudesanierung generiert werden, entgingen  dem Fiskus wegen möglicher Schwarzarbeit auf der anderen Seite. Möhrle: „Also Finger weg vom Handwerkerbonus.“ Anstatt fragwürdiger Finanzierungslösungen wäre es sinnvoll, so Präsident Möhrle, den CO2-Zertifikate-Handel wiederzubeleben, um endlich den Energie- und Klimafonds zu befüllen und die Energiewende auf eine solide Finanzierungsbasis zu stellen.

Nun bleibe zu hoffen, meinte Möhrle, dass die Bundesländer der steuerlichen Förderung keinen Strich durch die Rechnung machen. "Mann muss sich doch  vor Augen führen, dass 1,5 Milliarden Euro ein Investitionsvolumen von fünf Milliarden Euro  auslösen würden“, betonte Möhrle. Damit lasse sich nicht nur eine gute Energie-, sondern auch eine gute Wirtschaftspolitik machen, gab er der baden-württembergischen Landesregierung mit auf den Weg. Verbunden mit dem Appell an Ministerpräsident Kretschmann, sich wie bereits im Jahr 2013 im Bundesrat für die steuerliche Sanierungsförderung stark zu machen und sich für eine Wiederbelebung des Zertifikate-Handels einzusetzen.