02. Juni 2015

Bundesagentur-Vorstand Heinrich Alt fordert EU-weiten Schutz für deutsches Meistersystem

Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, tritt gegen europäische Bestrebungen an, das deutsche Meistersystem in seiner bisherigen Form abzuschaffen. „Ich meine, dass erfolgreiche Traditionen einzelner Länder, und dazu zählt ganz sicher das deutsche Meistersystem, auch in Europa Bestand haben und EU-weit geschützt werden sollten“, erklärte er in einem Interview mit dem Baugewerbe-Verband Niedersachsen (BVN).

 „Die duale Ausbildung leistet in Deutschland zudem einen entscheidenden Beitrag dazu, dass wir bei der Jugendarbeitslosigkeit weit besser dastehen als andere europäische Länder. Daher bekenne ich mich klar zum Meistersystem und zur dualen Ausbildung als zentralem Werkzeug gegen Jugendarbeitslosigkeit“, begründete Alt seine Position. Diese vertritt auch der BVN: „Das Meistersystem sichert Ausbildungsplätze, trägt zur niedrigen Jugendarbeitslosigkeit bei und gibt jungen Leuten ausgezeichnete Perspektiven und Aufstiegschancen“, so Matthias Wächter, Hauptgeschäftsführer des BVN. 

In dem Interview stellte sich der Bundesagentur-Vorstand hinter den Vorschlag von ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer, in Deutschland ein duales Abitur nach österreichischem Vorbild einzuführen. „Diesen Vorschlag von Herrn Wollseifer, auch in Deutschland ein duales Abitur einzuführen, begrüße ich. Vor allem die wichtige Einfluss-Zielgruppe „Eltern“ wäre dann beruhigt, wenn ihre Kinder eine duale Ausbildung antreten. Denn sie wissen dann ja, dass damit auch die Option des Hochschulzugangs gewährleistet ist“, erklärte Alt. Bedenken von Handwerksbetrieben, dass bei einem solchen Modell gerade aufwändig ausgebildete junge Fachkräfte an die Hochschulen abwandern könnten, hielt Alt entgehen: „Ich glaube, dass die meisten dieser jungen Leute am Ende doch eine Techniker- oder Meister-Karriere anstreben und den Betrieben damit verbunden bleiben, statt an die Hochschule oder Fachhochschule zu gehen. Die Option ist entscheidend!“

Das Interview bewegte sich auch um die Frage, ob und wie Arbeitskräfteressourcen aus den Reihen von Flüchtlingen erschlossen werden können, die nach Deutschland kommen. Der Bundesagentur-Vorstand forderte in dem Interview, „dass die Fristen bis zur Arbeitserlaubnis verkürzt werden müssen, damit Flüchtlinge schneller in Beschäftigung gelangen können.“ Die Politik müsse Lösungen schaffen, damit diese vielfach hoch motivierten Zuwanderer „ihren Willen und ihre Fähigkeit, in unserem Land eine Ausbildung oder Arbeit aufzunehmen, auch in die Tat umsetzen können“. Auch Wächter sieht Handlungsbedarf in der Politik: „Unseren Mitgliedsbetrieben fehlt eine Institution, die den Kontakt zu Flüchtlingen herstellt und beratend zur Seite steht. Ohne eine derartige Einrichtung und ist es sehr schwer Zuwanderer für eine Ausbildung zu gewinnen.“ Alt macht sich darüber hinaus für einen Vorschlag des Handwerks stark, „geduldete Flüchtlinge in eine Ausbildung zu nehmen und die Duldung bis zum Ende der Ausbildung zu garantieren“: „Diese Menschen können damit sicher sein, dass sie zumindest ihre Ausbildung zu Ende bringen können, und nicht jedes halbe Jahr, wenn die Verlängerung der Duldung ansteht, wieder um ihren Abschluss bangen zu müssen.“