26. November 2020

Baustoff trifft Bundespräsident

Maxit-Entwicklungsleiter Friedbert Scharfe empfindet bereits die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis als Ehre für die eigene Forschungsarbeit, aber auch als „Zeichen für nachhaltigen Klimaschutz in der Praxis“. Foto: Deutscher Zukunftspreis /Ansgar Pudenz

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Forscher hinter „maxit ecosphere“-Spritzdämmung im „Kreis der Besten“ für Deutschen Zukunftspreis.

 

Für die Entwicklung der mineralischen Spritzdämmung „ecosphere“ gingen Maxit-Forschungschef Friedbert Scharfe und seine Partner ins Rennen um den Deutschen Zukunftspreis 2020. Obgleich es schlussendlich nicht ganz für einen Sieg der begehrten Trophäe reichte, ist schon die Nominierung eine große Auszeichnung: Eine Bewerbung um den Preis ausgeschlossen, nominiert wird nur, wer von einer fachkundigen Institution vorgeschlagen und von der Preisjury auserwählt wurde. Bei der offiziellen Verleihung in Berlin durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 25. November zeigte sich das Team hinter dem innovativen Dämmstoff demnach trotzdem dankbar und stolz.

Deutschland hinkt der avisierten Sanierungsquote noch immer deutlich hinterher. Dabei gelten schlecht gedämmte Häuser selbst gegenüber Bereichen wie Verkehr oder Landwirtschaft als größere „Klimasünder“. Mit der mineralischen Spritzdämmung „ecosphere“ präsentierte Baustoffhersteller Maxit (Azendorf) seine Idee zur Lösung dieses Problems bereits 2019 auf der Leitmesse „BAU“: Schnell und einfach zu verarbeiten, nachhaltig und recycelbar sei die Mörtelmasse, bei der winzig kleine Glashohlkugeln als Leichtzuschlag fungieren. Das Potenzial dieser neuen Baustofftechnologie wurde nun auch über die Baubranche hinaus erkannt: Maxit-Entwicklungsleiter Friedbert Scharfe sowie seine beiden Forschungspartner Prof. Dr.-Ing. Thorsten Gerdes (Universität Bayreuth) und Dr. rer. nat. Klaus Hintzer (Dyneon / 3M) dürfen sich zum „Kreis der Besten“ im Rennen um den Deutschen Zukunftspreis 2020 zählen. Der Bundespräsident persönlich verleiht die renommierte Auszeichnung, die für herausragende Technik und Innovation „made in Germany“ steht und bereits seit 1997 jährlich vergeben wird. „Auch wenn wir am Ende die Trophäe nicht mitnehmen konnten, so ist es doch eine große Ehre überhaupt nominiert gewesen zu sein. Dass ich im Rahmen meiner Forschungsarbeit für Maxit auf den Bundespräsidenten treffen durfte, ist für mich schon Auszeichnung genug“, freut sich Scharfe.

Interdisziplinäre Forschungsarbeit

Auf dem Weg zum Massenprodukt mussten Friedbert Scharfe und seine Forschungspartner zunächst mehrere Herausforderungen meistern: Um die Ökobilanz von ecosphere zu verbessern, hat Putz- und Mörtelspezialist Maxit etwa eine spezielle Bindemittelrezeptur entwickelt, die sich durch einen niedrigen CO2-Fußabdruck auszeichnet. Zugleich erfüllt sie höchste Anforderungen an Isolationswirkung, mechanische Eigenschaften und Langzeitstabilität. Eine weitere Herausforderung war die Suche nach geeigneten „Glass Bubbles“: Denn mit zunehmender Größe der Kugeln wächst zwar deren Dämmleistung, aber auch die Gefahr von Glasbruch im Verarbeitungsprozess. Schlussendlich konnte Hersteller 3M Kügelchen mit einem optimalen Eigenschaftsprofil entwickeln, die leistungsstark dämmen, den Verarbeitungsprozess nahezu unbeschadet überstehen und zudem im alkalischen Milieu der Bindemittelmatrix nicht zerstört werden.

Von der Wissenschaft zur Praxis

Teil der universitären Forschungsarbeit war unter anderem die Optimierung der Baustoffzusammensetzung sowie der Verarbeitungs¬eigenschaften: Anders als etwa Dämmstoffe in Plattenform wird ecosphere nämlich nicht an die Wand gedübelt oder gebohrt, sondern per Putzmaschine aufgespritzt. „Mit ecosphere wollten wir einen Dämmstoff schaffen, der leicht und zügig zu verarbeiten ist und dabei bisher kaum vereinbare Eigenschaften zusammenführt“, erklärt Scharfe. Die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreises zeigt, dass das Team sein Ziel erreicht hat: Bei dem nationalen Leistungsvergleich werden herausragende technische, ingenieur- oder naturwissen¬schaftliche Neuerungen sowie solche aus dem IT-Bereich ausgezeichnet. Ausgelobt und verliehen wird der Preis vom Bundespräsidenten persönlich. „Das ist natürlich etwas Besonderes und macht uns sehr stolz. Dennoch ist es wichtig zu betonen, dass unsere Erfindung kein abstraktes Wunderwerk ist, sondern ein praxiserprobter Dämmstoff für umwelt¬bewusstes Bauen“, so Scharfe. „Daher empfinden wir die Nominierung als große Ehre für unsere Forschung, aber auch als Zeichen für nachhaltigen Klimaschutz in der Praxis.“

Hergestellt und vertrieben wird die ecosphere-Dämmung von Maxit. Je nach Bundesland, perspektivisch auch international, obliegt die Vermarktung auch dem Joint-Venture-Partner Saint-Gobain Weber (Düsseldorf). Seit der offiziellen Markteinführung von ecosphere Anfang 2019 wurden rund 30.000 Quadratmeter mit der neuen Technologie gedämmt. Angestrebt und realistisch sei laut Hersteller mittelfristig ein Marktanteil von circa vier Millionen Quadratmetern pro Jahr.

Quelle: Maxit / Wolfram Hülscher