11. August 2017

Frühjahrstagung der Fachgruppe Restauratoren

17-08-11_Restauratoren Ausbau und Fassade - Frühjahrstagung der Fachgruppe Restauratoren
Die Fachgruppe der Restauratoren hatte im Juli ihre Frühjahrstagung. Foto: SAF/Engst

Anfang Juli fand die Frühjahrsfortbildung der Restauratoren in Rutesheim am Komzet (SAF) statt. Die Resonanz und Teilnehmerzahl war sehr gut und das Schwerpunktthema »Leinölfarben-Anstriche« hoch interessant.

Nach der Begrüßung und einer thematischen Einführung durch den 1.Vorsitzenden Dieter Beck ging es gleich in den 1. Seminarteil mit dem Thema „Leinöl / Leinölfarben in der Restaurierung“. Der Referent Herr Johannes Mosler, Restaurator aus Hadamar-Oberzeuzheim, führte die Teilnehmer in die Grundlage des Leinöls ein.

Die speziellen Qualitäten des Öls, die besonderen Eigenschaften und die materialspezifischen Verarbeitungsmethoden waren Thema dieses Vortrags. Der Referent: “Nur mit dem kaltgepressten Öl (bis 40° C) ergeben sich die besonderen Eigenschaften zum Schutz von Holzoberflächen“; zum Beispiel die hohe Eindringtiefe des Imprägnier-Anstriches mit reinem Leinöl ergibt sich aus der geringen Partikelgröße von 0,000005 mm. Zum Vergleich: Leinölfirnis hat bereits schon wieder eine Partikelgröße von 0,002 mm. Also schon um ein Vielfaches größer. Und auch hier der Grundsatz, den die Restauratoren von Kalkanstrichen kennen: Weniger (Material lasierend auftragen), ist mehr!

Ein weiterer positiver Aspekt diese Technik ist eine problemlose Renovierung oder Überarbeitung der Oberflächen mit reinen Leinölanstrichen. Auch das Einfärben mit Pigmenten ist kein Problem, wenn das richtige Leinöl (naturbelassen!) und die entsprechenden Pigmentkonzentrate verwendet werden. Aus der Sicht der teilnehmenden Restauratoren auch ein System, das nicht nur an Fenster seinen Einsatz findet sollte, sondern auch am Fachwerk von historischen Gebäuden. Als Ergänzung zum Thema Leinöl, in dem nächsten Seminarteil, berichtete Restaurator i. Stuckateurhandwerk Günther Höck aus Augsburg über den Einsatz des Öls in Kalkfarbe und Putze oder zur Imprägnierung von Stuckteilen aus Gips.

Im dritten Seminarteil berichtete ebenfalls Herr Höck über seine Arbeit zur Beurteilung der Standsicherheit von Stuckdecken. Im Besonderen die des 18. und 19. Jahrhunderts. Durch die speziell verwendete Konstruktion und die besonderen Einflüsse (Heizung, häufiger Temperaturwechsel, Feuchtigkeit) in unserer Zeit, ist die eine oder andere Stuckdecke absturzgefährdet. Eine Sperrung der Gebäude oder eine Sicherung der Decken kann dann notwendig werden.

Der letzte Teil des Seminartages wurde von Herrn Holger Krusch, Restaurator VDR aus Ludwigsburg, zum Thema Restaurierung und Konservierung von Fachwerk, Stuck und Putz gehalten. Das Highlight des Tages war natürlich das neue /alte Beschichtungsmaterial Leinöl mit seinen besonderen Eigenschaften, gerade oder vor allem, in unserer Zeit der „Nano-Beschichtungsmaterialien“. Von denen ist leider noch zu wenig über Ihre negative Wirkung auf den menschlichen Organismus bekannt.

Quelle: Joachim Engst, Restaurator im Stuckateurhandwerk