04. Oktober 2016

Wärmemonitor: Energiebedarf sinkt weiter

754359_original_R_B_by_Tim-Reckmann_pixelio.de Ausbau und Fassade - Wärmemonitor: Energiebedarf sinkt weiter
Tim Reckmann/pixelio.de

Der Trend zum sinkenden Energiebedarf in Deutschland setzt sich fort. Dies bestätigt der vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Grundlage von Daten des Energiedienstleisters ista Deutschland GmbH berechnete Wärmemonitor 2015. Demnach ist der Heizenergiebedarf von Mehrfamilienhäusern in Deutschland seit dem Jahr 2003 insgesamt um rund 18 Prozent gesunken.

Die Auswertungen des Wärmemonitors zeigen, dass die Energiepreise je Kilowattstunde in der abgelaufenen Heizperiode 2015 im deutschlandweiten Durchschnitt abermals kräftig um gut sechs Prozent gegenüber der Vorperiode gesunken sind. Im Zweijahresvergleich zahlten die privaten Haushalte im Jahr 2015 durchschnittlich gut 14 Prozent weniger an Heizkosten. Unterschiede beim Energiebedarf gibt es trotz einer allmählichen Annäherung nach wie vor zwischen den alten und neuen Ländern: In den alten Ländern lag der Heizenergiebedarf nach vorläufigen Berechnungen für die Heizperiode 2015 rund 6,5 Prozent über dem durchschnittlichen Verbrauch in den neuen Ländern. Zuletzt ist auch das Gefälle zwischen den Bundesländern mit einem hohen durchschnittlichen Heizenergiebedarf im Norden und den Ländern im Süden etwas kleiner geworden.

Große Unternehmen haben Vorteile bei der Sanierung

Insgesamt zeigt sich, dass große Unternehmen häufiger und umfassender sanieren als private Eigentümer und Kleinvermieter. Dabei profitieren sie nicht nur von den klassischen Skalenerträgen, sondern auch von ihrer Erfahrung, die sie bei derartigen Projekten in der Vergangenheit sammeln konnten. Sie können ihre Prozesse standardisieren sowie ihre Materialien und Techniken verbessern. Durch die Bündelungen von Projekten erzielen sie Preisvorteile beim Einkauf von Materialien und Leistungen. Und sie können ihre Projekte günstiger finanzieren, weil sie leichter an Fremdkapital kommen.  „Die Wohnungswirtschaft nimmt bei der Umsetzung der Energiewende eine Vorreiterrolle ein. Ihre Sanierungserfahrung könnte auch privaten Kleinanbietern zugute kommen, die den Großteil der notwendigen Investitionen stemmen müssen“, sagt DIW-Ökonom Claus Michelsen.

Größenvorteile zeigen sich im Sanierungserfolg

Ob sich diese und weitere Vorteile in Form von höheren Energieeinsparungen niederschlagen, lässt sich anhand der Energieausweise von Mehrfamilienhäusern feststellen. Die Analyse zeigt, dass der Energiebedarf von vollständig sanierten Gebäuden großer Immobilienunternehmen mit einem Portfolio von mehr als 1.000 Wohnungen im Durchschnitt um 36 Prozent sinkt, der von entsprechenden Gebäuden mittlerer Unternehmen um etwa 26 Prozent sinkt. Dagegen ist der Energiebedarf vollsanierter Gebäude privater Kleininvestoren mit weniger als 21 Wohnungen um rund 18 Prozent geringer als der unsanierter Gebäude. Bei abnehmendem Sanierungsumfang reduzieren sich diese Unterschiede allerdings. Ein Teil des Sanierungserfolgs kann auch auf die Größe des Projektes zurückgeführt werden: Je größer das zu sanierende Gebäude, desto größer ist auch die Verbesserung der Energieeffizienz. Dieser Vorteil kommt allerdings erst bei einer Vollsanierung richtig zum Tragen. Die Mehrzahl der energetischen Sanierungen in Deutschland dürfte jedoch von privaten Eigentümern durchgeführt werden, denn rund 58 Prozent der Geschosswohnungen sind in privatem Streubesitz, und der Bestand von Ein- und Zweifamilienhäusern wird zum größten Teil selbst genutzt.

Mittlere und kleine Wohnungsanbieter stärker unterstützen

„Um die energie- und klimapolitischen Ziele der Bundesregierung zu erreichen, müssen im Bereich der Raumwärme mittel- und langfristig große Energieeinsparungen erzielt werden“, sagt Thomas Zinnöcker, CEO von ista. DIW-Ökonom Claus Michelsen hält es deshalb für wichtig, nicht nur die großen Wohnungsunternehmen, sondern auch die mittleren und kleinen Anbieter bei ihren Sanierungsvorhaben und bei der Umsetzung von niedriginvestiven Energieeffizienzmaßnahmen noch stärker zu unterstützen. So könnte man zum Beispiel die Sanierungserfolge durch die Bündelung von Projekten auf Quartiersebene steigern oder Anreize für die Kooperation zwischen Wohnungswirtschaft und privaten Vermietern schaffen. Von derartigen Verbundprojekten würden beide Seiten profitieren: die Unternehmen durch mehr Skaleneffekte bei größeren Bauvorhaben, die privaten darüber hinaus von der Erfahrung und Expertise der großen Immobilienunternehmen.