20. Februar 2018

Farben: Preis für das Weißpigment Titandioxid steigt

Wirtschaftspressekonferenz des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (v.l.): Dr. Martin Engelmann (Hauptgeschäftsführer), Klaus Meffert (Präsident) und Christoph Maier (Abteilungsleiter Wirtschaft und Finanzen.) Foto: VdL

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Hinter der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie liegt ein ausgesprochen durchwachsenes Geschäftsjahr. Ein dominierendes Thema der Branche sind nach wie vor die steigenden Rohstoffpreise. Vor allem der Preis für Titandioxid gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung.

Auf der Wirtschaftspressekonferenz am 19.2. stellte der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. (VdL) seine Bilanz für das Jahr 2017 vor. Demnach brachte das Jahr 2017 für die Branche allenfalls durchschnittliche Ergebnisse - ungeachtet der positiven wirtschaftlichen Rahmendaten. So reduzierte sich der Absatz von Lacken, Farben und Druckfarben insgesamt um 1,4 Prozent auf 1,7 Millionen Tonnen. Dennoch stieg der Umsatz mit 0,2 Prozent leicht an. Grund dafür ist, dass es den Unternehmen gelungen ist, die hohen Rohstoffkosten zumindest teilweise an die Kunden weiterzugeben.

Die in der Menge dominierenden Bautenfarben konnten vorerst nicht von der guten Baukonjunktur in Deutschland profitieren. Neben den Dispersions-/Innenwandfarben ging die Nachfrage auch bei den Bautenlacken und Lasuren deutlich zurück – es wurde in der Menge insgesamt 1,5 Prozent weniger eingekauft. Der Umsatz stagnierte bei 1,7 Milliarden Euro.

Für das Jahr 2018 erwartet der VdL eine moderate Belebung der Absatz- und Mengenzahlen in allen drei Segmenten Industrielacke, Bautenfarben und Druckfarben. Erwartet wird, dass die gut laufende Konjunktur im industriellen Sektor andauern wird, hier sind Zuwächse von über 2 Prozent in Sicht. Auch bei den Bautenfarben wird eine leichte Belebung des Geschäfts erwartet – im Nachlauf der enorm gestiegenen Bautätigkeit sind 2018 mengenmäßig durchaus Zuwächse von einem Prozent denkbar.

Steigende Rohstoffpreise gefährden Wachstum

Hemmschuh für die Konjunktur in der Lack- und Druckfarbenindustrie sind die Rohstoffpreise. So erreichten die Einkaufspreise bei Pigmenten im Herbst 2017 Höchststände, beim unverzichtbaren Weißpigment Titandioxid verschärfen Lieferengpässe die Situation zusätzlich. Lösemittel sind im Vergleichszeitraum Sommer 2016 um rund 15 Prozent teurer geworden. Der Preis für Titandioxid ist seit Sommer 2016 sogar um knapp 40 Prozent gestiegen, besonders dramatisch stellt sich die Situation für die Druckfarben dar: Aufgrund der reduzierten Verfügbarkeit der geforderten Pigmentqualitäten verlangen die Rohstoffhersteller hier extreme Preise. Beim Pigment Zinkstaub stellt sich die Situation ähnlich dar, hier müssen die Produzenten von Lacken und Farben seit Herbst 2017 über 20 Prozent mehr als noch im Sommer 2016 zahlen.

Solche Preissteigerungen lassen sich nicht kompensieren, so der VdL. Die Kosten konnten die Unternehmen zumindest teilweise an die Kunden weitergeben und Preiserhöhungen durchsetzen. Eine Stabilisierung der Rohstoffpreise ist nicht in Sicht: Zu Beginn des neuen Jahres sind die Rohstoffpreise weiter gestiegen und die verfügbaren Mengen z.B. bei Titandioxid weiter verknappt worden.

Titandioxid: "Eine gefährliche bürokratische Posse"

Noch gar nicht berücksichtigt ist dabei die Diskussion um eine Einstufung des Weißpigments Titandioxid im Rahmen des Gefahrstoffrechts. „Eine politische und bürokratische Posse, die an den Nerven nicht nur der deutschen Farbenindustrie zehrt“, so der VdL in der Presseerklärung zur Wirtschaftspressekonferenz. Weiter heißt es dort: „Der Widerstand gegen das Einstufungsverfahren ist mittlerweile laut und europaweit zu vernehmen. Der für die Industrie unverzichtbare Rohstoff wird zu Unrecht stigmatisiert — ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage und vor eindeutig politischem Hintergrund. Bis zu 90 Prozent der auf dem Markt befindlichen Farben und Lacke wären betroffen, fast 2 Millionen Tonnen Farben und Lacke im Wert von knapp 6 Milliarden Euro.“

Quelle: Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. (VdL). Er vertritt rund 250 Lack- und Druckfarbenunternehmen mit rund 25.000 Beschäftigten gegenüber Politik, Behörden, Wissenschaft und Medien. Der Verband vertritt mehr als 90 Prozent der mittelständisch geprägten Branchenfirmen.