11. August 2021

Luft in Innenräumen dauerhaft reinigen

Im Auftrag des BSS e.V. testete das Institut für Sensor- und Aktortechnik der Hochschule Coburg elf Luftreiniger, die für die meisten Einsatzorte in Frage kommen, die Messungen wurden in einer eigens von Dr. Wolfgang Lorenz konstruierten Doppel-Messkammer durchgeführt. Foto: BSS / Bernhard Eckert
Im Auftrag des BSS e.V. testete das Institut für Sensor- und Aktortechnik der Hochschule Coburg elf Luftreiniger, die für die meisten Einsatzorte in Frage kommen, die Messungen wurden in einer eigens von Dr. Wolfgang Lorenz konstruierten Doppel-Messkammer durchgeführt. Foto: BSS / Bernhard Eckert

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Nicht erst seit der Pandemie, gewinnt Lüftung an Bedeutung. Sei es Schimmel oder Staub auf der Baustelle, Frischluft ist unerlässlich. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Luftreinigung ist nicht nur auf Baustellen relevant. Auch in erfolgreich abgeschlossenen Bauprojekten ist Luft ein Thema. Seit Jahren beschäftigt sich der Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS e.V.) mit dem Thema Luftreinigung in Innenräumen und seit Mitte 2020 schwerpunktmäßig mit dem Thema Innenraumluft und Corona. Um dieses Themenfeld zu diskutieren, veranstaltete der BSS im Juli 2021 mit Mitgliedern und Experten aus dem Bereich Filtertechnik und Luftreinigertechnik einen Workshop in Coburg. Die Ergebnisse des Workshops bestätigen einige bisherige, aus der Erfahrung gewonnene Annahmen, und bringen in Bezug auf die notwendige Filtertechnik und der Gerätebewertung wertvolle neue Erkenntnisse. Eine entscheidende Erkenntnis war, dass die Gefahr einer gesundheitlichen Belastung vor allem in Räumen liegt. Im Auftrag des BSS hat das Institut für Sensor- und Aktortechnik der Hochschule Coburg Anfang dieses Jahres diverse Luftreiniger überprüft, welche für typische Einsatzorte in Betracht kommen, die Anschaffungskosten liegen zwischen 300 bis 1500 Euro. Wichtig ist das genau zu berechnen.

Für jeden Raum eine Option

Ob als Sofortmaßnahme bei einem Schimmelbefall mit gesundheitlichen Symptomen der Raumnutzer, als Reduzierungsmaßnahme bei einer Belastung mit organischen Geruchsstoffen oder auch – mit speziellen Filtern ausgestattet – zur Reduzierung von Quecksilberbelastungen, der Betrieb von Luftreinigungsgeräten führte nach Angaben des Instituts in den allermeisten Fällen zum Erfolg. Anfang Dezember 2020 bezog die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) mit der Einschätzung „[…] Luftreiniger können einen sinnvollen Beitrag leisten, um die Partikel- und Virenkonzentration in einem Raum zu reduzieren. Bei der Beschaffung von Luftreinigern muss darauf geachtet werden, dass diese für den angedachten Raum ausreichend dimensioniert sind, um die Partikel- und Virenlast auch wirklich signifikant zu verringern. Der Luftdurchsatz des Geräts ist hier wichtiger als die Effizienz des Filters. Aus energetischen und Kostenerwägungen kann die Verwendung hocheffizienter Filter sogar kontraproduktiv sein. […]“ Stellung. Der Kunde sollte vom Hersteller oder Händler verbindliche Angaben zur Lautstärke, zu den verwendeten Filtern, zum Volumenstrom der gefilterten Luft, aber auch zum Wirkungsgrad erfragen.

Geprüfte Effizienz

Luftreiniger sind sinnvoll zu Reduzierung der Belastung nur dann, wenn sie Viren effektiv mit hohem Wirkungsgrad aus der Raumluft filtern. Wie die Messungen des BSS Gerätetests an 11 Raumlüftern ergaben, sind Filter der Klasse E12 ausreichend. Optimal sind Geräte, die über HEPA H13 Filter verfügen. Bessere Filter, wie H14 oder U15 sind nicht erforderlich und verursachen vermeidbare höhere Kosten. Einige Hersteller bieten Geräte mit Zusatzfunktionen, wie UV-Bestrahlung oder Ionisatoren an. Fraglich ist nach Angaben des BSS, ob bei hohem Luftstrom eine kurze Einwirkzeit des UV-Lichtes ausreicht, um Viren oder andere Keime zu zerstören und falls ja, wie viel Prozent der Viren zerstört werden.

Lüftungsgrad bemessen

Werden ein oder mehrere Geräte mit geringer Lautstärke gebraucht, da diese in einem Büro betrieben werden sollen oder in einem Wartezimmer, dann sollte zunächst das Raumvolumen berechnet werden (= Fläche x Deckenhöhe) und einen Luftwechsel von mindestens 3 x die Stunde mit dem Gerät angestrebt werden. Sollte ein Raum mit 20 m² und 2,5 m Höhe gelüftet werden, müsste das Gerät 150 m³ /Stunde Luft filtern. Dazu gibt es zwei Rechenbeispiele für die richtige Gerätewahl.  Für die Rechenbeispiele wurden zwei Geräte ausgewählt, zu denen es prüfbare Angaben zur Geräuschentwicklung und zum Volumenstrom gibt. (Raum mit 20 m² und 2,5 m Höhe = Gerät 150 m³ /Stunde Luft) Das erste Rechenbeispiel ist ein Gerät von Philips (4000i) hat auf der höchsten Stufe einen Luftdurchsatz von 510 m³/Std. Dies würde für Ihren Raum (20 m² und 2,5 m Höhe) mehr als ausreichen. Allerdings sei die Lautstärke mit 65 dB(A) bei dieser Stufe für normale Räume zu hoch. Auf der kleinsten Stufe ist dieses Gerät auf jeden Fall deutlich leiser, bringt dann aber nur 83 m³/Std gefilterte Luft. Somit wären bei Betrieb auf Stufe 1 zwei Geräte erforderlich. Beim Beispiel zum IQAir 100 gibt der Hersteller für Stufe 3 ein Volumen von 170 m³/Std an und eine Lautstärke von 41 dB/A). Die Geräuschentwicklung wäre somit noch akzeptabel und die Volumenleistung ausreichend hoch. Zwar wurde das Gerät nicht auf Stufe 3 getestet, sondern nur auf Stufe 1, 4 und 6. Da jedoch alle Angaben des Herstellers beim Test bestätigt wurden, gibt es keinen Grund, an den Herstellerangaben zum Betrieb auf Stufe 3 zu zweifeln.

Auf die richtige Platzierung achten

Für durchschnittliche Räume sind kleine und leise Geräte zu empfehlen. In großen Räumen kann aus Gründen von kleinerer Lautstärke auch der Einsatz mehrerer Kleingeräte erfolgen. Bei mehreren Personen im Raum sollten die Reiniger so aufgestellt werden, dass sie die Luft gleichmäßig reinigen. Das trifft ebenso auf Baustellen zu. Eine gleichmäßige Absaugung hilft bei der Arbeit. Wolfram Hülscher