09. Januar 2017

Junge Flüchtlinge imponieren in Baubetrieben - Ingo Reifgerste, Bauflächentechnik

17-01_09_Ahmad_Tawana Ingo Reifgerste, Bauflächentechnik - Seite 3
Ahmad Tawana ist Deutscher Meister im Stuckateurhandwerk. Hier am Info-Stand des ZDB auf dem CDU-Bundesparteitag. Foto: ZDB/Fabry.

Beispiel 4: Ingo Reifgerste, Bauflächentechnik

Auch Ingo Reifgerste erinnert sich gerne an seine erste Begegnung mit „seinem“ Flüchtling Ify Okorie zurück. Ein Schulungszentrum hatte dem geschäftsführenden Gesellschafter der Schleiff Bauflächentechnik in Erkelenz drei Bewerber geschickt. „Ify machte eindeutig den besten Eindruck. Er war sehr aufmerksam und interessiert.“ Die größte Überraschung erlebte Reifgerste jedoch am nächsten Morgen: Obwohl so nicht abgesprochen stand der Nigerianer um halb sieben nach einer Fahrradtour über 30 Kilometer auf dem Betriebshof und wollte arbeiten. Reifgerste: „Da war mir endgültig klar, dass er der Richtige ist.“ Man vereinbarte eine Probezeit mit Okorie, der angibt, 34 Jahre alt zu sein. Seit September war er auf verschiedenen Baustellen tätig und zeigte sich überall „zuverlässig, interessiert und fleißig. Kurz: Er rennt und schafft.“ Im Schleiff-Team sei er „absolut angekommen“. Vor allem die jüngeren Kollegen hätten ihn geradezu adoptiert und würden sich auch von den Verständigungsschwierigkeiten nicht abhalten. „Mit seinem Englisch haben wir so unsere Probleme, aber mit Händen und Füßen kommen wir klar“, meint Reifgerste. Er „habe alle Mitarbeiter verpflichtet, Deutsch mit ihm zu sprechen, damit er es noch besser lernt.“

Der Aufenthaltsstaus ist bei dem alleinstehenden Okorie ebenfalls ungewiss. Er ist bislang lediglich geduldet und das Asylverfahren läuft. Bis dahin beschäftigt Schleiff ihn als Bauhelfer. Die praktischen Erfahrungen in diesem Fall haben Ingo Reifgerste dazu gebracht, die Forderung nach einem eigenen Mindestlohn für Geflüchtete und andere gering Qualifizierte zu unterstützen: „Wir wollen diese Menschen beschäftigen und wir brauchen sie auch. Doch der jetzige Bau-Mindestlohn ist zu hoch. Zeitlich begrenzt und in der Gesamtzahl der Fälle gedeckelt sollte ein niedrigerer Lohn eingeführt werden.“