15. September 2015

Baugewerbe begrüßt Forderung nach Wiedereinführung der Meisterpflicht

Als „wichtige und sehr erfreuliche Entwicklung“ bewerten die Baugewerblichen Verbände in Düsseldorf (BGV) die Forderung der Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU nach einer Wiedereinführung der Meisterpflicht in den Handwerksberufen, für die sie vor gut zehn Jahren abgeschafft worden war.

„Wenn die Mittelstandspolitiker der Union kritisieren, dieser Schritt habe zu einem dramatischen Rückgang der Ausbildungszahlen geführt, so können wir dem nur zustimmen. Darüber hinaus gibt es auch deutliche Qualitätsmängel bei vielen Anbietern ohne Meisterprüfung. Die freigegebenen Berufe stellen überdies häufig das Eintrittstor dar, um andere fachfremde Arbeiten zu erledigen“, meinen Rüdiger Otto, Präsident der BGV, und Hauptgeschäftsführer Lutz Pollmann.

Unterm Strich habe die Reform der Handwerksordnung absolut nicht das gebracht, was die Politik sich von ihr erhofft hatte. Außerdem trage sie zur Verwirrung der Kunden bei und in vielen Fällen auch zu deren finanziellem Schaden. „Gerade unter den Fliesenlegern, heute ja eine der Sparten ohne Meisterpflicht, zählen wir viele tausend Ein- oder Zwei-Mann-Firmen, die unseren etablierten Betrieben mit Dumpingangeboten Aufträge wegnehmen, aber nur kurze Zeit existieren. Wenn dann Mängel offenbar werden, ist niemand mehr greifbar, der dafür haften könnte. Unsere Sachverständigen können aus ihrer Gutachterpraxis dazu unzählige Beispiele liefern.“

Neben den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern waren im Bau- und Ausbaubereich 2004 auch die Betonstein- und Terrazzohersteller und die Estrichleger von der Meisterpflicht ausgenommen worden. In diesen beiden Berufen stellt das Baugewerbe seitdem ebenfalls negative Tendenzen fest. Bei den Fliesenlegern sind sie indes am eklatantesten: Die Betriebszahlen haben sich vervielfacht, die Betriebsgrößen jedoch enorm verkleinert. „Auch alteingesessene leistungsfähige Fachfirmen stehen unter hohem Druck und haben ihre Belegschaften verkleinern müssen. Die Zahl der Auszubildenden hat drastisch abgenommen. Zum einen können die Betriebe Lehrlingen keine einigermaßen sichere Perspektive mehr bieten, zum anderen finden sie aber auch keine geeigneten Bewerber angesichts dieser Zustände“, beschreibt Rüdiger Otto die Lage.

Im Leitantrag unter dem Titel „Deutschland kann mehr“ für den Bundesmittelstandstag im November heißt es dazu prägnant: „Wir fordern: Meisterbrief generell wieder einführen!“ Jungen Menschen in den betreffenden Berufen, so der Wirtschaftsflügel der Union, werde nämlich „ein entscheidender Schritt auf der dualen Karriereleiter verwehrt“. Stattdessen müsse die duale Ausbildung als Alternative zum Studium gestärkt werden.

Rüdiger Otto und Lutz Pollmann stimmen überein, es sei von großer Bedeutung, dass sich ein so wichtiger Teil innerhalb von CDU und CSU wie die Mittelstandsvereinigung diese Forderung des Handwerks zu Eigen gemacht habe. „Wir haben die so genannte Reform der Handwerksordnung immer abgelehnt und sind später für ihre Revision eingetreten. Es scheint so, als bewirke das Bohren an diesem dicken Brett endlich ein Umdenken. Wir können nur hoffen, dass die Einsicht der Mittelstandsvereinigung weit um sich greift.“