08. Dezember 2022

Mehr Struktur, bitte!

„Es ist etwas Besonderes um den Baucharakter einer Stadt. Jede hat ihren eigenen.« Gemäß dieses Satzes des österreichischen Architekten und -Kritikers Adolf Loos prägen zweifellos die Putzfassaden Charakter Münchens. Fotos: Dominik Thoma

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Eine Putzbeschichtung kann so viel mehr sein als dass man sie einfach nur glatt oder als Reibeputz ausführt. Unser Autor hat mit seinem Buch „Münchner Strukturputze“ den -stadtbildprägenden Putzfassaden ein Denkmal gesetzt und plädiert für mehr Struktur.

Bis Ende des 18. Jahrhunderts galt in München Putz als rein schützender Überzug an Mauerwerksfassaden. Für qualitativ hochwertiger als verputzter Ziegel galten damals Hausteinfassaden und Quaderungen, da sie keine weitere „Schutzschicht“ brauchten. Das Baumeistergeschlecht jener Tage war in einer Verehrung des klassischen Altertums erzogen. Gerade in Bezug auf die Beständigkeit von natürlichen Baumaterialien vertrat man die Ansicht, dass „nichts […] unschöner als ein schadhafter ungepflegter Verputz [ist] – während doch ein Werkstein selbst in der Verwitterung noch seine Ehre behält und auch ein ergrauter und geschwärzter Ziegel nicht unwürdig ist.“1

Vom Klassizismus bis zur Moderne

Die Verwendung von Putz als Fassaden gestaltendes Material beginnt in München erst ab dem 19. Jahrhundert. Vom Klassizismus bis zur Moderne lässt sich die Entwicklung der Münchner Baukultur und der damit einhergehenden Verwendung von Fassadenputzen im Wesentlichen entlang der Regierungszeiten der vier aufeinander folgenden Regenten Ludwig I., Maximilian II., Ludwig II. und Prinzregent Luitpold unterteilen.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich die wahrlich meisterhafte Anwendung von Putz und Stuck, hier an der Gedonstraße 4. Der Kammzug am Gebäude Konradstraße 14 wurde freihändig gezogen (rechts).

Bei noch näherer Betrachtung offenbart sich der ganze Kosmos der bis zum Äußersten perfektionierten Putzfassaden.

Im klassizistischen München wurde neben Klenzes Klinker- und Ohlmüllers Ziegelbauten der verputzte und meist pastellig getünchte Ziegelbau bevorzugt; Sandsteinverkleidungen blieben repräsentativen Bauten vorbehalten. Die bekanntesten klassizistischen Putzbauten ließ Ludwig I. am Königsplatz und an der Ludwigstraße errichten.

Mitte des 19. Jahrhunderts bürgerte sich der Maximilianstil ein, eine Sonderform des romantischen Historismus und benannt nach seinem Initiator Maximilian II. Zu dieser Zeit verlor Putz als Baumaterial zunehmend an Bedeutung. Lediglich in den damals neu entstandenen bürgerlichen Wohnvierteln in der Maxvorstadt und am Gärtnerplatz wurden Putzfassaden mit wenig vorkragendem Stuckdekor gebaut. Gegenüber Putzbauten bevorzugte man Klinker- und Ziegelbauten.2
Nach Maximilians Tod, im Zuge der „Deutschen Renaissance“3, begann man allmählich mit der Wiederaufnahme von Fassadenputzen, angefangen mit Gärtners schlichter Putzarchitektur mit ihren aufgemalten Quadern in der Münchner Ludwigstraße. Erst ab 1870 wandte man sich aufwändigerer Gestaltung zu, als nach dem Deutsch-Französischen Krieg dem Mittelstand „erhebliche Geldmittel“4 zur Verfügung standen und infolgedessen Prachtfassaden in großem Stil erbaut wurden.5 Für diesen Zweck hatte Putz gegenüber allen anderen damals verwendeten Baumaterialien einen entscheidenden Vorteil: „In Verbindung mit fertiggegossenen Stuckteilen […] versprach diese Methode bei relativ geringem finanziellem Aufwand die dekorativsten Wirkungen.“6

