09. Januar 2017

Junge Flüchtlinge imponieren in Baubetrieben

17-01_09_Ahmad_Tawana Ausbau und Fassade - Junge Flüchtlinge imponieren in Baubetrieben
Ahmad Tawana ist Deutscher Meister im Stuckateurhandwerk. Hier am Info-Stand des ZDB auf dem CDU-Bundesparteitag. Foto: ZDB/Fabry.

Der „frischgebackene“ Deutsche Meister bei den Stuckateuren hat ein Schlaglicht geworfen auf die Chancen von Geflüchteten im Baugewerbe: Der heute 26 Jahre alte Ahmad Tawana war 2011 aus Afghanistan alleine nach Deutschland gekommen und hatte hier lange Zeit in einem Asylbewerberheim gelebt. Dann nahm ihn Hans-Hermann Hürth in Brühl als Auszubildenden in seinem Stuckateurbetrieb auf. Er ist bis heute begeistert von dem jungen Mitarbeiter. Es wird sicher auch andere Erfahrungen geben, aber dieses und vier weitere Beispiele von Bauunternehmern, die junge Flüchtlinge beschäftigen und ihnen eine Ausbildung ermöglichen, machen Mut.

Die Beispiele zeigen, dass es sich für die Betriebe lohnt, diesen Menschen eine Chance zu geben. Übereinstimmend sagen die Chefs, der Enthusiasmus, der Eifer und die Wissbegierde der Geflüchteten imponiere ihnen und den neuen Kollegen enorm. Darin würden sie sich von anderen Bewerbern deutlich unterscheiden.

Beispiel 2: Sascha Nitsche, Zimmerer

Am längsten unter diesen vier Unternehmern kann Sascha Nitsche auf seinen Kontakt mit einem jungen Flüchtling zurückblicken. Der 18-jährige Afghane Mostafa Rahimi ist schon im dritten Lehrjahr in Nitsches Kölner Zimmerei und will im Frühsommer die Gesellenprüfung ablegen. Der junge Mann und sein Chef sind optimistisch, dass dies auch klappen wird – selbst wenn sich Mostafa bewusst ist, dass die Anforderungen hoch sind. Er war 2011 in einer Gruppe mit anderen Jugendlichen nach Deutschland gekommen. Seine Familie war zunächst in den Iran geflohen, hatte sich jedoch auch dort nicht sicher gefühlt. Der Vater wurde gezwungen, nach Afghanistan zurückzukehren. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Die Mutter schickte ihren ältesten Sohn mit elf Jahren auf die Reise nach Europa. Eigentlich sollte es bis nach Schweden gehen. In Köln war die Flucht dann aber zu Ende. Mostafa besuchte eine Hauptschule und schloss sie mit Qualifikation ab. Mathematik könne er gut, sagt er, und im Technikunterricht habe er viel mit Holz gearbeitet. Dies und der Rat der Lehrer, eine Ausbildung sei in Deutschland wichtig, brachte den Afghanen zur Zimmererlehre. Nach einem Praktikum in einem anderen Betrieb kam er zu Sascha Nitsche. „Seine Bewerbung hat mir schon seine Begeisterung gezeigt und dass er sich mit dem Beruf beschäftigt hatte. Im Gespräch hat er das dann unterstrichen, indem er öfters nachgehakt hat.“

Diese Haltung zeichne Mostafa auch jetzt noch aus, lobt Nitsche. Er mache gute Fortschritte und sei im Betrieb und bei Kunden sehr akzeptiert. Für Mostafa kommt als Motivation hinzu, dass er sehen und zeigen könne, „was ich gemacht habe“. Das macht ihn offenbar so zufrieden und stolz, dass er seinen inzwischen mit der Mutter und den anderen Geschwistern nachgereisten jüngeren Bruder animiert hat, bei Sascha Nitsche ein Praktikum zu machen. Der ist sehr offen dafür, nicht zuletzt weil sein Vater nach dem Krieg aus Schlesien ins Rheinland geflohen ist und seinem Sohn darüber und über das Sesshaftwerden in der neuen Heimat viel erzählt hat.