01. August 2019

Worldskills: Killerinstinkt entwickeln und fair bleiben

Michael Prell (links) und Frank Schweizer trainieren Tobias Schmider. In der Mitte Pia Grund-Ludwig. Foto: Wolfram Hülscher

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Am 22. August startet die Worldskills, die Weltmeisterschaft der Handwerksberufe, in Kazan. Für das Nationalteam der Stuckateure geht Tobias Schmider ins Rennen. Frank Schweizer, einer der Trainer des Nationalteams, beschreibt im Gespräch mit Pia Grund-Ludwig, Chefredakteurin von ausbau + fassade, wie Tobias Schmider sich den letzten Feinschliff und das letzte Quäntchen Motivation für die Weltmeisterschaft holt.

Wie geht es Tobias Schmider in der Vorbereitung auf Kazan?

Es geht ihm sehr gut. Er fühlt sich wohl, hat die beste Betreuung und viele Fürsprecher. Die Trainer, die bundesweit verteilt arbeiten, geben ihm alle Sicherheit und wertvolle Tipps, die er anwendet und die Chance, seinen eigenen Weg zu finden durch die vielen persönlichen Begegnungen. Im Moment kann er durchatmen, bis es wirklich losgeht.

Er macht immer einen eher entspannten Eindruck…

Wir sind bedacht darauf, dass wir für so einen Wettbewerb Menschen auswählen, die nicht nur handwerklich geschickt sind, sondern die auch Standing haben und belastbar sind. Tobias Schmider ist cool, würde man sagen, kann alles andere ausblenden und geht seinen Weg. Das ist die Grundvoraussetzung. Unsere Aufgabe ist es, auch den Killerinstinkt zu wecken, indem wir die Chancen und Perspektiven aufzeigen. Vielleicht auch die Möglichkeit aufzuzeigen, dass man nahe dran ist, einen Titel zu holen oder eine Medaille. Der Einfluss von vielen ehemaligen Siegern, Europameistern, die er alle kennengelernt hat, die mit ihm trainiert haben, ist wichtig, da möchte er sich einreihen. Insofern erkennt man wenn man mit ihm spricht, dass er nicht arrogant ist oder schon zu viel Selbstbewusstsein hat, das könnte eher lähmen. Er hat aber auf jeden Fall den Killerinstinkt.

Was macht diesen Killerinstinkt aus?

Wichtig ist, dass er trotz allem Wunsch, die Medaille zu erringen fair bleibt. Den Killerinstinkt hat jeder in sich und muss ihn selbst entdecken. Das macht für mich aus, dass man alles gibt, um zu gewinnen. Am Abend im Training nicht mehr auf die Uhr schauen, sondern wie ein Free Climber die Wand hochgehen und oben ankommen wollen. Ich stecke zurück beim restlichen Leben.

Ist das für junge Leute besonders schwierig?

Absolut, auch das private Leben muss zurückstehen. Ich muss in den Turbogang schalten und denken, ich kann das reißen.

Wie im Hochleistungssport?

Das kann man vergleichen. Viele sind gut, sehen aber keinen Grund, noch mehr zu leisten. Um mehr zu erreichen braucht man den Killerinstinkt. Was den ausmacht ist für jeden anders.

Wer sind die größten Konkurrenten von Tobias Schmider?

Das hat sich auf einem einheitlich hohen Niveau eingependelt. Es gibt wenig Länder, die weit hinten liegen. Die meisten Nationen haben erkannt, dass man nur teilnehmen kann, wenn man viel dafür tut. Wenn man von guten Kandidaten spricht, sind das die aus den europäischen Nachbarländern Österreich, Schweiz und Lichtenstein. Dann gibt es die Asiaten, die viel Ehrgeiz haben und auch viel investieren. Teilnehmer aus China und vor allem Japan trainieren teilweise bis zu zwei Jahren. Aber auch in Brasilien gibt es Organisationen mit Sponsoren, die ein langes Training aufbauen und viel Geld investieren. Die Deutschen haben das duale Ausbildungssystem, das sind faktisch auch drei Jahre Training. Dazu kommt das Nationalteam, viele Mitstreiter, die viel Wissen mitbringen.