Die Kritik an Putz wächst

Besonders beliebt bei den Architekten der Neurenaissance waren Steinimitationen, also die Nachbildung von Steinen in Putz. „Natursteinverkleidungen wurden nur für aufwändigere Bauten verwendet, wie überhaupt in München um die Jahrhundertwende auf ,von weit hergeholte(n) Baumaterialien’ verzichtet wurde.“7

Im Zuge immer lauter werdender Forderungen nach Materialgerechtigkeit gerieten Materialimitationen und Surrogate in den Folgejahren immer stärker in den Fokus der Kritik. Einer entsprechenden Verwendung von Putz und Stuck warf man vor, sie könnte nur Oberflächen imitieren, verfehlte aber den Kern oder den eigentlichen Charakter natürlicher Baustoffe. Die Vorstellung einer materialgerechten Verwendung von Putz wurde sogar so weit idealisiert, als dass scharfe Kanten und Ecken so weit als möglich gemieden wurden, da diese nur mittels Hilfskonstruktionen anzufertigen waren. Mit wachsendem Verlangen nach einem Materialstil und materialgerechter Bearbeitung wurde die Imitation letztendlich für unehrlich und das Surrogatwesen zum Synonym für schlechten Geschmack und Minderwertigkeit erklärt8. Adolf Loos beschimpfte die Verwendung von Surrogaten9 sogar als „lächerlich.“ 10 Diese Entwicklungen führten rasch dazu, dass sich „die Putzfassade der Modernen in ihrem Material entsprechenden, nicht den Steinbau nachäffenden Formen (…) einen berechtigten Platz (…) erobert [hat]. Die durchweg in Mörtelputz (…) ausgeführte Fassade [bildet] (…) eine erfreuliche Errungenschaft der Moderne.“11 Mitunter war wohl auch „das Fehlen von brauchbaren Steinmaterialien in der näheren Umgebung Münchens Anlass für die Abkehr von Steinimitationen. Aus der Not wurde sozusagen eine Tugend gemacht.“ 12

Neue Möglichkeiten

Mit dem Späthistorismus kam in München eine neuartige Verwendung des Putzmaterials auf. „Man erkannte, dass Putz und Farbe imstande waren, selbstständig völlig neue künstlerische Wirkungen zu erzielen […].“13 Die spezifischen Eigenschaften des Putzes, Haften und Überziehen, ohne zu tragen oder gar zu unterstützen, ermöglichten ein flächenhaftes Fassadenrelief mit geringen Ausladungen und schienen dem Materialstil am ehesten gerecht zu werden.14 Man setzte daher z. B. verstärkt glatte neben raue Putze. Zu großer Beliebtheit gelangte in dieser Zeit der sogenannte „Altdeutsche Putz“, der erst eine halbe Stunde nach dem Auftrag mit einem Filzbrett bearbeitet wurde.

Aufzuhalten war der Siegeszug der innovativen Putzarchitektur um 1900 nicht mehr, wenngleich in Münchner Kreisen weiterhin viel und heiß über „Materialstil, Zweckform, Tektonik“15 debattiert wurde. Hier bildeten sich mehrere verschiedene Richtungen heraus, in denen vereinzelt sogar die Zackenformen des späteren Art déco zu finden waren,16 beispielsweise an den Erkerkonsolen an der Schellingstraße 26. Neben der „deutschen Renaissance“ und der „Heimatbauweise“, die sich besonders stark an der malerischen Tiroler Architektur orientierte, war letztendlich der Jugendstil17 „seit dem Rokoko die erste Bewegung, die eine völlig neuartige Formensprache zu schaffen versuchte und sich nur bedingt an historischen Vorbildern orientierte“.18

Blütezeit im Jugendstil

Der Münchner Jugendstilarchitekt Martin Dülfer war einer der Ersten, die sich im besonderen Maße mit den neuen Putztechniken beschäftigen sollten. Vor allen anderen Architekten in Europa erkannte er deren Ausdrucksmöglichkeiten für die Fassadengestaltung und führte sie mit seinen Bauten in München vor.

