25. Mai 2018

Mehr Bauarbeiter aus dem Ausland entsendet


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Die Zahl der nach Deutschland entsandten Bau-Arbeitnehmer ist im vergangenen Jahr nach einer Auswertung von SOKA-BAU erneut deutlich gestiegen. Seit der Finanzkrise hat sich die Zahl der entsandten Arbeitnehmer damit mehr als verdoppelt.

Auch die von den entsandten Arbeitnehmern geleisteten Arbeitsstunden haben weiter zugenommen, noch dazu deutlich stärker als das Arbeitsvolumen der inländischen Arbeitnehmer. Nach Herkunftsländern betrachtet, ist nach wie vor Polen das wichtigste Entsendeland vor Rumänien und Österreich.

Die Zahl der nach Deutschland entsandten Bau-Arbeitnehmer ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Rund 85.000 Arbeitnehmer von ausländischen Baubetrieben waren auf deutschen Baustellen tätig und damit 5 % mehr als im Vorjahr (2016: 81.000). Dies geht aus den Meldungen der Entsendebetriebe zum Urlaubsverfahren an SOKA-BAU hervor. Damit war der Anstieg genauso hoch wie im Vorjahr. Seit der Finanzkrise im Jahr 2009 ist die Zahl der entsandten Arbeitnehmer damit kontinuierlich gestiegen und hat sich mehr als verdoppelt.

Die Zahl der aus dem Ausland entsandten Arbeitnehmer hat damit erneut stärker zugenommen als die im Durchschnitt des vergangenen Jahres beschäftigten gewerblichen inländischen Arbeitnehmer (+ 3,7 %), womit die Bedeutung der entsandten Arbeitnehmer für die deutsche Bauwirtschaft entsprechend gewachsen ist. Dies wird durch einen Vergleich der geleisteten Arbeitsstunden – aufgrund des oft sehr kurzfristigen Aufenthaltes der Entsendearbeitnehmer ein besserer Maßstab als die Zahl der Entsendungen – bestätigt. So ist das Arbeitsvolumen der entsandten Arbeitnehmer im vergangenen Jahr um fast 7 % gestiegen (auf rund 45 Mio. Stunden), während das Arbeitsvolumen inländischer gewerblicher Arbeitnehmer nur um 2,4 % zunahm (auf rund 837 Mio. Stunden).

Die Herkunftsländer der Entsendearbeitnehmer

Mit Abstand kommen die meisten entsandten Arbeitnehmer nach wie vor aus Polen (27 %), gefolgt von Rumänien (14 %) und Österreich (11 %). Die Zahl der aus Polen und Österreich entsandten Arbeitnehmer ist darüber hinaus im Vergleich zu anderen Entsendestaaten überproportional gestiegen. Dies mag auch damit zusammenhängen, dass sich die Baukonjunktur in Deutschland besser entwickelt hat als in den genannten Ländern.

Die SOKA-BAU weist darauf hin, dass diese Entwicklung weitere Anstrengungen erfordere, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Zum einen müsse sichergestellt werden, dass die tariflichen Mindestlöhne eingehalten werden. Zum anderen sei die vollumfängliche Wirkung des tariflichen Urlaubsverfahrens, das auch für Entsendebetriebe gilt, zu garantieren. Die Einhaltung der Mindestlöhne wird von SOKA-BAU für alle inländischen und ausländischen Betriebe anhand der gemeldeten Bruttolöhne der gewerblichen Arbeitnehmer kontrolliert. Darüber hinaus unterstützt SOKA-BAU die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und den Informationsaustausch im Bereich der Entsendung. So nimmt SOKA-BAU z. B. seit dem Jahr 2016 an dem von der Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Integration der Europäischen Kommission initiierten und mitfinanzierten „EU Post-Lab-Projekt“ teil. Im Zentrum des Projektes steht die Frage, inwiefern transparentere Entsendedaten dazu genutzt werden können, Missbrauch in Verbindung mit der Arbeitnehmerentsendung vorzubeugen und aufzudecken.