25. Oktober 2019

Kohleausstieg macht Forschung zu Gipsersatzstoffen und Recycling notwendig


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Die Bundesregierung und der Freistaat Thüringen planen die Ansiedlung eines „Kompetenzzentrums für Gipsersatzstoffe“. Für ein solches Forschungsinstitut habe das Bundesumweltministerium die Finanzierung einer Machbarkeitsstudie zugesagt, erklärte Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee.

Die Kosten dafür beliefen sich auf rund 240.000 Euro. Bei einem positiven Votum, das bis Ende kommenden Jahres vorliegen solle, würde der Bund den Großteil der Kosten für das Kompetenzzentrum tragen. Nach Auffassung von Tiefensee solle das Institut an den Standorten Weimar und Nordhausen aufgebaut werden, um die dort vorhandenen Forschungsstrukturen zu nutzen.

„Wir erwarten, dass die Studie die Notwendigkeit und Umsetzbarkeit eines ‚Kompetenzzentrum Gipsersatzstoffe“ in Thüringen belegen wird“, sagte Tiefensee. Das Land verfüge als wichtigstes Gipsabbaugebiet in Deutschland über praktische Expertise in diesem Bereich – und habe andererseits in Nordhausen (Recycling) und Weimar (Ersatzbaustoffe) in den vergangenen Jahren erhebliche Forschungskompetenzen aufgebaut.

Die Bedeutung des Themas Gipsersatzforschung resultiert aus dem von der Bundesregierung beschlossenen Kohleausstieg, der bis 2038 erfolgen soll. Derzeit wird gut die Hälfte des Gipsbedarfs in Deutschland – rund sechs Millionen Tonnen – als Nebenprodukt (sogenannter „REA-Gips“) aus der Kohleverstromung in Kohlekraftwerken gewonnen, nur etwa fünf Millionen Tonnen werden in Steinbrüchen abgebaut. Mit dem Kohleausstieg wird künftig allerdings immer weniger REA-Gips zur Verfügung stehen, während Experten sogar von einem weiteren Anwachsen des Gipsbedarfs bis 2035 auf über zwölf Millionen Tonnen ausgehen.

Thüringer Forscher haben Konzept für Ersatzstoffe vorgelegt

Vier Thüringer Forschungseinrichtungen – das F.A.Finger-Institut für Baustoffkunde und die Materialforschungs- und Prüfanstalt (MFPA) der Bauhaus-Universität Weimar, das Institut für Angewandte Bauforschung (IAB) Weimar sowie das Thüringer Innovationszentrum Wertstoffe (ThWert) an der Hochschule Nordhausen – haben bereits ein Konzept für ein Kompetenzzentrum für Bauersatzstoffe vorgelegt. Allein 15 laufende Forschungsprojekte an diesen Einrichtungen haben das Gipsrecycling oder die Entwicklung von Gipsersatzstoffen zum Thema. „Thüringen ist bei Produktion und Forschung das ‚Gipsland Nummer eins‘ in Deutschland“, so der Minister. „Ein Forschungsinstitut zu diesem Thema ist notwendig, und es gehört zwingend hierher.“

 „Ich halte es für illusorisch, den Wegfall des REA-Gipses im Zuge des Kohleausstiegs durch einen intensiveren Abbau der natürlichen Gipsvorkommen zu kompensieren“, sagte Tiefensee. Dies stünde auch in erheblichem Konflikt zu den umweltpolitischen Zielsetzungen von Bund und Land. „Die Entwicklung marktfähiger Gipsersatzstoffe ist also dringend geboten. Thüringen kann hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten.“

Quelle: Thüringer Ministeriun für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft / pgl