12. März 2019

Mit Aufstockungen gegen Wohnungsnot

Foto: Erich Westendarp/pixelio.de

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Aufstockungen, Umwandlungen und Verdichtungen: Bis zu 2,7 Millionen Wohnungen könnten auf diese Weise in Deutschland entstehen und für eine Entspannung des Wohnungsmarktes in dicht besiedelten Regionen sorgen. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt die „Deutschland-Studie 2019“ der TU Darmstadt und des Pestel-Instituts.

Bauland und freie Flächen sind in Zeiten des Wohnraummangels – insbesondere in Ballungsgebieten und Großstädten – ein knappes Gut. Die Nutzung der Freiflächen durch Neubau hat zur Folge, dass in Regionen mit erhöhtem Wohnungsbedarf auch ein erhöhter Flächenbedarf entsteht. Durch Aufstockungen, Umwandlungen und Verdichtungen von Gebäuden lässt sich ein Flächenbedarf bis zu 110 Mio. m² beziehungsweise 250 Mio. m² vermeiden.

100 Tausend Dächer Initiative

„Dachausbauten und Aufstockungen im Bestand sind in vielen Fällen die schnellste und wirtschaftlichste Abhilfe zur Schaffung von neuem, bezahlbarem Wohnraum. Diese Maßnahmen können der Bundesregierung helfen, ihr selbstgestecktes Ziel des Baus von 1,5 Mio. Wohnungen in dieser Legislaturperiode zu erreichen“, sagt Dr. Thomas Tenzler, Geschäftsführer des FMI Fachverband Mineralwolleindustrie e.V. (FMI).
Dieses Potenzial haben die drei Verbände GdW, Bundesverband Gips und FMI frühzeitig erkannt und im Januar 2018 die „100 Tausend Dächer Initiative“ ins Leben gerufen. Mit dem Ziel, attraktiven neuen und bezahlbaren Wohnraum in Ballungsräumen, Groß- und Universitätsstädten zu schaffen, fordert die Initiative die Politik auf, baurechtliche und wirtschaftliche Hemmnisse zu beseitigen und die Rahmenbedingungen für Gebäudeaufstockungen zu verbessern.

Erste Erfolge hat die 100 Tausend Dächer Initiative bereits nach dem Wohngipfel 2018 erzielt: So sollen die Sonderabschreibungen für den Wohnungsneubau auch für den Dachausbau und Aufstockungen gelten. Außerdem ist geplant, die Baunutzungsverordnung für den Dachgeschossausbau zu vereinfachen.

Klimaziele im Blick: Aufgestockte Gebäude verbrauchen bis zu 50 Prozent weniger Energie

Auch für das Gelingen der Energiewende gewinnen Aufstockungen an Bedeutung. Aktuell fallen immer noch rund 40 Prozent des Energieverbrauchs im Gebäudebestand an. Im Zuge einer generellen Modernisierung bei gleichzeitiger Aufstockung lässt sich die Energieeffizienz dieser Wohngebäude deutlich verbessern.

Laut Deutschland-Studie ist beispielsweise eine Reduktion des Energieverbrauchs von bis zu 50 Prozent durch eine Aufstockung im Obergeschoss von Nichtwohngebäuden möglich. Der zusätzliche Energiebedarf der neu aufgestockten Geschosse in Niedrigenergiebauweise ist minimal und kann damit in der Regel durch die bereits vorhandene Haustechnik mitversorgt werden.
„Mit Blick auf den Klimawandel haben wir uns auch viel von der Arbeit der Kommission „Zukunft der Gebäude“ versprochen, die die Bundesregierung trotz monatelanger Vorbereitung nun doch nicht einberufen wird“, so Dr. Thomas Tenzler.

Die Aufgabe der Gebäudekommission bestand darin, ein Maßnahmenbündel zur Erreichung der Energie- und Klimaziele für den Gebäudesektor zu erarbeiten. „Die Gebäudekommission wurde abgesagt, bevor sie ihre Arbeit richtig aufnehmen konnte. Verbessert die Politik die Anreize für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden nicht schnellstmöglich, etwa im Rahmen von Aufstockungen, ist für den Gebäudebereich ein Scheitern der 2030-Klimaziele schon jetzt vorprogrammiert“, so Tenzler.

Links zur Wohnraumstudie in der Kurzfassung und Langfassung.