02. November 2022

Sparsam durch den Winter

Foto: stock.adobe.com/Africa Studio

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Energiesparen geht momentan alle an. Jedes Unternehmen ist gefordert, weniger Gas und Strom zu verbrauchen – nicht nur aus Kostengründen. Schon recht einfache Investitionen, die sich schnell amortisieren, können sehr viel bringen. Welche Maßnahmen Experten jetzt empfehlen.

Die Energiepreise sollen für die Unternehmen tragfähig bleiben, gerade mit Blick auf die kleinen und mittelgroßen Firmen. „Hier stehen unsere Betriebe vor den gleichen Herausforderungen wie die privaten Haushalte“, sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) Ende August. Die Firmen seien gleich in mehrfacher Hinsicht von Belastungen betroffen: Neben der Bezahlbarkeit von Energie addierten sich noch die stark steigenden Material- und Rohstoffpreise sowie die Folgen der Pandemie. „Erschwerend kommt auf der Nachfrageseite hinzu, dass zunehmend Kaufzurückhaltung zu spüren ist“, berichtet Wollseifer. Der ZDH ist mit dem Entlastungspaket nicht zufrieden: „Die nun vorgesehene Unterstützung wird unsere Betriebe nicht unmittelbar entlasten, sondern kann ihre Wirkung erst zeitverzögert entfalten. Das gilt etwa für die Absicht, eine Strompreisbremse einzuführen. Die durchaus in die richtige Richtung gehenden Pläne bleiben im Detail sehr unbestimmt und bringen den Betrieben keine unmittelbare Entlastung“, meint Wollseifer.

„Betriebe stehen vor den
gleichen Herausforderungen
wie die privaten Haushalte.“


Hans Peter Wollseifer,
ZDH-Präsident

Auch der Deutsche Mittelstandsverbund (ZGV), der mehr als 230000 mittelständische Firmen vertritt, appellierte anlässlich der Kabinettstagung im August in Meseberg: Die explodierenden Mehrkosten für Energie müssten kurzfristig auf verschiedene Schultern verteilt werden. Kleine und mittlere Unternehmen sollten Überbrückungshilfen erhalten. Außerdem sollten energiefreundliche Ersatz- und Neuinvestitionen mit Sonderabschreibungen belohnt werden. Firmen sollten gefördert werden, wenn sie sich zu Energiemaßnahmen und den Einsatz erneuerbarer Energien beraten lassen.

Solche Forderungen scheinen notwendig. Nach einer aktuellen Umfrage des Mittelstandsbundes (DMB), der kleine und mittlere Unternehmen vertritt, sehen sich 46 Prozent der Firmen stark von den aktuellen Preissteigerungen betroffen, 27 Prozent sogar sehr stark. Das bezieht sich auf sämtliche Branchen und damit auch auf jene, die wie die Stuckateure nicht übermäßig energieintensiv arbeiten. Die Bundesregierung will aber mit dem dritten Entlastungspaket unterstützen, auch zum Beispiel bei Investitionen in Effizienzmaßnahmen.

Investitionen in erneuerbare Energien angesichts der aktuell angespannten Situation halten Experten wie Martin Bornholdt, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF), für ein Gebot der Stunde. Alle Unternehmen müssten in den kommenden Jahren klimaneutral werden, das kann – auch für Stuckateure – ein entscheidender Wettbewerbsfaktor sein.

Problem der langen Lieferzeiten

So denken momentan viele Firmenchefs darüber nach, sich eine Photovoltaikanlage auf das Dach zu setzen oder eine Wärmepumpe anzuschaffen. Die Lieferzeiten für solche Lösungen betragen aber mindestens ein halbes Jahr. „Das sollte Firmen nicht daran hindern, jetzt zu investieren. Spätestens in vier bis fünf Jahren sollte eine Anschaffung mit Blick auf die Klimaziele ohnehin erfolgen“, sagt Professor Peter Radgen, Inhaber des Lehrstuhls für Energieeffizienz der Universität Stuttgart. Die Amortisationszeiten bei Maßnahmen zur Energieeffizienz haben sich aufgrund der hohen Energiepreise zuletzt deutlich verkürzt. Teilweise rechnet sich die Anschaffung neuer Technik schon innerhalb von zwei bis vier Jahren. Allerdings sollten sich Firmenchefs beraten lassen, um ganzheitlich in der Gebäudetechnik die Energieeffizienz zu steigern. Modernisierungen bedürfen einer längerfristigen Planung, sie lassen sich daher nicht innerhalb von Wochen realisieren.

Anders sieht das zum Beispiel bei einfachen Maßnahmen aus wie etwa der Einsatz von Präsenzmeldern oder die Umstellung der gesamten Gebäudebeleuchtung auf LED-Lampen. Diese Lösungen bringen Energieeinsparungen, kosten nicht viel und sind schnell umsetzbar. Auch ein einfacher Heizungscheck kann 15 Prozent Einsparung bringen. Nach der neuen Energiesparverordnung, die seit Oktober gilt, ist dieser alle zwei Jahre für Anlagen mit Gas verpflichtend. Überdies müssen Unternehmen einen hydraulischen Abgleich machen lassen, um den Heizwasserfluss zu optimieren. Erfahrungsgemäß haben bisher nicht alle Immobilieneigentümer ihre Anlagen so optimiert.

Energiesparverordnung gibt Hinweise zum Energiesparen

Nach der Energiesparverordnung lautet die Empfehlung auch, Boiler und Durchlauferhitzer jetzt abzuschalten. Auf Warmwasser beim Händewaschen ist verzichtbar. „Intelligente Thermostate, die die Heizung automatisch herunterdrehen, wenn keiner im Raum ist, oder eine optimale Lüftung können auf der Liste energieeffizienter Maßnahmen stehen“, schlägt Martin Bornholdt vor. Nach der neuen Energiesparverordnung, die Anfang September in Kraft getreten ist, sind Betriebe aufgerufen, nur bis 19 Grad zu heizen. Die Firmen sind zwar nicht verpflichtet. Die Energiesparverordnung sichert hier aber ab, dass es keine rechtlichen Probleme mit Mitarbeitenden oder mit Vermietern gibt. Nach einer alten Faustregel kann ein Grad weniger eine Einsparung beim Gas von rund fünf bis sechs Prozent bringen. Das lohnt sich also durchaus.

Viele Großkonzerne planen, ihre Mitarbeitenden im Winter wieder ins Homeoffice zu schicken. Für Stuckateure wird dies nur partiell eine Lösung sein. Aber die Firma kann zwischen Weihnachten und Silvester bis ins neue Jahr geschlossen werden – was dann den Energiebedarf senken würde.

Gemeinsam Sparpotenziale finden

Unterm Strich zeigen die Beispiele: Viele Projekte lassen sich günstig und in Teilen durch Techniker oder Technikerinnen von Kollegenbetrieben sowie unter Einbeziehung der Mitarbeitenden schnell umsetzen. Selbst Azubis entdecken immer wieder Potenziale zum Energiesparen, die lange übersehen wurden. Es macht Sinn, sich im Team zusammenzusetzen und gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen. Dann findet sich sicher etwas!

Uli Dahme

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