20. August 2019

Familienunternehmen sollen mehr Präsenz zeigen


Anzeige

Zufolge einer Studie haben Familienunternehmen einen guten Ruf. Die Bedeutung als Arbeitgeber wird aber unterschätzt. Faktoren wie regionale Verwurzelung und langfristige Orientierung sollen besser präsentiert werden. Zukunftsthemen könnten ein entscheidendes Element zum Gewinn von Auszubildenden sein.

Familienunternehmen genießen einen guten Ruf in Deutschland. Sie können mit einer verantwortungsvollen Unternehmensführung, einer starken regionalen Verwurzelung und langfristigen Orientierung Vertrauen erreichen. Doch wenn es um harte Fakten geht, liegen sie hinter anderen Unternehmensformen zurück: 61 Prozent der Deutschen sind davon überzeugt, dass Konzerne die beste wirtschaftliche Performance haben. Lediglich zehn Prozent der Bürger sehen Familienunternehmen in Fragen der Wirtschaftlichkeit an der Spitze. Das ist das Ergebnis einer Bevölkerungsumfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bürgerinnen und Bürgern zum Image deutscher Familienunternehmen.

Kritischer Blick der jungen Generation

Auch bei weiteren „Hard Facts“ sind Familienunternehmen abgeschlagen. Gerade jüngere Bürger bewerten Familienunternehmen kritischer: Nur 42 Prozent der Auszubildenden und Studenten halten diese Unternehmen für einen Innovationsmotor, während es in der Gesamtbevölkerung 74 Prozent sind. Ebenso bezeichnen nur 66 Prozent der jungen Menschen Familienunternehmen als Rückgrat der deutschen Wirtschaft (Gesamtbevölkerung: 82 Prozent). „Da der Fachkräftemangel in Deutschland immer größer wird und Arbeitgeber stärker für sich werben müssen, ist das fatal – und auch nicht richtig: Schließlich stellen Familienunternehmen 58 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland und erwirtschaften 52 Prozent des Gesamtumsatzes. Familienunternehmen, darunter viele Hidden Champions, müssen ihre Stärke offensiver und selbstbewusster verkaufen – ‚hidden war gestern‘ lautet die Devise, “ sagt Uwe Rittmann, Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC

Nachwuchs begeistern, Auszubildende finden

Auf einem Gebiet hingegen teilt Experte Rittmann die Einschätzung der befragten Bürger, von denen lediglich sechs Prozent Familienunternehmen mit Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Technologisierung in Verbindung bringen, während es bei Konzernen 45 Prozent der Befragten sind. „Da sehe ich in der Tat weiterhin dringenden Handlungsbedarf bei den Unternehmern und der Politik“, mahnt Rittmann. „Auch wenn man es heute noch nicht zwingend sieht, ist der Zug für manche schon aus dem Bahnhof herausgerollt. Wer sich nicht permanent anstrengt, läuft Gefahr vom Markt oder Wettbewerb abgehängt zu werden und zunehmend unattraktiv für neue Talente zu werden.“ Bei der Umfrage wurden fünf Bereiche befragt.

Wirtschaftliche Performance

Aus Sicht der Deutschen unterliegen Familienunternehmen bei der wirtschaftlichen Stärke Konzernen gegenüber in allen Bereichen – insbesondere in puncto Marktmacht (73 versus 3 Prozent), internationaler Wettbewerbsfähigkeit (70 versus 5 Prozent) und Rendite (59 versus 10 Prozent). 

Attraktivität als Arbeitgeber

Als Arbeitgeber können Familienunternehmen punkten – aber eher mit Soft Skills als mit Hard Facts. Für Familienunternehmen sprechen aus Sicht der Bürger die regionale Verwurzelung (62 Prozent), der wertschätzende Umgang mit Mitarbeitern (49 Prozent) und flache Hierarchien (30 Prozent). Internationale Karrierechancen sehen sie hingegen bei Konzernen (62 Prozent) ebenso wie attraktive Gehälter und Karrieremöglichkeiten (jeweils 51 Prozent).

Managementqualitäten

Ebenso wie das Image als Arbeitgeber ist auch der Ruf des Managements von Familienunternehmen durch traditionelle Werte geprägt, etwa Verantwortungsbewusstsein, Werteorientierung und Sympathie. Ein Defizit sehen viele Bürger hingegen bei Fähigkeiten wie Durchsetzungsstärke, Innovationskraft und strategischem Denken.

Produkt- und Servicequalität

Familienunternehmen stehen für eine hohe Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen – damit liegen sie deutlich vor Konzernen (41 versus 25 Prozent). Auch bei der Kunden- bzw. Zielgruppenorientierung sind Familienunternehmen Spitzenreiter.

Gesellschaftliche Verantwortung

Familienunternehmen sind eng mit ihrer Region verbunden – sie stehen für Fairness gegenüber Lieferanten und Geschäftspartnern und setzen sich für Projekte in ihrer Heimat ein, wie 40 bzw. 36 Prozent der Bürger bestätigen. Damit liegen sie deutlich vor dem Engagement von Konzernen.

Für Nachwuchs attraktiver werden

Familienunternehmen genießen einen hervorragenden Ruf, haben aber beim Gewinn neuer Azubis Probleme. Geändert werden kann es dank einem besseren Marketing. Azubis müssen sich darüber klar sein, warum sie in eine Ausbildung bei einem gewissen Betrieb eintreten. So kann es möglich werden, dass ein größerer Anteil ins Handwerk will.

Redaktion: Wolfram Hülscher