02. Oktober 2018

Bauwirtschaft verliert Fachkräfte durch Abwanderung

454004_original_R_K_B_by_Rainer_Sturm_pixelio.de Ausbau und Fassade - Bauwirtschaft verliert Fachkräfte durch Abwanderung
Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Bei der Behebung des Fachkräftemangels wird meist an die Gewinnung neuer Fachkräfte gedacht. Es scheint aber mindestens genauso wichtig zu sein, die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen zu vermeiden. Darauf weist die Soka-Bau in einer neuen Studie hin. Für die Abwanderung sollen vor allem gesundheitliche und finanzielle Gründe verantwortlich sein.

Soka-Bau hat Anfang des Jahres verschiedene Zielgruppen (Auszubildende, Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Ausbilder), darunter mehr als 200 abgewanderte Arbeitnehmer, nach den (mutmaßlichen) Gründen zur Abwanderung aus der Bauwirtschaft befragt. Dabei wurde von den befragten Personen bestätigt, dass die Abwanderung von Fachkräften ein drängendes Problem darstellt und in den kommenden Jahren noch weiter an Brisanz gewinnen wird. Darüber hinaus handelt es sich bei den abgewanderten Arbeitnehmern hauptsächlich (zu zwei Dritteln) um ausgebildete Fachkräfte, wobei Hochbaubetriebe vergleichsweise stärker von dem Problem der Abwanderung von Fachkräften betroffen sind.

Was die Abwanderungsgründe angeht, nennt der größte Teil der Befragten (38 %) gesundheitliche Gründe, gefolgt von schlechten ökonomischen Rahmenbedingungen wie einer zu niedrigen Entlohnung (25 %), Kündigung bzw. Insolvenz des Arbeitgebers (13 %) und einer zu hohen Arbeitsbelastung (12 %). Als Zielbranche nennen die abgewanderten Fachkräfte mehrheitlich das Verarbeitende Gewerbe, gefolgt vom öffentlichen Bereich und dem Handel. Für rund 40 % der abgewanderten Fachkräfte ist der Abschied aus der Branche endgültig. Vor allem jüngere Arbeitnehmer (bis 25 Jahre) können sich aber durchaus wieder vorstellen, in die Baubranche zurückzukehren.

Harte körperliche Arbeit reduzieren und technischen Fortschritt besser nutzen

Aus der Studie können mehrere Schlüsse gezogen werden: Die harte körperliche Arbeit am Bau stellt immer noch eine besondere Herausforderung für die Arbeitnehmer dar. Dies deckt sich mit Daten zum Renteneintritt der Arbeitnehmer, die Soka-Bau vorliegen. Danach haben im vergangenen Jahr 28 % der Neurentner in der Baubranche eine Rente wegen teilweiser oder voller Erwerbsminderung bezogen, wohingegen dies nur für 18 % der gesamten westdeutschen männlichen Neurentner galt. Es würde deshalb hilfreich sein, die körperliche Belastung der Arbeitnehmer wenn möglich zu reduzieren und ihnen gegebenenfalls nach längerer Tätigkeit alternative Beschäftigungsformen in Aussicht zu stellen. Dazu gehört es auch, den technischen Fortschritt besser zu nutzen. Die Baubranche investiert erfahrungsgemäß im Branchenvergleich ohnehin verhältnismäßig wenig in Ausrüstungsgüter.

Quelle: Soka-Bau