01. April 2020

Stuckateure rechnen vermehrt mit Auftragseinbrüchen durch Corona

Rainer Fuchs erklärt die Situation der Unternehmen. Foto: SAF

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Der SAF informiert Mitgliedsunternehmen in Webinaren zum Thema Arbeitsrecht und Corona. Der neue Rechtsexperte des SAF, Rainer Fuchs, erklärt im Gespräch mit ausbau + fassade wie das Webinar lief. 

Herr Fuchs, das erste Webinar des SAF war für Sie selbst eine Feuertaufe. Wie ging es Ihnen dabei?

Für mich war das erste Webinar spannend, eine neue Erfahrung. In Seminaren hat man den direkten Kontakt und das direkte Feedback, bei einem Webinar ist das anders, da ist man dabei, aber doch weit weg. Unser Webinar hat mehr als 90 Minuten gedauert, das ist  verhältnismäßig lang, aber die Teilnehmer haben bis zum Ende durchgehalten – das freut mich sehr!

Warum haben Sie denn ein Webinar gemacht und nicht nur eine Liste mit Fragen?

Wir haben beides gemacht. Es gibt eine Liste mit häufig gestellten Fragen. Diese wird tagesaktuell erweitert um den extremen Informationsbedarf zu erfüllen. Wir wollten aber mehr machen und eine Plattform für den Austausch schaffen. Die Teilnehmer konnte miteinander chatten. Das war uns wichtig. Die Leute interessieren sich dafür, welche Fragen in anderen Betrieben diskutiert werden.  Das hat zu dem großen Interesse geführt, und das war auch das  Gute an diesem Webinar, dass wir diese Fragen zusammenführen konnten.

Was nehmen Sie im Moment an Stimmung auf? Sind die Betriebe noch normal auf den Baustellen?

Die Stimmung ist verhältnismäßig gut, ich hätte sie schlechter erwartet. Ich merke aber auch, dass diese zu kippen beginnt. Die meisten Betriebe haben Bedenken in Bezug auf die Zukunft und überlegen, wie sie mit der gesamten Krise und einer möglichen Rezession zurechtkommen können. Sie rechnen mit Auftragsmangel und überlegen, ob sie möglicherweise Kredite aufnehmen müssen. Die meisten haben noch Aufträge, aber sie merken Stornierungen, weil Bauherren Aufträge verschieben und einen Rückgang bei Neuaufträgen. Viele rechnen ab Mitte April bis Ende Mai  mit Kurzarbeit im Betrieb..

Was haben die Stuckateurbetriebe von den bislang aufgelegten Programmen?

Die Programme sind gut aufgesetzt und die schnelle Reaktion des Staates war sehr gut. Diese Hilfen stehen aber bei unseren Betrieben nicht im Vordergrund. Man interessiert sich eher für die Erhaltung der Liquidität durch Stundungen von Einkommens-, Gewerbe- und Umsatzsteuer. Die Kreditprogramme über die KfW müssen unsere Betriebe in der Regel nicht in Anspruch nehmen. Unsere Betriebe arbeiten ja noch, ihre Probleme sind rückläufige Investitionen und die Angst der Bauherren. In den nächsten Monaten werden wahrscheinlich viele Aufträge zurückgestellt. Themen wie Wärmedämmung, die wichtig waren, werden aktuell nach hinten geschoben. Es wäre besser, wenn man einen Teil der Hilfsprogramme so aufstellt, dass  stärker investiert, Genehmigungsverfahren beschleunigt, freie Vergaben und beschränkte Ausschreibungen gemacht werden, um die lokalen Handwerksbetriebe zu fördern. Der Staat muss die Investitionsquote erhöhen, um das entstehende Auftragsloch zu füllen und das Vertrauen wiederherzustellen. Das würde helfen und würde Arbeitsplätze und Existenzen in der Branche sichern.

Helfen da die Fristverlängerungen bei der Vergabe, die schon beschlossen sind?

Das ist ein erster Schritt. Wir brauchen aber eine höhere Investitionsquote und nicht nur eine Verlängerung der Fristen.

Es gab bereits Klagen über schleppendes Zahlungsverhalten der öffentlichen Hand. Spüren Sie das auch?

Bislang nicht, das ist aber genau das, was nicht passieren darf. Die öffentliche Hand muss jetzt beschleunigen, um das Auftragsloch zu füllen. Die größten Ausfälle sehen wir derzeit bei den privaten Bauherren. Da werden bestehende Projekte nicht weitergeführt, weil es viel Unsicherheit gibt.

Das komplette Interview mit Rainer Fuchs lesen Sie in der kommenden Ausgabe von ausbau + fassade.