04. Mai 2015

Wärmedämmung: Neue Studie zur Wirtschaftlichkeit

Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Wann rechnet sich eine Dämmung? Darauf geben Studien teilweise unterschiedliche Antworten. Dies führt zur Verunsicherung und heizt die Debatte um die energetische Sanierung an. Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz in München (FIW) sorgt nun mit einer neuen Studie für mehr Sachlichkeit und gibt Anwendungsbespiele.

Das Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München (FIW) hat im Auftrag des Gesamtverbandes Dämmstoffindustrie (GDI) e.V. in einer neuen Untersuchung nicht mehr Zeitpunkte, sondern Zeiträume errechnet, in denen sich eine energetische Sanierungsmaßnahme amortisieren kann. Zu den Faktoren, unter denen eine solche Angabe geschieht, zählen die Wissenschaftler u.a. die mögliche Realzinsentwicklung von 0 bis 3 Prozent, die Bandbreite des Ausgangsenergiepreises von 0,06 bis 0,16 Euro pro Kilowattstunde, den Ausgangszustand des Hauses sowie das jahresbedingte Wetter und die Klimaregion, in der die Immobilie steht, aber auch die Entwicklung der jährlichen Energiepreissteigerung von 2,5 bis 7,5 Prozent.

"Einen festen Zeitpunkt zu definieren, ab dem sich eine Maßnahme rechnet und dieses Ergebnis auf jedes Objekt einfach zu übertragen, ist eine Betrachtung, die Fehlinterpretationen beinhalten muss" sagt Prof. Dr. Andreas Holm vom FIW. "Bei der Betrachtung der Frage nach der Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen kann man sich nicht nur überschlägiger Werte bedienen, es müssen zahlreiche Optionen in ihrer möglichen Bandbreite durchgerechnet werden: Wenn sich etwa im nächsten Jahr der Ölpreis verdoppelt, amortisiert sich die Maßnahme schneller als gedacht. Steigen die Energiepreise plötzlich dauerhaft langsamer, rechnet sich die gleiche Maßnahme erst später. Und bei einem Gebäude in Freiburg muss aufgrund der klimatischen Bedingungen auch anders gerechnet werden als bei einem Gebäude im Fichtelgebirge. Mit dem sogenannten stochastischen Ansatz können wir Von-Bis-Zeiträume definieren, die sich mit den jeweiligen Faktoren konkretisieren lassen."

Marianne Tritz, Geschäftsführerin des GDI, sieht in diesen Berechnungen eine Chance, die Debatte um die Wirtschaftlichkeit von Dämmmaßnahmen zu versachlichen: "Jede energetische Sanierungsmaßnahme wird unter individuellen Bedingungen ausgeführt. Genaue Aussagen zur Wirtschaftlichkeit und Sinnhaftigkeit einer Maßnahme können aber nur dann gegeben werden, wenn diese Randbedingungen hinreichend bekannt sind. So kommt man zu objektbezogenen Ergebnissen, bei denen sich die eine Maßnahme rechnet und eine andere Maßnahme nicht rechnet. In der Studie des FIW sehen wir daher eine gute Grundlage, die Wirtschaftlichkeitsdebatte auf einer anderen Ebene zu führen. Die Untersuchung verdeutlicht, dass sich allgemeingültige Aussagen über die Wirtschaftlichkeit von Dämmmaßnahmen nicht einfach so treffen lassen."

Die vollständige Studie finden unter www.gdi-daemmstoffe.de

Die wichtigsten Ergebnisse

Oberste Geschossdecke: Bei einem Ausgangs-U-Wert von 0,9 W/(m²K) liegt die Amortisationszeit bei einer begehbaren Geschossdecke in der Regel zwischen 6 und 16 Jahren (Mittelwert: 10 Jahre). Die gleiche Maßnahme bei unbegehbarer Geschossdecke amortisiert sich nach etwa zwei bis fünf Jahren.

Steildach: Bei einem Ausgangs-U-Wert von 0,9 W/(m²K) liegt die Amortisationszeit in der Regelzwischen 6 und 16 Jahren, wobei sich die Maßnahme nach durchschnittlich 10 Jahren amortisiert hat.

Flachdach: Bei einem Ausgangs-U-Wert von 0,9 W/(m²K) liegt die Amortisationszeit zwischen 5 und 13 Jahren.

Fassadendämmung: Für eine Außenwanddämmung von U = 1,4 W/(m²K) mit einem Wärmedämmverbundsystem ergibt sich entsprechend den Anforderungen der Energieeinsparverordnung ein großer Schwankungsbereich der Amortisationszeit. Je schlechter der energetische Ursprungszustand der Wand ist, desto schneller amortisiert sich eine Fassadendämmung. Bei Außenwänden, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung (WSchV) 1977 errichtet worden sind, ergibt sich eine Amortisationszeit zwischen 4 und 10 Jahren. Am wahrscheinlichsten sind 6 Jahre. Die nachträgliche Dämmung von Außenwänden, die in der Zeit von WSchV 1977 bis 1995 gebaut wurden, amortisiert sich in der Regel zwischen 9 und 22 Jahren, typischerweise rechnet sie sich nach 15 Jahren.

Kellerdämmung: Geht man beim unteren Gebäudeabschluss von einem energetischen Zustand aus, der vor der Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung typisch war, so beträgt die mittlere Amortisationszeit bei einer Kellerdeckendämmung von unten mit Bekleidung acht Jahre. Ohne Bekleidung reduziert sich die Amortisationszeit auf etwas unter sechs Jahre.

Die vollständige Studie steht als PDF-Dokument zum Download auf www.gdi-daemmstoffe.de