28. Juli 2017

Leichte Zunahme der Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft

Der verlangsamte Trend beim Rückgang der Arbeitsunfälle erfordert neue Ansätze zum Arbeitsschutz. Das Präventionsprogramm der BG BAU gibt Antworten. Foto: Thomas Lucks - BG BAU

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Mit dem Anstieg der Bautätigkeit hat auch die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle zugenommen. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl um rund 2.500 auf rund 105.000 im Jahr 2016. Unter Berücksichtigung der Konjunktur ist die Arbeit auf dem Bau nicht unsicherer geworden: So ist die Unfallquote je 1.000 Beschäftigte um 0,36 Prozent auf 55,29 Fälle im Jahr 2016 zurückgegangen. Das berichtete Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) am 27. Juli 2017 in Berlin.

Das sei aber kein Grund zum Jubeln, so Bergmann, denn der Trend beim Rückgang der Arbeitsunfälle habe sich über die Jahre zunehmend verlangsamt und mache es notwendig, neue Perspektiven in die Präventionsarbeit einzubeziehen.

So reichen die Maßnahmen des technischen und organisatorischen Arbeitsschutzes, die in der Vergangenheit zu einem deutlichen Rückgang des Unfallgeschehens führten, allein nicht mehr aus, um den positiven Trend langfristig fortsetzen zu können, so Bergmann: "Auch der Anteil menschlichen Verhaltens am Zustandekommen von Unfällen darf nicht übersehen werden." Häufig könne der Mensch durch sein Tun oder Lassen Arbeitsunfälle verhindern: Unwissenheit, Routinen und Bequemlichkeit seien nur einige Gründe, warum es oft trotz möglicher Vorkehrungen zu Unfällen kommt. Daher möchte die BG BAU die Beschäftigten mit dem Präventionsprogramm „Bau auf Sicherheit. Bau auf dich.“ für Gefahren und Risiken am Arbeitsplatz sensibilisieren und den Arbeitsschutz als Bestandteil des alltäglichen Handelns etablieren.

"Ein wichtiger Baustein, wie sicheres Verhalten mit dem Präventionsprogramm umgesetzt werden kann, sind Betriebliche Erklärungen zwischen Unternehmensleitungen und den Beschäftigten", erklärte Bergmann. Damit zeigen die beteiligten Unternehmen, dass sie den Arbeitsschutz konsequent leben. Mit dieser Erklärung binden sich die Betriebe nicht rechtlich, gestehen allen ihren Beschäftigten aber zu, "Stopp!" zu sagen, wenn lebenswichtige Regeln verletzt werden. Informationen erhalten die Unternehmen unter: www.bau-auf-sicherheit.de/programm/betriebliche-erklaerung.html

Abstürze von Gerüsten sind Hauptursachen für Todesfälle bei der Arbeit

Vor zehn Jahren lag die Unfallquote noch bei 66,60 Fällen je 1.000 Beschäftigte - im Jahr 2007 registrierte die BG BAU 122.231 meldepflichtige Arbeitsunfälle. Ein Schwerpunkt im Unfallgeschehen waren 2016 die über 20.000 Sturz- und Absturzunfälle, das machte 19,4 Prozent aller Arbeitsunfälle aus. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle ist von 86 im Vorjahr auf 73 in 2016 zurückgegangen. Ursache von 41 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle waren im letzten Jahr Sturz- und Absturzunfälle. Hauptsächliche Anlässe für solche Unfälle waren Abstürze von Gerüsten, Dächern und Leitern sowie Stolper- und Rutschunfälle. Zudem geschahen viele Unfälle dadurch, dass Beschäftigte die Kontrolle über Maschinen, Handwerkzeuge, Transportmittel oder Ramm-Elemente verloren.