30. August 2017

»Abwarten ist keine Strategie!«

17-08-30_HBC_Prof_Gipperich-9282 Ausbau und Fassade - »Abwarten ist keine Strategie!«
Christof Gipperich lehrt „Projektmanagement im Infrastrukturbau“ an der Hochschule Biberach und ist Geschäftsführender Gesellschafter der BIMplement GmbH.

Christof Gipperich kommt als Hochschullehrer im Bereich Bauwesen mit jungen Leuten zusammen. Für seine Studenten ist die Digitalisierung ein integraler Bestandteil ihrer Ausbildung. Er kennt aber auch die Vorbehalte in den Unternehmen. Er rät kleinen Betrieben, nicht untätig zu sein. Auf dem Kongress „Fassade der Zukunft“ von ausbau + fassade wird er zeigen, was auf die Unternehmen zukommt und welche Chancen sich daraus entwickeln. Das Interview gibt einen Vorgeschmack.

Herr Gipperich, die Digitalisierung ist vor allem ein Thema für die Industrie und wird erst langsam auf das Bauen übertragen. Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf das Baugewerbe ein?
Die Digitalisierung lässt enorme Veränderungen erwarten. Aus anderen Branchen zeigt sich, dass digitale Geschäftsmodelle in der Regel produktiver und näher am Kundennutzen sind. Die digitalen Geschäftsmodelle sind häufig disruptiv gegenüber bestehenden.

Sie meinen, dass das Neue bald das Alte, das bislang funktioniert hat, vollständig verdrängen wird?
Ja, zumindest ganz wesentlich. Schon jetzt sind das Baugewerbe und insbesondere die kleinen und mittelständischen Betriebe enormen Risiken aus dem Markt ausgesetzt. Die Branche prägt ein niedriger technologischer Standard mit geringen Markteintrittsbarrieren, geringe Margen trotzt aktuell hoher Umsätze und deutliche Anzeichen einer Blasenbildung mit Vorholeffekten durch die Niedrigzinspolitik. Die Digitalisierung kommt da jetzt noch oben drauf.

Wie groß ist das Risiko?
Gemäß einer aktuellen Studie IHK Stuttgart ist die Bedrohung bestehender Geschäftsmodelle durch die Digitalisierung viel größer als das Risiko in digitalisierte Geschäftsmodelle einzusteigen; Stillstand ist also, wie üblich, gleichbedeutend mit Rückschritt. Wer glaubt, dass sich gerade im handwerklich orientierten, zum Teil sehr kleinteiligen Baugewerbe lukrative nicht digitalisierte Nischen finden werden, irrt. In allen Gesprächen, die ich in den letzten zwei Jahren dazu führen konnte, gab es immer und für jedes Geschäftsmodell eine „digitale Bedrohung“. Auch für die Sanierung und dem Bauen im Bestand! Die meisten Bauunternehmen sind aber nicht alleine in der Lage, neue digitalisierte Geschäftsmodelle zu entwickeln, weil in der Regel die notwendige Kapitalisierung beziehungsweise Ertragskraft, die notwendige Qualifikation und der Nachwuchs oder gar die Sensibilisierung für das Thema fehlt.

Worüber sprechen Sie beim Kongress „Fassade der Zukunft“?
Die Unternehmer wollen sicherlich erfahren, was diese Entwicklung für sie konkret bedeutet. Ich zeige Perspektiven auf, wie Geschäftsmodelle in der digitalen Welt aussehen und wie Investitionen in die digitale Zukunft gestemmt werden können. Es geht auch darum, sich gegen die Wettbewerber aus dem Billigsegment und dem Lowtec-Bereich abzusetzen.
Aus meinem Blickwinkel gibt es nicht viel, was man falsch machen kann, außer Abwarten und nichts tun.

Kurzbiografie
Prof. Dr.-Ing. Christof Gipperich hat seit 2015 die Professur „Projektmanagement im Infrastrukturbau“ an der Hochschule Biberach und ist Geschäftsführender Gesellschafter der BIMplement GmbH (www.BIMplement.eu). Das 2017 gegründete Startup-Unternehmen begleitet Digitalisierungsprozesse in Organisationen und Unternehmen der Baubranche. Vor seiner Lehrtätigkeit betreute er als Bauingenieur Großprojekte vor allem aus dem Tiefbau und war später im Unternehmensmanagement tätig.

Die wichtigsten Daten zum Kongress „Fassade der Zukunft“

Ort: MOTORWORLD Region Stuttgart, 71034 Böblingen
Termin: 23. November, 9.00 Uhr bis ca. 17.00, Uhr
Teilnehmer: Unternehmer und Mitarbeiter aus dem Stuckateurhandwerk und Ausbaugewerken
Preis: 170 Euro, für Abonnenten von ausbau + fassade 150 Euro

Informationen und Anmeldung: www.ausbau-kongress.de