13. Oktober 2022

5. Bauhütte mit internationaler Verstärkung

In Sundhausen (Thüringen) soll ein ehemaliger Konsum zum neuen Dorfmittelpunkt und Treffpunkt umgebaut werden. Foto: pivopix/Christoph Große
In Sundhausen (Thüringen) soll ein ehemaliger Konsum zum neuen Dorfmittelpunkt und Treffpunkt umgebaut werden. Foto: pivopix/Christoph Große

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Internationale Architekturstudierende und Gesell*innen des Ausbaugewerbes arbeiteten vom 17. bis 25. September gemeinsam mit der Bevölkerung am neuen Landzentrum Sundhausen in Thüringen. Die Bauhütten finden im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen seit Frühjahr 2021 statt.

In der Thüringer Dorfregion Seltenrain engagieren sich seit Jahren die Stiftung Landleben und der Verein Landengel e. V. mit der Planung und Umsetzung eines neuen Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsnetzwerks. Ziel ist es, im Zuge des demografischen Wandels nicht nur Gesundheitsdienstleistungen im Unstrut-Hainich-Kreis anzubieten, sondern soziale Isolation zu vermeiden und die Pflege, Altenhilfe und das Wohlfahrtswesen in ländlichen Regionen zu ermöglichen.

Zur Stärkung dieser sozialen Infrastruktur wird ein leerstehender Konsum aus DDR-Zeiten in Sundhausen zu einem neuen Dorfmittelpunkt und Treffpunkt umgebaut. Als Teil des Projekts finden im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen seit Frühjahr 2021 organisiert von der TU Berlin/CODE und mit Unterstützung der Sto-Stiftung Bauhütten unter der Beteiligung von Studierenden und Handwerker*innen des Ausbaugewerbes statt.

Internationale Projektbeteiligung

Vom 17. bis 25. September 2022 fand die mittlerweile 5. Bauhütte jetzt mit internationaler Verstärkung statt: Die TU Berlin, die Veldacademie mit der TU Delft, die TU Wien, PUC Santiago de Chile, Bauhaus-Universität Weimar und Maler-Fachschulen aus ganz Deutschland haben unter dem IBA Motto „Aufbruch durch Gestaltung“ den weiteren Umbau des Leerstandes zum Ziel. So werden die Potenziale von Nachnutzung gestalterisch sichtbar gemacht. Es fanden bauliche Interventionen im Innen- und Außenraum statt, die vom Möbelbau über Textilarbeit bis zum Lehmbau und einer neuen Platzgestaltung reichen. Bei Hands-On-Workshops kamen die Dorfbewohner*innen und Gäste aus dem Aus- und Inland zusammen. Begleitende öffentliche Fachvorträge ergänzten das Programm.

Vor dem Hintergrund des Klimawandels stand bei der 5. Bauhütte außerdem das zirkuläre Bauen – also die Wiederwendung von Material aus dem Baustoffkreislauf – im Vordergrund. Dazu schenkte das Het Nieuwe Instituut Rotterdam das Material ihres temporären, pinkfarbenen Holzdachs den Sundhausener*innen. Und die Veldacademie Rotterdam schickte ihre Holzmodule eines mobilen Theaters für die 5. Bauhütte nach Thüringen. Mit einem Aufruf an die Region Sundhausen und darüber hinaus wurden zusätzlich Textilien zur Wiederverwendung gesammelt.

Über die Bauhütten

Dem Gedanken eines Bau-Laboratoriums folgend rückt die sogenannte Bauhütte, die immanente Verbindung von Gestalt und Konstruktion, ins Zentrum der Architektur, die sowohl gestalterisch als auch baukonstruktiv wegweisend werden kann und die das ländliche Bauen darüber hinaus ganz explizit als Zukunftsfeld begreift, das neue Perspektiven im Stadt-Land Kontext eröffnet. Der experimentelle Charakter des Vorhabens in Sundhausen dient der Entwicklung von prototypischen (Ein-)Bauten einerseits und der Entwicklung neuer, kollaborativer Prozesse andererseits.

Ziel des Bauhütten-Prozesses ist es, alle am Bau beteiligten Akteur*innen frühzeitig durch Runde-Tisch-Gespräche und Workshops einzubinden und die Bauhütte als ein Format des Austauschs und Diskurses zu begreifen, in dem interdisziplinär und gewerkübergreifend agiert werden kann. Übergeordnet steht hier der Gedanke im Mittelpunkt, Architektur und Handwerk durch die Arbeit an einem gemeinsamen Projekt stärker zusammenzuführen. 

Quelle: Sto Stiftung / Delia Roscher