Um 1900 wurde München zum Zentrum der deutschen Putzarchitektur. „Überall bauten sie […] nach dem Münchner Vorbild – sie schleppten auch die oberbayerische Putzfassade überall mit hin.“19 Der Grund für die wachsende Popularität von Strukturputzfassaden lag laut Adolf Winkler am regen Erfindergeist der Baumeister und Architekten: „Aus der heutigen Putztechnik sehen wir eine ganz neue Bewegung aufwachsen. Das starre Festhalten an einigen wenigen Putzarten, so wie es in den letzten Jahrhunderten üblich war, scheint überwunden zu sein. Man hat vielfach den Eindruck, als ob der Wettbewerb zwischen den Putzarten in erster Linie seinen Ausdruck in dem Erfinden immer neuer Putztechniken findet.“20

Von den spezifischen Eigenschaften des Putzes, nicht lastend, sondern anhaftend, den Vertiefungen des Baukörpers folgend und sich um alle Erhöhungen der Fassade schmiegend, machte die innovationsfreudige Putzarchitektur der Jahrhundertwende bei der Gestaltung von ovalen oder nierenförmigen Fensteröffnungen, von gerundeten Kanten und Erkern, von frei gekrümmten, breiten Hohlkehlsimsen und an runden Turmaufsätzen reichlich Gebrauch. Dem Einfallsreichtum der Architekten und Baumeister waren keine Grenzen gesetzt. Strukturputze, wie wir sie heute kennen, entstanden maßgeblich in dieser Zeit: Es wurde mit Besen geschlagen, mit Stempeln gedrückt oder mit Kellen modelliert. Die bekannteste Strukturputztechnik des Jugendstils, der Riffelputz, besser bekannt als Kammzug, wurde von Martin Dülfer entwickelt und am hiesigen Markt populär gemacht. Herausragende Beispiele für exzellente Putzfassaden mit dekorativen Jugendstilformen sind z. B. in der Ohmstraße 13 – 17, in der Gedonstraße 4 – 6 oder in der Leopoldstraße 77, dem Wohnhaus Dülfers, zu finden. Weitere sehenswerte Jugendstilbauten, u. a. von Dülfer, Thaler, Hatzl und Langheinrich, befinden sich in hoher Dichte „in dem damals neu eingemeindeten Schwabing, in Neuhausen und in Bogenhausen, in der Umgebung des Friedensengels.“21

Die Blütezeit der Putzfassaden war im Jugendstil. Charakteristisch ist der Kammzug in verschiedenen Ausführungen. Hier am ehemaligen Wohnhaus des Architekten Martin Dülfer an der Leopoldstraße 77. Das Dekor ist nicht bauzeitlich, sondern wurde nach Originalplänen wiederhergestellt. Auch die reich geschmückte Doppelerkerfassade mit Schweifgiebel an der Gedonstraße stammt von Dülfer. Im Erdgeschoss bzw. im Hochparterre wurde ein gröberer Kammzug verwendet als in den Regelgeschossen.

Erneute Debatte und Niedergang

„Materialbewusste“ Architekturtheoretiker hielten aber schon bald nach der Jahrhundertwende die in Putztechnik hergestellten Fassaden für nicht materialgerecht, wie Franz Geiger urteilte: „Die Materialgerechtigkeit ist eine der ersten Erfordernisse wahrer Baukunst, und mit dieser fällt der Putzbau.“22 Und wieder wurde in München die Debatte um materialgerechtes Bauen entfacht. Ebenso schnell wie der Jugendstil entstanden ist, verschwand er auch wieder. Hans Karlinger resümierte süffisant: „Der Jugendstil versuchte vergeblich die Transaktion des Malerischen zum funktionellen Ausdruck, er blieb an der Fiktion vom neuen Ornament hängen.“23

Mit dem Funktionalismus der klassischen Moderne verlor die Putzkultur in München erheblich an Bedeutung, vermehrt wurden wieder edle Materialien wie Marmor in ihrer Materialwirkung gezeigt. Man gestaltete Fassaden so eckig wie möglich24 und entfernte Stuckdekor und andere staubfangende Details zu Gunsten einer konstruktiven Einfachheit, die „mit großen, glatten Flächen arbeitete.“25

Zwei Beispiele dafür, dass die Tradition der Putzfassaden auch an weniger spektakulären Gebäuden fortbesteht. An der Fassade in der Voßstraße von 1927 (rechts) finden sich mehrere unterschiedliche Kellenwürfe. Je nach Konsistenz, Wurftechnik und Putzer können die Fladen flacher oder „semmelartiger“ ausgeprägt sein. Der Kellenwurfputz an der Pilgers-heimer Straße (links) wurde unmittelbar nach dem Anwerfen mit der Kelle nachgeglättet. Er ähnelt in der Struktur einem Nesterputz.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde München 1933 zur „Hauptstadt der Kunst“ ernannt. Die Stadt zählte ab 1935 zu den fünf Führerstädten und sollte monumental aus- und umgebaut werden. Die Verwendung von Putz als fassadengestaltendes Baumaterial kam infolgedessen nahezu zum Erliegen.

