22. September 2022

DenkmalCamp in Rumänien: Restaurieren wie im Mittelalter

Die 20 Azubis nahmen neue Freund*innen und viel Wissen zu Handwerkskunst und Baukultur mit nach Hause. Foto: Christoph Große (pivopix)
Die 20 Azubis nahmen neue Freund*innen und viel Wissen zu Handwerkskunst und Baukultur mit nach Hause. Foto: Christoph Große (pivopix)

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Auch 2022 schickte die Sto-Stiftung wieder 20 Maler- und Stuckateurazubis zum DenkmalCamp im rumänischen Martinsdorf. Dort konnten die jungen Menschen Erfahrungen in Sachen Denkmalschutz, Restaurierung und Kirchenmalerei sammeln.

Auch 2022 schickte die Sto-Stiftung wieder 20 Maler- und Stuckateurazubis zum DenkmalCamp im rumänischen Martinsdorf. Dort konnten die jungen Menschen Erfahrungen in Sachen Denkmalschutz, Restaurierung und Kirchenmalerei sammeln.

„Auf in die Vergangenheit“ hieß es am 29. Juli 2022 für 20 Lehrlinge, die mit der Sto-Stiftung auf eine abenteuerliche Reise nach Rumänien gehen durften. Ziel war eine mittelalterliche Kirchenburg, die heutige evangelische Kirche, sowie das zugehörige Pfarrhaus mit Wehrturm in Martinsdorf (Metiş), Siebenbürgen. Das Objekt wird seit 2013 von der Bau- sowie der Maler- und Lackierer-Innung München in Zusammenarbeit mit der Handwerksschule Martinsdorf/Siebenbürgen e. V. Stück für Stück instandgesetzt. Jährlich arbeiten etwa 60 Auszubildende, Gesell*innen und Techniker*innen gewerkeübergreifend drei Wochen lang im Mai und Oktober an Kirche und Pfarrhaus.

Besondere Handwerks-Techniken

„Von dem Projekt war ich sofort begeistert. Mir war direkt klar, dass wir die Instandhaltung unbedingt als Stiftung unterstützen müssen“, sagt Gregor Botzet, Stiftungsrat Handwerk der Sto-Stiftung und Fachlehrer der Ferdinand-Braun-Schule in Fulda. „Der erste Lauf vergangenes Jahr war ein voller Erfolg, die Wiederholung fast schon obligatorisch.“ Durch die Absprache mit dem Denkmalamt in Sibiu bekommt der Handwerks-Nachwuchs hier die einmalige Chance, aktiv am Denkmalschutz mitzuarbeiten. Denn in Deutschland ist das in dieser Form nicht möglich. Der Andrang auf die begrenzten Plätze war auch in diesem Jahr wieder sehr groß: Aus mehr als 40 Bewerbungen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland wurden schließlich 20 engagierte Azubis im zweiten Lehrjahr ausgewählt.

Unterstützt wurden sie von den Betreuern Gregor Botzet, Michael Doll (Handwerkerschule Martinsdorf Siebenbürgen e. V.), seiner Frau Elise als Projektmanagerin und guter Seele des Camps, von den Kirchenmalermeistern Bettina von Boch und Günther Federl, Farb- und Lacktechniker Lukas Keller (Fachlehrer und ehemaliger Sto-Stiftungs-Stipendiat) sowie Farb- und Lacktechniker Matthias List. Unter ihren kundigen Augen und Anweisungen renovierten die jungen Handwerker*innen die Decke im alten Amtszimmer. Sie schliffen in die Jahre gekommene Farbschichten ab, spachtelten Fehlstellen, grundierten und strichen mit Kalkschlämme. Auch die Konturen der Rippengewölbe wurden von den eifrigen Maler- und Stuckateurs-Azubis mit viel Gefühl ausgearbeitet.

Im Workshop Graumalerei lernten die Teilnehmer*innen, wie man Profile, Rosetten und Säulen so aufmalt, dass diese dreidimensional wirken. Beim Schablonieren mit Trockenpigmenten entdeckten sie eine weitere interessante und kaum noch praktizierte lasierende Technik. „Ich wollte wissen, was der Maler-Beruf noch alles zu bieten hat“, sagt Teilnehmerin Melanie Salomon aus Zürich, deren Erwartungen voll erfüllt wurden. „So konnte ich mich selbst davon überzeugen, wie fein und genau ich arbeite und ob ich mir das für meine Zukunft vorstellen kann.“

Arbeit ist nicht alles

Die Einfachheit der Unterkünfte im bereits renovierten Dachstuhl des Pfarrhauses sowie die gemeinsamen Mahlzeiten im Dorfgemeindehaus schweißten die Nachwuchs-Handwerker*innen schnell zusammen. „Bei diesem Camp können wir den Auszubildenden nicht nur den Denkmal-Gedanken und die dazugehörigen Techniken näherbringen, sondern sie auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung fördern“, erläutert Botzet. Das Team packte gemeinsam an, half sich gegenseitig und hatte auch bei Aktivitäten abseits von Kelle und Pinsel eine tolle Zeit. Die Tischtennisplatte erfreute sich ebenso großer Beliebtheit wie das Stockbrot am Lagerfeuer. Zur Erfrischung wurden kurzerhand zwei Kunststoff-Großladungsträger zu Mini-Pools umfunktioniert. „Die Leute sind super, und die Arbeit macht Spaß. Hier ist es einfach richtig cool“, bestätigt Camp-Teilnehmer Jonathan Krämer aus Schorndorf begeistert.

Der Sto-Stiftung geht es immer auch darum, den Horizont der Geförderten zu erweitern. Deshalb standen im Rahmen mehrerer Kulturausflüge auch Landes- und Baugeschichte, Materialkunde sowie Baukultur auf dem Programm. In Sibiu, dem ehemaligen Hermannstadt, lernten sie die Geschichte des Landes kennen und erkundeten im Rahmen einer Führung die Altstadt. Im nahegelegenen Holcmány (ehm. Holzmengen) nahmen sie hingegen eine restaurierte Kirchenburg in Augenschein.

Das Resümee der Azubis war zum Schluss einhellig: Jede Menge neues Wissen zu Handwerkskunst und Baukultur und ein großartiges Gemeinschaftserlebnis, für das jede und jeder die Reise nach Transsilvanien gerne wieder antreten würde. „Ich finde es klasse, dass Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei sind. Dadurch nehme ich viele positive Eindrücke und gute Freundschaften mit nach Hause“, betont Jonathan Krämer. Melanie Salomon ergänzt: „Wer den Beruf näher kennen lernen und etwas anderes sehen will, sollte unbedingt mal ins Camp kommen“.

Ob es eine weitere Ausgabe geben wird? „Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus“, sagt Botzet und lacht. „Das DenkmalCamp kommt so gut an, dass wir es fest in das Programm der Sto-Stiftung aufgenommen haben – nächstes Jahr dann mit einer neuen Azubi-Truppe. Wir sind jetzt schon gespannt, wie sich das Projekt in der Zwischenzeit weiterentwickelt.“

Quelle: Sto-Stiftung / Delia Roscher