21. Juli 2022

WDVS-Planungsatlas: Bauelemente-Berechnung vereinfacht

Im WDVS-Planungsatlas wurden die Bauelemente-Berechnung vereinfacht. Foto: VDPM
Im WDVS-Planungsatlas wurden die Bauelemente-Berechnung vereinfacht. Foto: VDPM

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Im WDVS-Planungsatlas finden Architekt*innen, Bauphysiker*innen und Fachhandwerker*innen gesicherte und herstellerneutrale Detaillösungen für alle relevanten Anschlusspunkte von Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS). Die Rechenverfahren für Bauelemente wurden jetzt optimiert.

Ein wesentlicher Bestandteil von Berechnungen im Rahmen der Gesamtenergieeffizienz-Bewertung eines Gebäudes gemäß Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist die Ermittlung der Wärmeverluste über die wärmeübertragende Umfassungsfläche an die Außenumgebung. Dabei spielt auch die wärmeschutztechnische Qualität im Bereich der Anschlussdetails eine wichtige Rolle.

Studien-Ergebnisse wurden in Planungsatlas integriert

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel e. V. (VDPM) hat mittels einer wissenschaftlichen Studie die Rechenverfahren für Bauelemente analysieren und optimieren lassen. Ziel der Untersuchungen war es, vereinfachte Ersatzmodelle für Bauelemente zu entwickeln, die anstelle der aufwändigen Referenz-Elemente genutzt werden können. Die Berücksichtigung von Wärmebrücken im Rahmen der Gesamtenergieeffizienz-Bewertung von Gebäuden erfordert häufig eine detaillierte Betrachtung im Sinne von durchzuführenden Wärmebrückenberechnungen. Mit der Neufassung von DIN 4108 Beiblatt 2:2019-06 wurde das Rechenverfahren für Bauelemente (z. B. Fenster und Rollladenkästen) überarbeitet. Nach wie vor ist die Nutzung eines vereinfachten „Blockmodells“ im Sinne einer sieben Zentimeter dicken Holzschicht zulässig. Hierfür wurden allerdings „Strafzuschläge“ eingeführt, sodass die Nutzung dieser Blockmodelle im Rahmen detaillierter Wärmebrückennachweise für Planende insbesondere wirtschaftlich unattraktiv ist.

Sollen diese Strafzuschläge entfallen, müssen die Referenzbauteile gemäß DIN 4108 Beiblatt 2, Anhang F für Wärmebrückenberechnungen genutzt werden. Um diese Vorgehensweise einer Nutzung im Rahmen von Wärmebrückenkatalogen zuzuführen, wurden in dem vom VDPM geförderten Forschungsvorhaben vereinfachte universelle Ersatzmodelle entwickelt.

Minimale Abweichungen

Mit Blick auf die energetisch relevante Kenngröße ψ, erbrachte die Studie beim universellen Ersatzmodell im Vergleich zu einer Berechnung mit den Referenz-Bauteilen gemäß Beiblatt 2 nahezu identische Ergebnisse.

Abweichungen zeigen sich lediglich in der dritten Nachkommastelle, was baupraktisch zu vernachlässigen ist. Die Innenoberflächentemperatur der Referenz-Bauteile wird mit den universellen Ersatzmodellen ebenfalls gut nachgebildet. Kleine Abweichungen sind hier unvermeidbar, aber ebenfalls nicht von baupraktischer Bedeutung. Die entwickelten universellen Ersatzmodelle können somit mit guter Übereinstimmung anstelle der Referenzmodelle gemäß DIN 4108 Beiblatt 2 für Wärmebrückenberechnungen genutzt werden. Der Modellierungs- und Rechenaufwand bei Wärmebrückenberechnungen wird durch die universellen Ersatzmodelle in der Anwendungspraxis deutlich reduziert.

Im WDVS-Planungsatlas wurden inzwischen alle diesbezüglich relevanten Details unter Nutzung dieser Ersatzmodelle berechnet. Somit können bei Nutzung des WDVS-Planungsatlas Strafzuschläge entfallen. Planer*innen erhalten eine einfach zugängliche Möglichkeit, Wärmebrückeneffekte realitätsnah und wirtschaftlich im Rahmen energetischer Berechnungen zu berücksichtigen.

Quelle: VDPM / Delia Roscher