06. September 2019

Für das Handwerk werben

Foto: Hofele

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Beim „Tag des Handwerks und der Energie“ in Donzdorf planen die Stuckateure einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt. Auf hundert Quadratmetern wird gezeigt, was das Handwerk kann. Obermeister Jürgen Hofele will das Image des Stuckateurberufs optimieren. Wir haben mit ihm gesprochen.

Am 22.09.2019 findet der Tag des Handwerks und der Energie in Donzdorf statt. Was erwartet die Besucher am Stand der Stuckateure?

Wir machen das Abnehmen der Büste – hier  wollen wir den Kopf einiger Prominenten abnehmen, vom Bürgermeister, dem Rektor des Gymnasiums, wir veranstalten ein Geschicklichkeitsspiel  mit einer Verputzmaschine, Auszubildende ziehen Stuckprofile und gießen Formen aus, zeigen eine Herstellung von Gipskartonfräsungen. Das Nationalteam Deutschland  macht Sgraffitoarbeiten, wir präsentieren moderne Fensterleibungen bei Dämmsystemen. Wir beweisen, dass man mit historischen Putzen gesund wohnt und zeigen welches die gängigen Dämmstoffe sind.

Ihre Innung hat für die Meister und Auszubildenden eine einheitliche Kleidung angeschafft. Schädigt das nicht die Identifikation zum persönlichen Stuckateurbetrieb?

Diese Kleidung ist für den gemeinsamen Auftritt wie jetzt zum Beispiel für den Tag des Handwerks und der Energie gedacht.  So haben wir zum Beispiel noch Bildungsmessen oder Lossprechungsfeiern der Auszubildenden. Natürlich darf jeder Betrieb, ja er sollte sich nach sogar nach außen durch ein eigenes Outfit absetzen.

Warum wollten Sie Obermeister werden?

Eigentlich wollte ich dieses Amt das ich bereits sechs Jahre als Stellvertreter ausgeübt habe an jüngere Hände abgeben. Unsere Jugend ist jedoch noch nicht so weit, den Sinn der Innung zu verstehen und will derzeit auch nicht die Zeit dafür aufbringen. Mir  ist der Erhalt der Innung  sehr wichtig. Sie kann hier in der Zukunft ein wichtiges Instrument sein für unsere Kunden unsere Qualitätsarbeit zu vergleichen. Als ö.b.u.v Sachverständiger habe ich leider sehr oft mit nicht organisierten Betrieben zu tun, deren fehlende Ausbildung trotz Zulassung der Handwerkskammer sehr zu wünschen lässt. Hier Informationen zu übermitteln, dem Innungsbetrieb in schwierigen Fällen zu helfen und auch die Geselligkeit zu stärken sollte meiner Meinung nach erhalten bleiben.

Wie kann man mehr Stuckateure für ein aktives Einbringen in einer Innung motivieren?

Dies ist sehr schwer umzusetzen.  Nicht alle angemeldeten Stuckateurbetriebe sind innungsfähig. Jedoch gibt es auch Betriebe deren Qualität sehr gut ist und bisher sich noch nicht der Innung angeschlossen hat.  Hier möchte ich nachfassen und diese Betriebe für die Innung gewinnen.

Was sind die größten Herausforderungen für das Handwerk?

Die Nachwuchsgewinnung dürfte ein sehr großes Problem sein. Viele Betriebe werden überraschend feststellen, dass Sie keine Mitarbeiter mehr haben.  Wer laufend mit jungen Menschen  zu tun hat, sich mit den Schulen in Bildungspartnerschaften austauscht und Betriebspraktika anbietet, wird sich bei der Nachwuchsgewinnung leichter tun.

Eine Herausforderung kann auch die Konkurrenz durch Unternehmen sein, welche viele Leistungen „billiger“ ausführen. Was sagen Sie zu einem Bauherren, welcher anstelle eines echten Stuckateurbetriebs sich für einen „Allrounder“ entscheidet, welcher schnell und kostengünstig arbeitet?

Hier habe ich als ö.b.u.v  Sachverständiger natürlich schon viel Erfahrung sammeln dürfen. Sehr oft muss der Kunde erkennen, dass billig auch billige Ausführung bedeutet.  Oft zahlt er hier den Handwerker doppelt und hat zudem auch viel Ärger.  Jedes Gewerk hat sich spezialisiert und bringt hier sehr gute Leistung. Es dürfte nur wenige geben, die hier als Allrounder die Qualität bringen können.

Sie haben einen Video-Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler ausgerufen. Erzählen Sie uns was die Anforderungen sind und was möchten Sie erreichen?

Ziel des Wettbewerbs war es den jungen Menschen in einem Film zu zeigen, was der Stuckateur kann. Schon alleine das Filmteam welches bei uns in der Firma war, wusste von der Vielfalt des Stuckateurberufes nichts.  Wird auf der Straße gefragt, was der Stuckateur macht, kommt sehr oft ein Schulterzucken.  Viele sehen nur die Restaurierung der Stuckdecken in Kirchen  als Aufgabe des Stuckateurs.  Meiner Meinung nach ist der Stuckateur der vielseitigste Handwerksberuf überhaupt. Wir arbeiten mit Holz, Metall, Kunststoffen,  Farben, Bindemitteln für die Mörtelherstellung und noch vielen anderen Bauprodukten.

Wie könnte man das Handwerk für junge Menschen attraktiver machen?

In dem wir Stuckateure zeigen, was wir können. Genau deshalb hätte ich mir die Teilnahme von allen Schulen in Zusammenarbeit mit den Stuckateurbetrieben im jeweiligen Ort für die Videochallenge gewünscht.  Der Stuckateurbetrieb hätte damit schon seinen Werbefilm auf der Homepage gehabt. Leider war hier der Einsatz der Schulen und Betriebe sehr dürftig.

Im Unterschied zu Malern scheinen viele Kunden sich gar nicht dieser Vielfalt bewusst zu sein, die ein Stuckateurbetrieb abdeckt. Wie kann man das ändern?

So ist es. Wir müssen zeigen was wir können.

Letzte Frage – vor Ihnen steht ein junger Mensch, welcher noch zweifelt ob man Stuckateur werden soll. Formulieren Sie in einem Satz warum Stuckateur der beste Beruf der Welt sein kann.

Wenn Du selbst Hand anlegen willst, abends sehen willst was du geschaffen hast, Werte erhalten und neu gestalten willst, dann werde Stuckateur.

Jürgen Hofele ist Stuckateurmeister und Obermeister der Stuckateurinnung Göppingen, Sachverständiger der HWK Stuttgart, Gebäudeenergieberater, zertifizierter Luftdichtigkeitsprüfer, und Bauthermograf. Zentraler Wunsch von ihm ist stärkeres Engagement in den Innungen. Zuvor steht aber der Tag des Handwerks und der Energie an. ausbau + fassade wünscht viel Erfolg.

Redaktion: Wolfram Hülscher