19. November 2021

Die Jugendbauhütten kommen wieder

In Kooperation mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz konnten historische Gebäude saniert werden. Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz

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Nach der Flut halfen sechs Freiwillige mit ihren beiden Anleitern als sechste Gruppe beim Wiederaufbau. Dabei verbanden sie ihr Engagement mit einem Gewinn an Know-how. Koordiniert wurde das Projekt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

„Wir kommen wieder!“, hieß es zum beim Abschied der sechs Freiwilligen und ihrer beiden Anleiter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Die jungen Leute mit ihren handwerklichen Fähigkeiten und ihre Vor-Ort-Hilfe – als sechste Gruppe seit September – kommen auf jeden Fall im Frühjahr ins Flutgebiet zurück. „Es ist unglaublich, wie schnell die Freiwilligen vorangekommen sind“, bemerkt Laura Haverkamp, Teamleiterin der Jugendbauhütten bei der DSD, zum bisherigen Einsatz in Bad Münstereifel. „Im Entenmarkt 20 ist eigentlich alles fertig, nebenan fehlt noch etwas Oberputz und bei einem der Nachbarhäuser wird noch die Dämmung angebracht, damit dann in Eigenregie verputzt werden kann“.

Insgesamt kamen rund 40 Jugendliche zwischen 16 und 22 Jahren, die derzeit ihr Freiwilliges Soziales Jahr in einer der 16 Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd) leisten, zu einem ein- oder zweiwöchigen Einsatz in die Eifel. Aus sechs unterschiedlichen Orten reisten sie in den vergangenen neun Wochen an, um in Bad Münstereifel beim Wiederaufbau dreier von der Flut schwer beschädigter denkmalgeschützter Fachwerkhäuser zu helfen. Gemeinsam mit erfahrenen Fachanleitern mauerten die Jugendlichen die Gefache der Häuser mit Lehmsteinen aus, brachten Dämmung und Putz an, reparierten schadhafte Holzstellen und sanierten so die historischen Häuser denkmalgerecht. „Diese Hilfe kann man mit Geld nicht aufwiegen“, sagt Bernd Bünger, einer der Besitzer. „Finanzielle Hilfen sind toll, aber wir standen hier vor einem Trümmerhaufen und wussten nicht, wo wir anfangen sollten. Fachleute sind nicht zu kriegen. Und dann kamen diese jungen, fröhlichen Leute, die einfach angefangen haben.“

Erste Auszahlungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Tatsächlich kamen freilich nicht nur die gut gelaunten und arbeitswilligen jungen Leute, als keine Handwerker in der Region zu bekommen waren, sondern mit ihnen zusammen erfolgten auch die ersten finanziellen Unterstützungen und Auszahlungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Diese private Hilfe wurde möglich durch zahlreiche solidarische Spenden von Freunden und Förderern der privaten spendensammelnden DSD. Diese hatte bereits früh ein dreistufiges Fluthilfe-Programm ausgelegt, das unbürokratische und schnelle Hilfe für betroffene Denkmaleigentümer ermöglichte. 2,5 Millionen Euro stellte die DSD binnen zweier Wochen zum Abruf bereit – vor allem als erste Hilfe und für Notmaßnahmen. Bis heute hat die Stiftung von den Hilfsgeldern rund 2 Millionen Euro verausgabt – 1,5 Millionen Euro in Nordrhein-Westfalen, knapp 500.000 Euro in Rheinland-Pfalz –, ein Drittel dieser Summe wurde schon abgerufen und konnte auf die Konten der über 360 Hilfesuchenden ausbezahlt werden. Ein psychologisch wie materiell wichtiges Zeichen für die, die derzeit noch auf die Auszahlung staatlicher Mittel warten müssen. „Etwas, wofür wir unseren Spendern und Stiftern sehr dankbar sind!“, betont DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny sichtlich froh.

Während ihres Einsatzes erklärten die Teilnehmer und ihre Anleiter den an ihren als Schaubaustellen funktionierenden Einsatzorten vorbeischauenden Fragestellern und Mitbetroffenen, worauf sie bei den anstehenden Bauarbeiten achten sollten. Besuche und Beratung vor Ort wurden gerne angenommen. So zeigten die Jugendbauhütten-Teilnehmer allen Interessierten, wie sich Fachwerk effizient und kostengünstig wiederherstellen lässt und wie man die leicht erlernbaren klassischen Bautechniken anwenden kann. „Nichts ist so resistent und gut zu reparieren wie Fachwerk!“ Ein klassischer Baustoff wie Lehm ist zweifellos ein idealer und nachhaltiger Baustoff, der mit jedem modernen Produkt konkurrieren kann.

Wenn nun aufgrund der zunehmend schlechten Witterung und mit Hinblick auf die steigenden Infektionszahlen die Fluthilfe-Baustellen der Jugendbauhütten in die Winterpause gehen: Im kommenden Frühjahr werden die jungen Helfer ihre Arbeiten in den Flutgebieten wieder aufnehmen. Dafür sorgen schon die zahlreichen motivierenden Eindrücke, die die Freiwilligen mit nach Hause genommen haben. „Als wir die erste Mauer wieder geschlossen hatten, hatten die Bewohner Freudentränen in den Augen“, erinnert sich Felix Lenz aus Quedlinburg, Teil der ersten Hilfsmannschaft in Bad Münstereifel.

In Quedlinburg, Berlin, Wismar, Stralsund, in Brandenburg und an der Ostsee freuen sich also die Jugendlichen schon darauf, baldmöglich wieder mit vielen fleißigen Händen beim „Wiederaufbau West“ helfen zu können. „Es ist toll sagen zu können: Wir haben hier mitgeholfen!“

Die Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) in Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste e.V. (ijgd) ermöglichen Jugendlichen zwischen 16 und 26 Jahren, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Denkmalpflege an unterschiedlichen Einsatzstellen zu absolvieren. In den Jahren des Bestehens der Jugendbauhütten in Deutschland erhielten weit über 5.000 junge Menschen während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres einen theoretischen und praktischen Zugang zur Denkmalschutz-Thematik. Die DSD arbeitet dabei mit den ijgd zusammen, denen die Betriebsführung der bundesweit 16 Jugendbauhütten anvertraut ist. Insgesamt stehen jährlich deutschlandweit rund 330 Plätze zur Verfügung. Jugendliche zwischen 16 und 26 Jahren können ein Jahr lang in einer Jugendbauhütte traditionelle Handwerkstechniken erlernen, sie am Original anwenden und das Besondere, Echte und Authentische mit eigenen Händen erspüren und erfahren.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat angesichts der großen Not in den Überschwemmungsgebieten ein dreistufiges Nothilfeprogramm eingerichtet, das dazu beitragen will, den Denkmalbestand auch als wirtschaftliche Grundlage der betroffenen Tourismus-Regionen für die Zukunft zu sichern.

Quelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz / Wolfram Hülscher