Kurze Renaissance in der Zeit des Wiederaufbaus

Putzfassaden wurden erst wieder nach dem Krieg zum Thema, als ein rascher Wiederaufbau der größtenteils zerstörten Bausubstanz erfolgen musste. München sollte keine „großstädtische Prägung“26 und keine „City“27 wie Frankfurt am Main erhalten. Proportionen und Dimensionen sollten bewahrt werden, um die alte städtebauliche Identität zu erhalten. „Damit einher ging die Wahl der Baumaterialien und der Bautechnik: Statt Stahlbetonskelettbauten, die ein ganz anderes Verhältnis von Wandfläche zu Fensteröffnung ermöglichen, entstanden in der Regel Ziegelbauten mit verputzten Lochfassaden. Der Putz wurde häufig (Naturstein imitierend oder figürlich) bemalt. Die wichtigsten Baumaterialien ließen sich in [München] relativ zügig wiederbeschaffen: Sand und Kies waren reichlich vorhanden.“28

Die Gebäude der 50er-Jahre stehen für den geistigen und kulturellen Wiederaufbau des kriegszerstörten Deutschlands. Die Putzgestaltung dieser Zeit, oft in Sgraffitotechnik oder als Wandmosaik ausgeführt, hatte die Funktion, die ökonomisch geprägte Architektur zu veredeln. Als Bildmotive wurden meist Tiere, Familien, arbeitende Menschen oder religiöse Szenarien dargestellt.29

Im weiteren Zuge des Wiederaufbaues etablierten sich in München Begriffe wie „neue Leichtigkeit“, „dynamische Moderne“, und „Architektur der Bescheidenheit“30. Schlicht, einfach oder nach skandinavischem Vorbild sollte gebaut werden, hauptsächlich sich gegenüber Monumentalität, Symmetrie, Massigkeit und Materialkult der dreißiger Jahre abgrenzend. Charakteristisch für diese Zeit sind leicht wirkende Flug- oder Vordächer und gekurvte, stählerne Balkone. Putz wurde hauptsächlich im Sinne der ursprünglichsten Aufgabe des Baumaterials verwendet: verhüllend und schützend.

Entstuckung – Kahlschlag an der Fassade

Bis Ende der sechziger Jahre setzte sich die kulturelle und gestalterische Vernachlässigung von Putzfassaden fort, bis hin zur Zerstörung von Bestandsarchitektur: „Die Fassaden des Historismus und des Jugendstils in München [waren] der Modernisierungsfreude ihrer Besitzer preisgegeben. Ganze Straßenzüge, die den Krieg überstanden hatten, erlebten den Kahlschlag aller ,überflüssigen’ Profile. Befreit von allem „unnützen“ ornamentalen Zierrat wurden sie mit dem ,praktischen’, leichter zu pflegenden Einheitsputz überzogen. […] Man glaubte die Stadt zu verschönern und gab noch viel mehr Geld aus für verschiedene Verkleidungsmaterialien, für Marmor und Mosaiken. […] Es ist leider nicht übertrieben, von der Verödung ganzer Straßenzüge zu sprechen, mit verpfuschten Häusern, deren Putz an manchen Stellen inzwischen wieder die alte Gliederung durchscheinen lässt.“31 Seitens der Münchner Behörden wurde dem „Entstuckungswahn“ der Besitzer und Investoren kaum Einhalt geboten. In der Denkmalpflege interessierte man sich damals allenfalls für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die viel verspotteten „Kitschfassaden“32 der Gründerzeit und des Jugendstils galten bereits seit Jahrzehnten als „bedauerliche Entgleisung“33, als „stilloser Eklektizismus“34, als „charakterlose Stilkopie“35 oder kurz gesagt als „unmoralisch“36.

