23. Februar 2016

Mehr Betriebe durch Soloselbstständige und Gründer im Nebenjob


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Insgesamt stieg die Zahl der Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg im Jahr 2015 leicht an. Dies ist vor allem Soloselbstständigen oder Gründern im Nebenerwerb in zulassungsfreien Berufen geschuldet. Im zulassungspflichtigen Handwerk hingegen wurde ein neuer Tiefstand erreicht. „Dies bedeutet, dass es am Markt immer weniger qualifizierte Meisterbetriebe gibt“, sorgt sich Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. Damit bestätigt sich der Trend, der sich schon im Bereich der Handwerkskammer Stuttgart angedeutet hat.

Zum Stichtag 31. Dezember 2015 waren bei den acht Handwerkskammern in Baden-Württemberg 132.841 Betriebe eingetragen. Dies sind 234 Betriebe oder 0,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im zulassungsfreien Handwerk hat sich die Anzahl der Betriebe binnen Jahresfrist um 828 auf 27.725 Betriebe erhöht. „Grundsätzlich wird hier in Berufen gegründet, in denen nur wenig Kapital notwendig ist und deren Tätigkeit sich alleine ausführen lässt“, erläutert Reichhold. Ein Beispiel sind die Fotografen: Hinter den 16,2 Prozent Zuwachs verbergen sich häufig soloselbstständige Veranstaltungsfotografen, die nur im Nebenerwerb tätig sind.

Im zulassungspflichtigen Handwerk hingegen setzt sich der 2011 begonnene Trend fort: Der Rückgang um 495 Betriebe oder 0,6 Prozent bedeutet, dass es Ende 2015 nur noch 81.319 Handwerksbetriebe im Land gab, deren Inhaber eine Meisterqualifikation vorweisen muss. Hiezu trägt auch die gute wirtschaftliche Lage im Land ihren Teil bei: „Fachkräfte sind gesucht und die attraktiven Möglichkeiten in abhängiger Beschäftigung sorgen mit dafür, dass das Interesse an Gründung oder Übernahme abnimmt“, erläutert Reichhold den nun erreichten Tiefstand von 3.893 Neueintragungen im Jahr 2015. Eine Tatsache, die die ohnehin schon schwierige Suche nach Nachfolgern nochmals beschwerlicher mache.

Gut ausgebildete Gründer und Übernehmer, die sich eine Vollzeit-Selbstständigkeit zutrauen, sind im Handwerk dringend gesucht. Dazu sind neben fachlichen Fähigkeiten aber auch die in Meisterkursen vermittelten betriebswirtschaftlichen und juristischen Kenntnisse erforderlich. „Vor diesem Hintergrund begrüße ich den Bundestagsbeschluss vom Januar, der sich den Deregulierungsbestrebungen der Europäischen Kommission entgegenstellt, als ein wichtiges Zeichen in Richtung des Qualitätserhalts im Handwerk“, so Reichhold.

Im handwerksähnlichen Gewerbe waren Ende Dezember 23.746 Betriebe eingetragen. Das waren 96 oder 0,4 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.