02. August 2019

Stärkere Polarisierung im Handwerk

Foto: Baden-Württembergischer Handwerkstag

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Gemäß einer Studie des Baden-Württembergischen Handwerkstages befindet sich das Handwerk in einer spannenden Entwicklung. Die Zahl der kleinen Betriebe steigt an. Zum ersten Mal waren über 134.000 Betriebe eingetragen. Während die Zahl der zulassungspflichtigen Betriebe wie in den Vorjahren zurückging, stieg erneut die Zahl der Betriebe in Solo-Selbstständigkeit oder reinem Nebenerwerb.

Das Handwerk in Baden-Württemberg sorgte auch im ersten Halbjahr 2019 wieder für rekordverdächtige Werte. Erstmalig waren über 134.000 Betriebe gemeldet. Während die Zahl der zulassungspflichtigen Betriebe wie in den Vorjahren zurückging, stieg erneut die Zahl der Betriebe in Solo-Selbstständigkeit oder reinem Nebenerwerb. „Die neuen Zahlen zeigen eine stärkere Polarisierung in den Betriebsgrößen: Entweder weniger, aber größer - das sind vor allem die zulassungspflichtigen Betriebe - oder mehr, aber ganz klein, das sind dann die Solo-Selbstständigen in den zulassungsfreien Gewerken“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold.

Zahl der zulassungspflichtigen Betriebe geht zurück, Zahl der Mitarbeiter bleibt ansteigend

Zum Stichtag 30. Juni 2019 waren insgesamt 134.325 Betriebe bei den baden-württembergischen Handwerkskammern eingetragen. Das waren 737 Betriebe oder 0,6 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Die Zahl der zulassungspflichtigen Betriebe ging allerdings weiter zurück. So waren Ende Juni nur noch 79.298 Betriebe des zulassungspflichtigen Handwerks bei den Kammern im Land eingetragen. Das waren 244 Betriebe oder 0,3 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. „Diese Entwicklung ist nicht unbedingt negativ zu sehen. In vielen Gewerken sind Konzentrationsprozesse im Gange. Es gibt zwar weniger Betriebe. Aber diejenigen, die stabil sind, wachsen bei Umsatz und Zahl der Mitarbeiter. Sie bieten beste Zukunftsperspektiven,“ so Reichhold. 

Mehr Betriebe ohne betriebswirtschaftliche Qualifikation

Im zulassungsfreien Handwerk waren zur Jahresmitte 30.567 Betriebe eingetragen. Mit einem Wachstum von 654 Betrieben seit Jahresbeginn gab es zum ersten Mal mehr als 30.000 Betriebe in diesem Bereich. Besonders stark gestiegen sind die Zahlen der Gebäudereiniger und Fotografen. In beiden Berufen gehen die Gründungen vermutlich auf Soloselbstständige im Nebenerwerb zurück. Auch bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern sowie den Raumausstattern gab es mehr Betriebe als zu Jahresbeginn. „Natürlich freuen wir uns über mehr Handwerksbetriebe. Die Entwicklung ist aber dann oft problematisch, wenn es sich um Solo-Selbstständige handelt, die kaum ausbilden oder Arbeitsplätze schaffen. Diese Betriebe haben eine deutlich geringere Lebenszeit, was meist an der fehlenden betriebswirtschaftlichen Qualifikation liegt. Auch Ausgaben für die soziale Absicherung werden oft nicht eingeplant, die Gefahr von Armut im Alter steigt“, so BWHT-Präsident Reichhold. Ausbildung im Handwerk wird relevanter.

Redaktion: Wolfram Hülscher