Erst in den siebziger Jahren hatte das Abschlagen der Gliederungen an den Fassaden „dank dem sich ändernden Zeitgeschmack und auf Grund einer erfolgreichen Initiative des Baureferats der Stadt praktisch aufgehört.“37

Die Rettung der Fassaden

Im Zuge der Aktion „Rettet Münchens Fassaden“ wurde 1971 der Münchner Fassadenpreis ins Leben gerufen, mit dem Ziel, jährlich Eigentümer von herausragend renovierten Häusern der Gründerzeit und des Jugendstils auszuzeichnen. Der Appell an die Bürger, erhebliche Mittel in die Renovierung ihrer Häuser zu investieren, hat sich in vielen Fällen gelohnt. „Bis zum Olympiajahr waren in München bereits 1500 Fassaden der Gründerzeit und des Jugendstils renoviert, davon alleine 300 im Jahr 1971.“38 Der Münchner Fassadenpreis war ein Erfolg auf ganzer Linie und verhalf dem Bild der Stadt mit ihren charakteristischen Putzfassaden zu einem neuen Glanz. Er wird bis heute im Zweijahresrhythmus verliehen und mittlerweile auch von anderen Städten nachgeahmt.

Noch ein herausragendes Beispiel aus der Hochzeit der Putzfassaden in München: die Schellingstraße 26. Baumeister des Jugendstils waren der Auffassung, dass an solchen Fassaden die materialgerechte Verwendung des Baumaterials Putz am besten zur Geltung komme.

Mit aktuell 6882 Baudenkmälern zählt die Landeshauptstadt zu den denkmalreichsten Städten Bayerns.39 Daneben besteht die breite Masse der Münchner Bauten aus einer „anonymen Architektur“40 zu Zeiten des Wiederaufbaus. Nach vierzig, fünfzig oder gar sechzig Jahren der Nutzung stellen mittlerweile energetische Anforderungen dieses architektonische Substrat Münchens in Frage – und mit ihm wesentliche Züge des Stadtbildes. Der Charakter der Gebäude droht unter den gestalterisch unreflektiert aufgebrachten Wärmedämm-Verbundsystemen und deren glattgescheibten Putzfassaden allmählich zu verschwinden. Und mit ihm wesentliche Details der Architektur: der Sockel, der Dachanschluss, die Gesimse und Teile der Öffnungen. Von hochwertigen Putzfassaden kann keineswegs die Rede sein, im Gegenteil, „es findet eine Abkehr von Vielfalt und Hinwendung zur Monotonie, zum charakterlosen Haus statt.“41 Als Folge dieser Entwicklung leidet der Baustoff Putz seit vielen Jahren unter einem massiven Imageproblem, von dem er sich nur schwer zu erholen scheint.

Und trotzdem: Gegenwärtig rehabilitiert sich die Münchner Putzszene. Architekten besinnen sich wieder vermehrt auf historische Putztechniken, in Anlehnung an deren historische Vorbilder. Die Debatte um materialgerechtes Bauen scheint erneut entfacht worden zu sein …

Dominik Thoma

Literaturquellen:

  1. Prof. Wolf, Gustav: Vom Putzbau. in: Deutsche Bauzeitung, 66. Jg. 1932, Nr. 18, S. 341

  2. vgl. Klein, Dieter: Münchner Maßstäbe – Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert. München 2008, S. 22

  3. Die Deutsche Renaissance hatte ihren Ausgangspunkt in München

  4. vgl. Klein, Dieter: Münchner Maßstäbe – Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert. München 2008, S. 23

  5. vgl. Klein, Dieter: Martin Dülfer, Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur, Arbeitshefte des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Arbeitsheft 8. München 1981, S. 45

  6. ebd.

  7. Klein, Dieter: Münchner Maßstäbe – Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert. München 2008, S. 25

  8. vgl. Rübel, Wagner, Wolff. Mate-rial-ästhetik. Frankfurt 2005. S. 143 f.

  9. Im Fall des Abstiegs in der Ordnung der Materialien spricht man von Imitation und Surrogaten.

  10. Loos, Adolf: Die Baumaterialien. 1898, in: Glück, Franz (Hrsg.): Sämtliche Schriften in zwei Bänden, Bd. 1: Ins Leere gesprochen, 1897-1900. Wien 1962, S.136.

