03. Juli 2015

ZDB kritisiert Bürokratie bei der Entsorgung von Bauabfällen

151121_original_R_by_O_Fischer_pixelio.de Ausbau und Fassade - ZDB kritisiert Bürokratie bei der Entsorgung von Bauabfällen
Ein erhebliches Problem ist die zunehmende Tendenz von privaten und öffentlichen Bauherren, ihre Verantwortung für die bei ihren Baumaßnahmen anfallenden mineralischen Bau- und Abbruchabfälle auf die ausführenden Unternehmen abzuwälzen. Foto: O. Fischer/pixelio.de

Eine Umfrage unter Mitgliedsunternehmen des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) zeigt, dass sich der finanzielle und bürokratische Aufwand beim Umgang mit mineralischen Abfällen in den letzten Jahren jedoch besorgniserregend erhöht hat.

Bei knapp 70 % der befragten Unternehmen hat der betriebliche Aufwand für das Abfallmanagement seit 2009 zugenommen, und zwar im Mittel um ca. 70 %. Jährlich werden von der deutschen Bauwirtschaft im Auftrag der Bauherren über 190 Millionen Tonnen mineralischer Abfälle zur Wiederverwendung aufbereitet, transportiert, wiederverwertet oder entsorgt.

Ein erhebliches Problem ist die zunehmende Tendenz von privaten und öffentlichen Bauherren, ihre Verantwortung für die bei ihren Baumaßnahmen anfallenden mineralischen Bau- und Abbruchabfälle auf die ausführenden Unternehmen abzuwälzen. Die Bauunternehmen sind hierdurch verpflichtet, die Abfälle zu untersuchen. Das Warten auf die Untersuchungsergebnisse führt oftmals zu Verzögerung bis hin zu einem völligen Stillstand der Baumaßnahme. Auch die aufwendige Baustellenlogistik, die Zwischenlagerung der Abfälle, das Finden eines geeigneten Entsorgungswegs und das elektronische Nachweisverfahren verursachen steigende Kosten bzw. Verzögerungen im Bauablauf.

Auch durch den öffentlichen Rechtsrahmen wird die Entsorgung mineralischer Bauabfälle erheblich erschwert. Der Umgang mit mineralischen Bau- und Abbruchabfällen ist derzeit durch 16 voneinander differierende Landesvorschriften geregelt. Die einseitige Orientierung am Besorgnisgrundsatz des Grundwasser- und Bodenschutzes führt zu im europäischen Vergleich einzigartig rigiden Grenzwerten. Häufig werden deshalb auch lediglich natürlich „belastete“ Böden nicht wieder in technischen Bauwerken verwendet, sondern stattdessen deponiert. Mit der Folge, dass Deponieraum zunehmend knapp wird und die Transportentfernungen zunehmen.

Franz-X. Peteranderl, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, erklärte anlässlich der Veröffentlichung der gemeinsamen Umfrage der Verbände: „Die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen darf nicht weiter geschwächt werden! Der Umgang mit mineralischen Bau- und Abbruchabfällen muss bundesweit einheitlich geregelt werden. Die Bauwirtschaft braucht ein harmonisiertes und in sich geschlossenes Regelwerk, das zwischen den Belangen des Grundwasser- und Bodenschutzes auf der einen und der Ressourcenschonung und Abfallvermeidung auf der anderen Seite ausgewogen vermittelt.“

Klaus Pöllath, Vizepräsident Technik des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, ergänzte: „Die Verlagerung von Risiken und Kosten des Umgangs mit mineralischen Bau- und Abbruchabfällen auf die Bauwirtschaft entspricht nicht dem Verursacherprinzip. Insbesondere öffentliche Bauherren müssen sich zu ihrer Verantwortung bekennen. Für den Umgang mit Bauabfällen und beim Einsatz von Recyclingbaustoffen sind Bauherren, Bauwirtschaft, Architekten und Ingenieure, Abbruchunternehmen und Baustoffaufbereiter gleichsam Adressaten. Nur wenn sich diese in einem Gesamtregelwerk wiederfinden, kann das gesetzte Ziel, die Akzeptanz des Einsatzes von Recyclingbaustoffen zu steigern, auch gelingen.“