13. Juni 2018

Keine Deklarationsplicht für Schadstoff-Emissionen bei Dämmstoffen


Anzeige

In einer Nachricht vom 6. April 2018 findet bei ausbauundfassade.de unter der Überschrift „Deklarationspflicht für Baustoff-Emissionen kommt" eine Stellungnahme von Sentinel Haus, die beim Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V. für Dämmstoffe auf Widerspruch stößt. Sentinel Haus behauptet darin, dass infolge der Veröffentlichung der DIN 16516 die Deklaration von Schadstoffemissionen für einige Baustoffgruppen, darunter Dämmstoffe und Bodenbeläge, ab Ende Februar 2019 verpflichtend wird. Sentinel Haus hält dies für Dämmstoffe und für Bodenbeläge gegeben. Diese Aussage ist aus Sicht des Verbandes Holzfaser Dämmstoffe e.V. für Dämmstoffe falsch.

Dr.-Ing. Tobias Wiegand, Geschäftsführer des Verbandes, schreibt dazu in seiner Stellungnahmen zu Richtigstellung: „Ende Januar 2018 wurde die DIN EN 16516 (nicht DIN 16516) veröffentlicht. Nach dieser europäischen Norm sollen künftig Schadstoffemissionen gemessen werden.

Mit der Veröffentlichung der DIN EN 16516 wird aber die Deklaration von Emissionen mitnichten automatisch verpflichtend. Dämmstoffe unterliegen i.d.R. harmonisierten Produktnormen. Die Hersteller von Dämmstoffen müssen eine Leistungserklärung auf der Basis der jeweiligen harmonisierten Produktnorm, bei Holzfaserdämmstoffen z.B. der DIN EN 13171, ausfertigen. Es ist den Herstellern nicht erlaubt, über die in der harmonisierten Produktnorm enthaltenen Leistungseigenschaften hinaus Eigenschaften in der Leistungserklärung zu deklarieren. Nach der Bauproduktenverordnung kann die alleinige Veröffentlichung einer Prüfnorm also nicht die Verpflichtung zur Messung bedingen. Eine Überarbeitung der Norm DIN EN 13171 und die Aufnahme einer überarbeiteten EN 13171 in das offizielle Amtsblatt der EU bis zum Februar 2019 ist nicht realistisch.

In der am 31.08.2017 veröffentlichten und am 11.12.2017 korrigierten Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) wird im Anhang 8, Anlage 3 darauf hingewiesen, dass „…die Innenraumluftzusammensetzung bei baulichen Anlagen … primär von Produkten beeinflusst (wird), die nennenswerte Anteile organischer Natur enthalten und daher zur Freisetzung flüchtiger organischer Verbindungen führen können.“ In der nachfolgenden Auflistung werden dann „Dämmstoffe mit den obengenannten Eigenschaften, wie z.B. Phenolharzschäume, UF-Ortschäume“ benannt.

Das DIBt und die Fachkommision Bautechnik der Argebau haben in Schreiben an die Holzwirtschaft aber erklärt, dass die Prüfung der Freisetzung flüchtiger organischer Verbindungen mit wenigen Ausnahmefällen nur für Produkte durchgeführt werden muss, die auch bislang schon einer Prüfpflicht unterlagen. Der Sachverhalt kann auch daran abgelesen werden, dass die ebenfalls vom DIBt veröffentlichte Prioritätenliste (Prioritätenliste-ausgewählte verwendungsspezifische Leistungsanforderungen zur Erfüllung der Bauwerksanforderungen) für DIN EN 13171:2012 + A1:2015 den über die Leistungserklärung hinausgehenden Nachweis von Emissionen organischer Substanzen nicht auflistet.

Es bleibt abzuwarten, welche Änderungen des Anhangs 8 die nächste Fassung der MVVTB enthält, deren Entwurf Mitte 2018 erwartet wird. Mindestens bis zur Umsetzung dieser nächsten Fassung wird eine Deklaration der Emissionen von der Bauaufsicht nicht gefordert.“

Diese Stellungnahme bezieht sich auf den Artikel in diesem Link.