07. Dezember 2015

Kontrollierte Wohnraumlüftung: Welche Technik passt zu meinem Haus?

Als Folge der Energieeinsparverordnung (EnEV) steigen nicht nur die Anforderungen an die Gebäudedämmung. Mit dichteren Gebäudehüllen steht auch das Thema der Gebäudelüftung stärker in der Diskussion. Auslöser dafür sind nicht selten Schimmelschäden in Neubauten oder sanierten Altbauten.

Gebäude müssen eine innere luftdichte Bauteilebene nach DIN 4108-7 aufweisen. Undichtigkeiten an Einbauten wie Fenstern und Türen sowie an den Baustoffen der Außenhülle sind zu verhindern. "Lüftung durch Infiltration", also zum Beispiel durch ungeplante Fugen an Fenster oder Leckagen in der Gebäudehülle wird so weitgehend unterbunden. Die Messung der Luftdichtheit erfolgt über den "Blower Door"-Test. Die EnEV fordert aber auch die "Sicherstellung eines erforderlichen Mindestluftwechsels zum Zwecke der Gesundheit (...)". Um die Mindestanforderungen an die Raumluftqualität einzuhalten, müssen Schadstoffe, zu hohe Konzentrationen von CO2 oder Gerüche reduziert oder aus den Räumen entfernt werden. Darüber hinaus gibt es bauphysikalische Anforderungen an die Luftfeuchte. Durch Atmen, Kochen, Duschen und weitere Faktoren wie etwa die Restfeuchte von Baustoffen im Neubau entstehen je nach Raum zu hohe Luftfeuchtigkeiten, die ebenfalls abzuführen sind, um Schäden zu vermeiden. Erhöhte Luftfeuchte ist zum Beispiel eine Hauptursache für die Schimmelbildung.

Um jederzeit eine gute Luftqualität zu sichern und Schäden etwa durch Feuchte zu vermeiden, ist ein regelmäßiger und mengenmäßig ausreichender Luftaustausch sicherzustellen. Für den Luftaustausch von Innen- und Außenluft gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Wege: Die freie Lüftung und die ventilatorgestützte Lüftung. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile, die es im Einzelfall abzuwägen gilt.

Unter freier Lüftung versteht man die natürliche Lüftung über Fenster, Fugen und Schächte. Dabei werden Luftdruck- und Temperaturunterschiede zwischen Innenraum und Außenluft genutzt. "Frei lüften" kann der Nutzer durch Öffnen der Fenster. Es kann aber auch durch Undichtigkeiten wie Fugen und Leckagen erfolgen. Eine dritte Möglichkeit ist der als "Berliner Lüftung" bekannte Luftaustausch über einen offenen Schacht. Eine freie Lüftung setzt große Sensibilität und Verständnis des Nutzers voraus, etwa bei der Fensterlüftung, die von den Bewohnern aktiv, energiesparend und in den richtigen Zeitabständen vorgenommen werden muss. Ein weiteres Problem freier Lüftungssysteme ist der Wohnkomfort. Es können Zugerscheinungen auftreten, zudem ist die Lüftung abhängig von einem deutlichen Temperatur- und Druckunterschied zwischen innen und außen. Zudem kann die unkontrollierte Lüftung auch zu einer Auskühlung der Räume und zu trockener Luft führen. Bei der "freien Fensterlüftung" entstehen keine zusätzlichen Kosten, bei der Lüftung über Schacht oder gezielte Undichtigkeiten sind die Kosten eher gering.

Bei der ventilatorunterstützten oder "kontrollierten Wohnraumlüftung" (KWL) erfolgt der Luftwechsel unter Zufuhr von externer Hilfsenergie. Alle KWL-Systeme stellen einen nutzerunabhängigen, kontrollierten und definierten Luftaustausch sicher. Zudem können sie zusätzlich mit Filtern ausgestattet werden, um Schadstoffe und Partikel aus der Außenluft fernzuhalten. Problematisch kann lediglich die Entfeuchtung der Raumluft sein.

Bei der KWL unterscheidet man zwischen zentralen und dezentralen Systemen. Bei einem zentralen System ist an einer oder mehreren Stellen eine Abluftanlage installiert. Die Luftaufnahme einer klassischen Abluftanlage befindet sich meist in den Räumen mit den höchsten Stoff- und Feuchtelasten wie Küche, WC oder Bad. Die Zuluft wird entweder über Luftdurchlässe in der Außenwand oder in Fensterfugen über Fensterfalzlüfter oder ähnliches "passiv" zugeführt. Die Überströmung von anderen Räumen zum Abluftraum gewährleisten Schlitze unter den Türen oder eigene Wanddurchlässe in den Innenwänden. An eine zentrale Lüftungsanlage können auch innenliegende Räume wie ein fensterloses Bad angeschlossen werden. Etwas anders arbeiten zentrale Zu-/Abluftsysteme, in die auch eine Wärmerückgewinnung eingebunden ist. Ihr Kennzeichen ist, dass über das Lüftungsgerät an zentraler Stelle sowohl die Zu- als auch die Abluft geleitet wird. Über Wärmetauscher wird die Wärme aus der Abluft an die Zuluft abgegeben.

Bei zentralen Lüftungssystemen sollte der Ventilator nicht in einem geräuschsensiblen Bereich des Hauses eingebaut werden. Ein Nachteil liegt in den relativ langen Leitungswegen der Zu- und Abluftkanäle zwischen den Räumen und der zentralen Anlage und dem damit verbundenen baulichen Aufwand. Um Verschmutzungen und der Bildung von Biofilmen entgegenzuwirken, ist zudem regelmäßig Wartung, Reinigung und Filterwechsel einzuplanen.

Dezentrale Lüftungssysteme gehen einen anderen Weg. Hier hat jeder zu belüftende Raum ein eigenes Einzelraumgerät mit Leitungsführung direkt durch die Außenwand. Zu- und Abluft werden hier in einem Gerät geführt. Lange Luftleitungswege entfallen und die Gefahr von Biofilmen ist gering, dafür benötigt jedes Einzelraumgerät eine Wanddurchführung und einen Stromanschluss und muss einzeln gewartet werden.

Egal welches Lüftungssystem eingesetzt wird, ein Aspekt ist immer zu beachten: Zum Schutz vor Schadstoffen aus der Außenluft müssen die Systeme nach außen geschlossen werden können. Nur so ist sichergestellt, dass Hausbewohner behördlichen Aufforderungen wie "Alle Türen und Fenster sind geschlossen zu halten" konsequent Folge leisten können. Um etwa starke Rauchentwicklung bei einem Brand oder Schadstoffbelastungen bei einem Umweltunfall aus den Räumen fernzuhalten, müssen die Lüftungen mindestens manuell verschließbar sein oder andere technische Möglichkeiten dafür bieten.