26. Oktober 2017

Weniger Bildung: Handwerk verliert an Bedeutung

Das Handwerk gilt schon immer als eines der Schwergewichte innerhalb der deutschen Volkswirtschaft. Doch das Handwerk hat in den letzten Jahren an wichtigen Positionen verloren. Die liegt an der abnehmenden Tendenz in Ausbildung und beim Meistertitel. Eine starke Position nimmt das Handwerk innerhalb der Bauwirtschaft ein.

Das Volkswirtschaftliche Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) analysierte in einer neuen Studie die Bedeutung des Handwerks innerhalb der Gesamtwirtschaft und seine Veränderung in den zurückliegenden Jahren.

Darin zeigt sich, dass das Handwerk in den letzten Jahren an wichtigen Positionen verloren hat. Ein Beispiel dafür ist der Bereich der dualen Ausbildung. Auch wenn die Ausbildungsquote des Handwerks die der Gesamtwirtschaft noch klar übersteigt, zeigt sie doch eine deutlich abnehmende Tendenz. Das gleiche Bild vermittelt die Analyse der Meisterprüfungen. Immerhin findet noch weit mehr als die Hälfte der Meisterprüfungen im Handwerk statt. Viele neue Soloselbstständige und kleinere Unternehmenseinheiten vor allem in den zulassungsfreien Handwerken verstärken diesen Trend, der sich seit der Novelle der Handwerksordnung 2004 ausgeprägt hat. Der seither teilweise abgeschaffte Meistervorbehalt und die in zunehmendem Ausmaß fehlende Ausbildereignung wirkt sich inzwischen zählbar auf die Bildungsqualität des Handwerks aus.

Laut den Daten aus dem Unternehmensregister sind rund 16 Prozent aller Wirtschaftsunternehmen dem Handwerk zuzurechnen, und 13 Prozent der sozialversicherungspflichtigen (SV-)Beschäftigten sind im Handwerk tätig. In diesen Unternehmen wird knapp neun Prozent des Umsatzes erzielt. Bei Unternehmensgröße und Umsatz je Unternehmen entwickelte sich das Handwerk in den letzten Jahren positiv und ist besonders in der mittleren Größenklasse der Unternehmen mit zehn bis 49 SV-Beschäftigten stark vertreten. Eine wichtige Position nimmt besonders das Handwerk innerhalb der Bauwirtschaft ein. Dort konnte es seine Marktstellung sogar ausbauen: Handwerksbetriebe sind in vielen Zweigen des Baugewerbes größer als Industrieunternehmen. Deutlich geringer als in der Gesamtwirtschaft fällt mit einer Differenz von 20 Prozent der Verdienst im Handwerk aus. Noch höher ist der Unterschied bei den Fachkräften, geringer bei An- und Ungelernten. Auch als Ausbildungsvergütung wird im Handwerk im Durchschnitt weniger gezahlt als in der Gesamtwirtschaft.

Auswirkung der Novellierung der Handwerksordnung

In ihrem Resümee stellt die Studie fest, dass das Handwerk in den letzten Jahren fast überall an Gewicht verloren hat. Bemerkenswert gestiegene Anteile verbuchen die Soloselbstständigen, Einzelunternehmen und Gründungen. Allerdings entstehen, ausgelöst durch die Novellierung der Handwerksordnung (HwO) von 2004, immer häufiger kleinere Unternehmenseinheiten mit weniger Beschäftigten und Auszubildenden. Auch die rückläufige Bedeutung des Handwerks bei der Humankapitalbildung dürfte, so der Autor Klaus Müller, maßgeblich auf diese Novellierung zurückzuführen sein. Indirekt habe die volkswirtschaftliche Bedeutung des Handwerks durch die Reform der HwO gelitten.

Quelle: Volkswirtschaftliches Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh)/pd