06. März 2018

Afrikas Infrastrukturausbau bietet sehr „interessante Geschäftsmöglichkeiten“

18-03-07_BGV Ausbau und Fassade - Afrikas Infrastrukturausbau bietet sehr „interessante Geschäftsmöglichkeiten“
Workshop-Teilnehmer beim Deutsch-Afrikanische Wirtschaftsforum in Dortmund (v.l.): Johannes Trippe, Karsten Galipp (Ingenieurbüro Inros Lackner), Ingo Reifgerste (Vorsitzender des Dt. Auslandsbau-Verbands), Eckhard Vetter und Heinz Rittmann (DABV). Foto: Siebert/BGV

Der Ausbau der Infrastruktur ist auch in Afrika ein großes Thema – und deutsche Unterstützung ist dabei sehr erwünscht. Auch kleinen und mittleren Betrieben bietet sich Potenzial auf diesem Kontinent. Das zeigte das fünfte Deutsch-Afrikanische Wirtschaftsforum in Dortmund.

Mittelständische Bauunternehmen, die sich in diesem Bereich mit Unterstützung der Baugewerblichen Verbände und des Deutschen Auslandsbau-Verbandes - zwei Partner des Forums - engagiert haben, betonten andererseits, dass Firmen wie sie erhebliche Unterstützung vom Staat, von Banken und anderen Institutionen nötig haben. Desungeachtet gebe es „interessante Geschäftsmöglichkeiten“ auf diesem Kontinent auch für kleine und mittlere Betriebe.

Es gehe bei den Kontakten mit Europa eindeutig weniger um Wohltätigkeit als um eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, hatte zum Auftakt des Forums der Staatspräsident von Ghana, Nana Akufo-Addo, unterstrichen. „Afrika ist nicht arm“, sagte er. Es müsse aber aus der Rolle des Rohstofflieferanten herauskommen und mehr eigene Industrien aufbauen, am besten mit mittelständischen Strukturen, Denk- und Arbeitsweisen. „Nutzen Sie Ihre Vorteile jetzt und werden Sie bei uns aktiv“, rief Akufo-Addo seine deutschen Zuhörer auf. Als eigene Anstrengung habe Afrika für stabile politische und wirtschaftliche Strukturen zu sorgen und die Korruption zu bekämpfen. „Eine neue Generation von Führern ist dabei, Demokratie, Menschenrechte, eine gute Regierungsführung und Würde als ihre Leitlinien zu nehmen.“

Ähnliche Fortschritte machte auch Sabine Dall`Omo, für die Siemens-Geschäfte im südlichen und östlichen Afrika verantwortlich, aus. Gleichzeitig ist sie überzeugt, dass deutsche Unternehmen „die besten Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit haben, die Afrika voranbringt“. Auch der Beauftragte der Bundesregierung für Afrika, Günter Nooke, verwies auf die großen Chancen. Man dürfe jedoch nicht mit einer romantischen Brille über die Probleme hinwegsehen. Nicht zuletzt komme der Kontinent „noch zu langsam voran, um mit dem Bevölkerungswachstum auch nur Schritt zu halten“. Nooke gehört zu den zahlreichen Forumsteilnehmern, die sehr auf den Mittelstand setzen – sowohl, was deutsches Engagement betrifft, als auch was die eigenen Aktivitäten der Afrikaner anbelangt.

Viele Projekte für die Bauwirtschaft

Vor dem Hintergrund, dass auf unserem Nachbarerdteil die Verstädterung am schnellsten unter allen Kontinenten fortschreitet und damit die Infrastrukturdefizite bei Verkehrswegen, der Ver- und Entsorgung und bei öffentlichen Einrichtungen von Schulen bis zu Kliniken immer größer werden, widmete sich eine Diskussionsrunde während des Forums eigens der Bauwirtschaft und dem Infrastrukturausbau. Aktuell gebe es eine immense Zahl von Projekten, um die zu bewerben sich durchaus lohne, war der Tenor. Man dürfe dabei indes die deutlich unterschiedlichen Rahmenbedingungen nicht außer Acht lassen. Zudem empfehle es sich, lokale Partner einzubeziehen. Sie kennen die jeweiligen Gepflogenheiten und Abläufe im Geschäftsleben. Die Unternehmer Eckhard Vetter und Johannes Trippe bekannten freimütig, bei ihrem ersten Afrika-Projekt diese Unterschiede wohl unterschätzt zu haben. Dass sie „Lehrgeld bezahlen“ mussten, hat allerdings nicht zur Konsequenz, dass sie nun ausländische Aufträge gänzlich ablehnen würden. Grundlegend sei, dass der jeweilige Betrieb unternehmerisch und finanziell stark genug sei, genügend zeitliche und personelle Ressourcen habe und mit Sorgfalt das Vorhaben und das „Zielland“ auswähle. Heinz Rittmann, der Geschäftsführer des Auslandsbau-Verbands, kritisierte, dass die einzelnen Projekte „immer größer werden. Das benachteiligt trotz aller politischen Zusagen den Mittelstand.“ Er und Vetter plädierten dafür, bei den Ausschreibungen mehr die Nachhaltigkeit im Auge zu haben: „Wenn wir gleichzeitig Menschen ausbilden und die Grundlage für den späteren Betrieb und die Unterhaltung etwa der Anlagen legen, muss dies zu unseren Gunsten in die Waagschale gelegt werden.“ Laut Rittmann verlangen internationale Geldgeber wie die deutsche KfW Bank zwar zunehmend solche Leistungen, aber diese Regeln „werden leider nicht durchgängig angewandt“.

Autor: Harald Siebert, Baugewerbliche Verbände Düsseldorf