18. November 2020

Restauratorentagung in der Schweiz

Foto: Weißert

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Coronabedingt fanden im Frühjahr 2020 leider keine Fortbildungen statt. Dennoch hat der Vorstand der Fachgruppe  der Restauratoren im Stuckateurhandwerk des SAF beschlossen zu versuchen die als Studienreise vorgesehene Herbstveranstaltung zu machen. Im Mittelpunkt stand Handwerkskunst. Stattfinden konnten sie in der Schweiz.  

 

Im Rätischen Dreieck konnte das Seminar durchgeführt werden. Die Idee hierzu erwuchs aus einem interessanten Vortrag im vergangenen Jahr zum Thema Burgenrestaurierung, den Fachexperte Walter Schläpfer aus der Schweiz bei den Restauratoren gehalten hat. Glücklicherweise konnte diese Studienreise mit nur geringen Einschränkungen Coronakorrekt durchgeführt werden.

Das Hauptthema war das Sgraffito im Engadin und Val Müstair, deren Herstellung, Symbolik und seinen geschichtlichen Hintergrund. Zur Einstimmung am ersten Tag besuchte die Gruppe nachmittags einen Sgraffito-Workshop, um Material und Technik kennen zu lernen. Eine Reihe von verschiedenen Ausführungsstilen an Fassaden konnte die Gruppe im Anschluss im Bergdorf Guarda, Unterengadin, unter Führung von Dipl. Gipsermeister Walter Schläpfer, besichtigen.

Weitere Besichtigungspunkte am zweiten Tag waren Zernez im Unterengadin, sowie ein historischer Kalkbrennofen in Valchava im Münstertal mit anschließender Einführung in die Symbolik des Sgraffito durch Pfarrer Hans-Peter Schreich. Von ihm stammt auch die kleine 2020 veröffentlichte Broschüre „Sgraffiti sehen – Sgraffiti verstehen“

In St. Maria fand anschließend die Besichtigung des ältesten funktionstüchtigen unterschlächtigen Mühlenwerks der Schweiz, der Muglin Mall, statt.

Tageshöhepunkt war eine sehr interessante Führung im Kloster St. Johann, dem Unesco Weltkulturerbe im Val Müstair. Das Kloster wurde von Karl dem Großen gestiftet (das älteste Bauholz in der Kirche wurde auf 775 datiert) so, dass über 1200 Jahre alter Putz vorhanden ist und besichtigt werden konnte. Derzeit wird seit mehreren Jahren die mittlere Apsis restauriert. Besonders hervorzuheben sind die detaillierten Einblicke und Erläuterungen in die Restaurierungstechniken dieses einmaligen Denkmals, welche der jahrzehntelang dort arbeitende Restaurator Rufino Emmenegger den Teilnehmern gab.

In der mittelalterlichen Stadt Glurns im Obervinschgau, wurde der Tag mir einer nächtlichen Stadtführung abgeschlossen.

Am dritten Tag wurde die imposante Burgruine Lichtenberg, in Prad, die Churburg in Schluderns, die Kirche St. Benedikt in Mals mit karolingischen Stuck und Fresken besichtigt. Der Abschluss fand im Kloster Marienberg inMals-Burgeis statt. Unter der fachkundigen Begleitung von Walter Schläpfer aus Bülach war dies eine hochinteressante Studienfahrt mit Diskussion und Meinungsaustausch zwischen Teilnehmern und örtlichen Spezialisten.

Joachim Engst, Markus Weißert, wh