08. Oktober 2021

Azubis sanieren historische Baustelle

Unter historischen Bedingungen, konnten Baulehrlinge eine Mauer wiedererrichten. Foto: Bauwirtschaft Baden-Württemberg
Unter historischen Bedingungen, konnten Baulehrlinge eine Mauer wiedererrichten. Foto: Bauwirtschaft Baden-Württemberg

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Bauen wie die alten Römer, das können die Bau-Azubis auch heute noch. Trotz neuester Baumaschinen, Techniken und Materialien beherrschen sie noch das alte Bauhandwerk. Und das ist gut so, denn vor genau 23 Jahren haben die Lehrlinge des Bildungszentrums Bau in Aalen eigens für das dortige Limesmuseum in monatelanger akribischer Arbeit einen originalgetreu nachgebauten Baukran aus der römischen Antike samt dazugehörigem Tretrad und Mauerwerk konstruiert.

Und das hat einen Grund. Denn die nachgestellte Baustelle aus dem Jahr 150 nach Christus ist nach fast einem Vierteljahrhundert in die Jahre gekommen und muss dringend saniert werden. Gerade mit Blick auf die zahlreichen Besucher, die jedes Jahr auf dem Museumsgelände nach Aalen kommen und dabei selbst den Römerkran austesten dürfen.  Die Sanierungsarbeiten auf der Museumsbaustelle erfolgen in mehreren Abschnitten. Das berichtet die Bauwirtschaft Baden-Württemberg. Schritt eins war zunächst die Sicherung und Instandhaltung der meterhohen römischen Mauer auf der antiken Baustelle. Wind und Wetter haben ihr stark zugesetzt, der Zement wurde porös, einige Steine wackelten. Für die neun angehenden Maurer und Beton- und Stahlbetonbauer aus dem Bildungszentrum Aalen, die für dieses Projekt ausgewählt wurden, eine wirklich spannende Aufgabe. „Unsere Lehrlinge waren letzte Woche mit Feuereifer bei der Arbeit und haben exakt wie die alten Römer den sogenannten Opus caementitium angerührt, einen Vorläufer unseres heutigen Zements, um daraus Beton herzustellen“, sagt Wolfgang Seckler, der betreuende Ausbildungsleiter. „Sie sind total fasziniert, wie man vor gut 2000 Jahren mit einfachsten Mitteln solch imposante Bauwerke wie zum Beispiel das alte Kolosseum in Rom oder das Pantheon erstellt hat“, argumentiert Seckler.

Inspiration für andere Gewerke

Schritt zwei wird im März nächsten Jahres dann die Sanierung des 6,50 Meter hohen hölzernen Baukrans samt des 3,60 Meter Tretrads sein. Auch hier haben die Witterungseinflüsse der letzten Jahre Spuren hinterlassen. In sechs Monaten werden also erneut Bau-Azubis am Werk sein, um den normalerweise voll funktionstüchtigen historischen Holzkran für Museumsbesucher wieder nutzbar zu machen. Der Leiter des Bildungszentrums Aalen, Patrick Stolhofer, freut sich über dieses Projekt auch im Hinblick auf die Motivation der Jugendlichen: „Unsere Auszubildenden sind mächtig stolz darauf, an dieser antiken Museumbaustelle mitarbeiten zu dürfen. Dennoch werden sie es sicher zu schätzen wissen, dass ein moderner Baustellenkran heute nicht mehr per Muskelkraft bedient wird. Ein einfacher Knopfdruck genügt!“ Das kann auch eine Inspiration für andere Gewerke sein.

Quelle: Bauwirtschaft Baden-Württemberg / Wolfram Hülscher