07. September 2016

Höhere Sanierungsrate ist wichtiger als ambitionierte Ziele

492470_original_R_K_B_by_Daniel_Bleyenberg_pixelio.de Ausbau und Fassade - Höhere Sanierungsrate ist wichtiger als ambitionierte Ziele
Foto: Daniel Bleyenberg/pixelio.de

Die Bundesregierung will den Bedarf an Primärenergie aller Häuser in Deutschland bis 2050 auf ein Fünftel des Wertes von 2008 senken. Eine weitere Verschärfung der verpflichtenden Energiesparvorgaben hält der "Qualitätsgedämmt e.V." wie auch andere Organisationen und Verbände jedoch für wenig nutzbringend. Auch aufgrund komplizierter Förderbedingungen sowie aus wirtschaftlichen Gründen schrecken viele Hausbesitzer vor der energetischen Sanierung zurück.

Nach den Plänen der Bundesregierung sollen 2050 alle Gebäude - also Neubauten ebenso wie Bestandsgebäude - weniger im Schnitt einen Bedarf von nur noch rund 40 kWh pro Quadratmeter haben dürfen. Heute liegt dieser Wert bei Neubauten bei etwa 55 kWh. Folglich müsste dieser Wert fast flächendeckend, auch im Bestand, weit unterschritten werden. "Derzeit werden jährlich aber nur etwa 0,8 Prozent des bundesdeutschen Gebäudebestandes energetisch saniert. Bleibt diese Rate auch nur annähernd so niedrig, sind alle Vorgaben und Ziele Makulatur!" warnt Lothar Bombös, Vorsitzender des Vorstands im "Qualitätsgedämmt e.V.".

Eine breite Verunsicherung über Sinnhaftigkeit einzelner Sanierungsmaßnahmen, die auch von Politik sowie einer öffentlich geführten Diskussion verstärkt werde, trage ein Übriges dazu bei, so Bombös: "Wir müssen unsere Anstrengungen mehr auf den Gebäudebestand richten. Für die energetische und klimatische Gesamtbilanz ist es viel entscheidender, in der Breite zu sanieren und nicht nur wenige Leuchtturmprojekte!" Bei einer jährlichen Sanierungsquote aller Wohngebäude von drei Prozent sei, so auch die Experten des IW, die Klimaschutzziele wenigstens noch zu gut 60 Prozent erreichbar.

Breite Motivation für den Start energetischer Sanierung sollte in erster Linie eine klare, transparente und auch wesentlich höhere Förderung der Maßnahmen mit sich bringen. "Nach dem Aus der eigentlich schon besiegelten steuerlichen Abschreibung vor eineinhalb Jahren muss die Politik jetzt wieder mehr Anreize für die energetische Sanierung der Bestandsgebäude schaffen. Die nachträgliche Dämmung ist für Hausbesitzer meist freiwillig und muss deshalb gefördert werden!" schlägt Lothar Bombös vor. Gedacht sei an staatliche Finanzspritzen sowie geförderte Energieberatungen, die den Hausbesitzer umfassend über den weitreichenden Nutzen sowie die Wirtschaftlichkeit einer energetischen Sanierung ihrer Immobilie aufklären. "So lässt sich viel zu Unrecht verloren gegangenes Vertrauen wiedergewinnen. Zum Wohl der Hausbesitzer und auch der Umwelt", schließt der Vorstandsvorsitzende des "Qualitätsgedämmt e.V.".

Nur mit einer deutlich höheren Sanierungsrate lassen sich die vorgegebenen Ziele in Sachen Klimaschutz und Energiesparen auch erreichen. Schon das im Energiekonzept 2010 formulierte Etappenziel für das Jahr 2020 (20 Prozent weniger Wärmebedarf) rückt derzeit in weite Ferne, wie aus einem neueren Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hervorgeht. Neben Energieerzeugung, Industrie und Verkehr spielt der Gebäudebereich eine entscheidende Rolle. Denn rund 80 Prozent der Energie werden in einem Gebäude zum Heizen und zur Warmwasserbereitung verwendet. Weit mehr als die Hälfte aller Fassaden in Deutschland ist nicht gedämmt, was allein Energieverbrauch und Heizkosten um 25 bis 30 Prozent reduzieren würde. Bleibt dieses große Potenzial ungenutzt, ist das Scheitern auch der Klimaschutzziele programmiert.