26. März 2020

Lieferketten am Bau trotz Corona noch stabil


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Die Baustoffhersteller sind derzeit noch nicht von den Auswirkungen des Corona-Virus betroffen, bereiten sich aber auf mögliche Folgen vor. Nicht mögliche Brüche der Lieferkette sind derzeit die größte Sorge, sondern ein möglicher Konjunktureinbruch mit entsprechenden Folgen für die Baubranche.

Noch laufen viele Baustellen im Normalbetrieb, die Zahl der Baugenehmigungen ist hoch und sollte eigentlich für ein gutes Auftragspolster sorgen. Doch der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe Felix Pakleppa warnt vor Optimismus: "Die aktuelle Entwicklung beim Corona-Virus macht auch vor der Bauwirtschaft nicht halt. Noch können wir nur schwer abschätzen, in welchem Ausmaß die Pandemie die Bauwirtschaft treffen wird.“ Wenn bei der gewerblichen Wirtschaft Aufträge in Größenordnungen wegbrächen, würden Investitionen zurückgestellt, mit entsprechenden Auswirkungen auf den Wirtschaftsbau. „Wenn Bauämter wegen des Virus nur schwach oder überhaupt nicht besetzt sind, dann werden keine öffentlichen Aufträge vergeben. Wenn Menschen mit plötzlicher Arbeitslosigkeit bedroht sind, werden sie kein Haus bauen oder Sanierungsarbeiten in Auftrag geben", so Pakleppa weiter.

Derzeit herrscht bei den Baustoffherstellern noch eher Hochbetrieb als Krise. Händler bestellen, um nach befürchteten Engpässen und Brüchen der Lieferkette ihre Kunden weiter bedienen zu können. Viele Hersteller haben ihre Lieferketten abgesichert und können der derzeit hohe Nachfrage nachkommen. „Unsere Werke sind derzeit von Auswirkungen der Corona-Krise nicht betroffen. Ergänzend dazu tragen unsere weitestgehend regionale Lieferantenstruktur und unsere lokalen Produktionsstandorte dazu bei, dass wir trotz der schwierigen Rahmenbedingungen unsere Lieferfähigkeit aktuell erhalten können“, betont Heiko Werf, Geschäftsführer von Baumit gegenüber ausbau + fassade.

Die erste Maßnahme, um die eigenen Mitarbeiter zu schützen waren ein Verhaltenskodex und die frühzeitige Absage von Veranstaltungen. Dem folgte ein Betriebskontinuitätsplan, der täglich anhand der Nachrichtenlage aktualisiert wird. Hierin sind für verschiedene Szenarien die entsprechenden betrieblichen Maßnahmen geregelt. „Wir stellen Stück für Stück auf Home Office um. In der heutigen Zeit gibt es eine Vielzahl an elektronischen Kommunikationswegen, die wir nutzen wo immer wir können. So können wir ausgehend vom heutigen Stand der Entwicklung die Betriebstätigkeit, die Prozessketten und einen für unsere Kunden gleichbleibenden Bestellablauf gewährleisten. Zusätzlich wurden bauliche Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter/-innen und Partner durchgeführt“, sagte Heiko Werf.

Baumit hat sich früh entschieden, die Lagerbestände bis zum absoluten Maximum hochzufahren, um Flaschenhälse abzufedern. „Nun gilt es pragmatisch zu handeln und gut zu kommunizieren“, betont Werf. Um Fachhandwerker zu unterstützen stehe man in in engem Kontakt mit den Kunden und ermögliche auch weiterhin den Zutritt zu den Standorten unter Beachtung der behördlichen Auflagen und Empfehlungen. „Auf Anfrage unterstützen wir auch weiter auf der Baustelle. Aber gerade hier legen wir besonderen Wert auf Niesetikette, großzügige Abstände, Kleingruppen etc. Durch den Einsatz des Home Office haben unsere Kunden aus Fachhandwerk, Fachhandel und Planung weiter ihre gewohnten Ansprechpartner und aktuell auch eine gute Warenverfügbarkeit sowie eine gute Einhaltung der Lieferlogistik“, berichtet er.

Bei der Caparol-Mutter DAW hat sich der geschäftsführende Direktor Ralf Murjahn mit einer Videobotschaft zu Wort gemeldet. Man müsse auf viele Einschränkungen reagieren, ohne die Folgen abschätzen zu können, sagt er. Ein Krisenstab überwache fortwährend die gesamte Lieferkette. „Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Rohstoff-Lieferanten und gehen derzeit nicht von Lieferengpässen aus“, ergänzt Caparol Geschäftsführer Stefan Weyer.

Brillux hat bei der Beratung auf Home Office umgestellt. Die Verkaufsberater und technischen Berater seien unter den gewohnten Kontaktdaten zu erreichen, betont das Unternehmen. Die Niederlassungen sind telefonisch erreichbar, Bestellungen werden dort unter Vermeidung von persönlichem Kontakt bereitgestellt. Gleiches gilt für den Lieferservice.

Die Baywa als Baustofflieferant betont, dass die Materialversorgung von Baustellen im Verbreitungsgebiet Bayern, Württemberg, Sachsen und Thüringen weiterhin gesichert sei. „Die Lieferketten funktionieren ohne Einschränkung, so dass auch die in den vergangenen Tagen stark gestiegene Nachfrage nach Baumaterial aus dem Handwerk bedient werden kann“, erklärt das Unternehmen. Man verfüge über einen eigenen Fuhrpark mit rund 100 Fahrzeugen sowie viele weitere Logistikpartner, so dass auch im LKW-Verkehr keine Verzögerungen zu erwarten seien und Baustellen weiterhin pünktlich beliefert werden können. von Pia Grund-Ludwig