29. Juli 2015

Baden-Württemberg: Weniger Meisterbetriebe

Dem Handwerk in Baden-Württemberg fehlen nicht nur qualifizierte Mitarbeiter, es fehlen vor allem auch Existenzgründer. Im zulassungspflichtigen Handwerk waren es so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr, die sich selbstständig machten.

"Viele potenzielle Gründer ziehen heute eine der attraktiven Stellen als abhängig Beschäftigter vor", stellt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold fest. Sorge bereitet ihm, dass die Zahl der Meisterbetriebe weiter sinkt: "Denn sie sind es, die Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen."

Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) erwartet für 2015 eine Umsatzsteigerung von 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit läge der Jahresumsatz bei 89 Milliarden Euro. Die Beschäftigung wird voraussichtlich nicht steigen. Reichhold: "Für große Sprünge sind einfach zu wenig Fachkräfte auf dem Markt." Zum Stichtag 30. Juni gab es 81.440 zulassungspflichtige Betriebe, und damit 374 weniger als zu Jahresbeginn. Im zulassungsfreien Handwerk wuchs der Betriebsbestand dagegen um 240 auf 27.137 Betriebe. Viele der 2.309 Eintragungen sind jedoch Ein-Personen-Betriebe, oft auch in Teilzeit und ohne Meisterqualifikation. Ein Beispiel sind die 169 Fotografen, die seit Jahresbeginn dazugekommen sind. Dahinter verbergen sich sehr viele nebenberufliche Veranstaltungsfotografen. Im handwerksähnlichen Gewerbe waren 23.688 Betriebe eingetragen (-154). Einschließlich der 51 Betriebe der Anlage A-einfache Tätigkeiten gab es damit Ende Juni 132.316 Handwerksbetriebe im Land. 

Mit knapp insgesamt 5.685 Neueintragungen verzeichnete die Statistik in den letzten zehn Jahren nur im ersten Halbjahr 2009 noch weniger Existenzgründer. Im zulassungspflichtigen Handwerk waren es sogar nur 2.073 Betriebe.  Rund 2.450 Handwerksunternehmen wurden gelöscht. "Gründen im Handwerk muss wieder attraktiver werden", forderte Handwerkspräsident Reichhold. Kleine und mittlere Betriebe brauchten die richtigen Rahmenbedingungen und ein gründerfreundliches Klima. Dazu gehöre eine Mittelstandsförderung, die ihren Namen auch verdiene: "Es reicht nicht, sie in Gesetzesform zu gießen, da muss die Politik auch den Praxistest bestehen." Dies sei in Baden-Württemberg leider nicht immer der Fall. Vorfahrt für KMU heiße ein Schlagwort der EU: "Das muss sich auch die Landesregierung auf die Fahnen schreiben.“