02. März 2020

Von der Malergesellin zur Lehrerin

Marina Schröders beruflicher Werdegang steht stellvertretend für die Bildungspyramide der gemeinnützigen Sto-Stiftung. Mit dem Programm werden deutschlandweit junge Maler- und Lackierer-Gesellen in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützt – von der Gesellenprüfung bis hin zum Universitätsabschluss. Foto: Sto-Stiftung / Christoph Große / Marina Schröder

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Schon in der Berufsschule während ihrer Ausbildung zur Maler- und Lackiererin stand für Marina Schröder fest, dass sie eines Tages die Seiten tauschen und als Lehrerin vor einer Klasse stehen möchte. „Ich hatte einen Lehrer, der einen ähnlichen Weg gegangen ist wie ich, vom Maler-Azubi zum Lehrer. Das auch zu schaffen, war für mich immer ein großer Ansporn“, sagt sie. Die 31-Jährige studiert zurzeit Farbtechnik und Raumgestaltung mit dem Unterrichtsfach Chemie auf Lehramt an der Leibniz Universität Hannover. Gefördert wird Schröder bei ihrem Studium von der gemeinnützigen Sto-Stiftung.

In wenigen Wochen wird sie ihr Masterstudium abschließen, ihre Abschlussarbeit zum Thema „Nachhaltige Beschichtungsstoffe im Maler- und Lackiererhandwerk“ fertigstellen und kann schon bald als Lehrerin an einer Fach- oder Berufsschule für den Bereich Farbe und Gestaltung arbeiten. „Dann muss ich nur noch meine Elternzeit gut über die Runden kriegen, bevor es mit dem Unterrichten losgehen kann“, sagt die frische Zweifach-Mama und ergänzt: „Im Mai 2021 möchte ich gern mit dem Referendariat starten.“

Studieren auch ohne Abitur möglich

Schröders Werdegang von der Mittleren Reife über eine handwerkliche Ausbildung bis an die Universität zeigt, dass nach einer Ausbildung noch lange nicht Schluss mit der beruflichen Entwicklung sein muss und dass ein Studium ohne Abitur auch möglich ist. „In der Realschule war für mich klar, dass ich beruflich etwas Kreatives machen möchte. Das Abitur und ein Studium standen damals nicht zur Debatte. Ich hatte Spaß an Farben, Formen, Stoffen und wollte damit arbeiten“, erklärt sie. Ihre logische Konsequenz: eine Ausbildung zur Maler- und Lackiererin, die sie aufgrund der Fachhochschulreife verkürzt in zwei Jahren erfolgreich absolviert. Die Arbeit in einem Betrieb füllt die ehrgeizige Gesellin jedoch nicht aus. „Der nächste logische Schritt für mich wäre damals eigentlich eine Weiterbildung zum Meister gewesen. Von einem befreundeten Maler-Kollegen hatte ich aber von der Ausbildung zum „staatlich geprüften Farb- und Lacktechniker“ gehört und war begeistert“, erinnert sie sich.

Kenntnisse für ein Studium erhalten

Schröder bewirbt sich an der Fachschule in Hildesheim, einer von sieben Fachschulen, die die Ausbildung in Deutschland anbieten. Die Ausbildung in Vollzeit dauert vier Semester. Im ersten Jahr macht Schröder ihren Meister, im zweiten den Techniker. „Mein Hintergedanke dabei war immer, mehr Kenntnisse für ein mögliches Studium zu erhalten“, erklärt sie. Ihre guten Noten überzeugen nicht nur die Lehrer, sondern auch die Sto-Stiftung. Marina Schröder wird bei ihrem Techniker mit jeweils 1.000 Euro pro Semester gefördert. „Damals habe ich das erste Mal von der Sto-Stiftung gehört. Die Förderung der Stiftung rund um die Bildungspyramide, die in der Berufsschule anfängt und im Studium endet, finde ich großartig“, sagt sie. Nach der Ausbildung geht Marina Schröder jedoch nicht direkt an die Uni, sondern zuerst in ihre Heimat, ins Emsland, zurück. Dort arbeitet sie in einer Jugendhilfe-Einrichtung und unterstützt junge Maler-Azubis aus schwierigen Verhältnissen bei deren Ausbildung.

Stipendium vom Bachelor bis zum Master

Mit der gesammelten Erfahrung wagt sie ein Jahr später doch den Schritt zum Studium und schreibt sich an der Universität in Hannover ein. „Da ich von der Förderung der Sto-Stiftung noch aus meinem Techniker wusste, habe ich mich für ein Stipendium beworben und wurde genommen!“, erzählt sie überschwänglich. „Die Stiftung fördert mich nun schon mein gesamtes Studium über vom Bachelor bis zum Master mit jeweils 500 Euro im Monat und das seit mittlerweile sechseinhalb Jahren“, erklärt Marina Schröder. Sie ist dankbar für das Vertrauen und die Unterstützung. „Ich habe im Studium mein erstes Kind bekommen, habe aber nie eine Pause eingelegt, immer weiter gemacht. Das Studium hat sich dadurch lediglich etwas verlängert. Ohne die Unterstützung hätte ich es jedoch nicht geschafft“, ist sich die angehende Lehrerin sicher. Marina Schröder blickt optimistisch in die Zukunft und freut sich aufs baldige Unterrichten.

Quelle: Sto/wh