  11. Vogel: Abgeleitet historische und frei erfundene Bauformen. in: Deutsche Bauhütte. 1908, S. 237, 248

  12. Klein, Dieter: Münchner Maßstäbe – Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert. München 2008, S. 27

  13. Klein, Dieter: Martin Dülfer, Wegbereiter der deutschen Jugendstilarchitektur, Arbeitshefte des Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Arbeitsheft 8. München 1981, S. 45

  14. Klein, Dieter: Münchner Maßstäbe – Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert. München 2008, S. 27

  15. Karlinger, Hans: München und die Kunst des XIX. Jahrhunderts. München 1933, S. 215

  16. Klein, Dieter: Münchner Maßstäbe – Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert. München 2008, S. 29

  17. Die Bezeichnung Jugendstil meint im Wesentlichen die gleiche Sache wie das englische Arts and Crafts oder das französische Art Nouveau.

  18.  Anlass für die Wortschöpfung dürfte die stilbildende Zeitschrift „Jugend“ gewesen sein, die erstmals 1896 in den Handel kam.

  19. Pevsner, Nikolaus. Architektur und Design, S. 489

  20. Steinbach, Heinrich: Die Baufach-Ausstellung in Leipzig, in: Hochbau (Amtsblatt der Bayerischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft, Nr. 19, S. 145

  21. Winkler, Adolf: Neuzeitliche Fassaden-Putztechnik. Berlin 1929, S. 37

  22. Klein, Dieter: Münchner Maßstäbe – Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert. München 2008, S. 30

  23. Geiger, Franz: Putzbau, in: Deutsche Bauhütte, Nr. 49 (Dezember 1902), S. 370

  24. Karlinger, Hans: München und die Kunst des XIX. Jahrhunderts. München 1933, S. 215
    Klein, Dieter: Münchner Maßstäbe – Der Siegeszug der Münchner Architektur im 19. Jahrhundert. München 2008, S. 27

  25. Hahn, K.: Über Studien von Architekt H. Lemke, in: Deutsche Bauhütte 1908, S. 138, Hannover 1908
    Vgl. Semmler, Ludwig: Münchner Altstadt – ein Stadtspaziergang durch das „Herz der Stand“. in: 

  26. LH München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung: Denkmalschutz in München, 40 Jahre Bayerisches Denkmalschutzgesetz. München 2018, S. 90

  27. ebd.

  28. ebd.

  29. Linnemann, Mark; Molter, Kerstin: Wärmedämmverbundsystem und das verlorene Ansehen der Architektur. Kaiserlautern 2010, S. 3

  30. Nerdinger, Winfried. in: Peter M. Bode: München in den 50er Jahren. München 1992

  31. Habel, Heinrich; Merten, Klaus; Petzet, Michael; von Quast, Siegfried: Münchner Fassaden. Bürgerhäuser des Historismus und des Jugendstils. München 1974, S. 11

  32. Habel, Heinrich; Merten, Klaus; Petzet, Michael; von Quast, Siegfried: Münchner Fassaden. Bürgerhäuser des Historismus und des Jugendstils. München 1974, S. 11

  33. Habel, Heinrich; Merten, Klaus; Petzet, Michael; von Quast, Siegfried: Münchner Fassaden. Bürgerhäuser des Historismus und des Jugendstils. München 1974, S. 11

  34. Habel, Heinrich; Merten, Klaus; Petzet, Michael; von Quast, Siegfried: Münchner Fassaden. Bürgerhäuser des Historismus und des Jugendstils. München 1974, S. 11

  35. Habel, Heinrich; Merten, Klaus; Petzet, Michael; von Quast, Siegfried: Münchner Fassaden. Bürgerhäuser des Historismus und des Jugendstils. München 1974, S. 11

  36. Habel, Heinrich; Merten, Klaus; Petzet, Michael; von Quast, Siegfried: Münchner Fassaden. Bürgerhäuser des Historismus und des Jugendstils. München 1974, S. 11

  37. ebd., S. 268

  38. ebd., S. 13

  39. LH München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung: Denkmalschutz in München, 40 Jahre Bayerisches Denkmalschutzgesetz. München 2018, S. 28

  40. Fthenakis, Alexander. in: LH München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung. Denkmalschutz in München, 40 Jahre Bayerisches Denkmalschutzgesetz. München 2018, S. 90

  41. Linnemann, Mark; Molter, Kerstin: Wärmedämmverbundsystem und das verlorene Ansehen der Architektur. Kaiserslautern 2010, S. 31

 

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